Selten zuvor saßen derart viele Akteure der Augenversorgung zusammen an einem Tisch: Auf Initiative des Berliner Gesundheitsunternehmens Mirantus Health diskutierten rund 100 Entscheiderinnen und Entscheider aus Augenheilkunde, Augenoptik, Krankenkassen, Politik, Industrie, Verbänden und Patientenvertretung die Augenversorgung von morgen. Der offene Austausch half, Berührungsängste zwischen den Berufsgruppen abzubauen – und brachte einen gemeinsamen Wunsch hervor: mehr Zusammenarbeit bei klar definierten Qualitätsstandards.
Mirantus Health hat das Hauptstadt-Forum “Augenversorgung von morgen” initiiert und am 8. Oktober 2026 erstmals in Berlin ausgerichtet. Ziel war es, möglichst alle Akteure der Augenversorgung zusammenzubringen, den Dialog zwischen Augenheilkunde und Augenoptik zu stärken und so den Fortschritt in der Versorgung zu fördern. Der Tag begann mit einem politischen Austausch im Deutschen Bundestag mit Dr. med. Christos Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Am Nachmittag folgte im Maschinenraum Berlin das Fachprogramm mit Vorträgen, Panels und Networking. Rund 100 Teilnehmende kamen – Direktoren von Universitätskliniken, niedergelassene Augenärzte, Augenoptiker und Optometristen, Vertreter von Hochschulen, Krankenkassen, Industrie, Verbänden und Patientenvertretungen. Die Diskussionen waren offen, konstruktiv und von großem gegenseitigem Interesse geprägt.
Hochkarätiges Programm: von der Versorgungsforschung bis zum NHS
Dr. med. Claus Gruber, Mitgründer von Mirantus Health, führte in die Thematik ein und moderierte den Nachmittag. Prof. Dr. Thomas Ach (Universitäts-Augenklinik Bonn) legte aktuelle Zahlen zur augenärztlichen Versorgungslage vor und zeigte, welchen Nutzen Telemedizin in der Früherkennung bringt. Michael Schmitz (Techniker Krankenkasse) erläuterte, warum es Selektivverträge gibt, wie Krankenkassen auf Innovationen blicken – und warum diese für eine zukunftsfähige Versorgung notwendig sind.
Den internationalen Blick brachten zwei renommierte Gastredner ein. Prof. Peter Thomas (UCL / Moorfields Eye Hospital, London) stellte vor, wie der britische NHS mit Diagnostic Hubs und dem Online Hospital neue Wege geht: Nicht-ärztliches medizinisches Personal führt dort die Untersuchungen durch, Augenärzte befunden telemedizinisch. Prof. Sophia Wang (Stanford Byers Eye Institute) unterstrich die künftige Bedeutung der Teleophthalmologie und die Notwendigkeit, dass beide Berufsgruppen eng zusammenarbeiten. Prof. Dr. Ariel Stern (Hasso-Plattner-Institut) zeigte, warum neue Versorgungswege auch neue regulatorische Rahmenbedingungen benötigen.

In den Panels diskutierten unter anderem:
- Prof. Dr. Antonia Joussen, Direktorin der Klinik für Augenheilkunde, Charité – Universitätsmedizin Berlin
- Alexander Krauß, Leiter TK-Landesvertretung Sachsen
- Dr. Thomas Haupt, Dardenne Augenklinik
- PD Dr. Ursula Hahn, Geschäftsführerin OcuNet GmbH & Co. KG
- Petra Popp, CEO der Ober-Scharrer-Gruppe
- Kai Jaeger, Präsident des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen (ZVA)
- Dr. Nikolaos Chrisoglou, Ltd. Oberarzt Augenklinik Marienhospital Osnabrück
- Prof. Dr. Michael Koss, Augenzentrum Nymphenburger Höfe München
- Prof. Dr. Holger Dietze, Berliner Hochschule für Technik
- Prof. Dr. Werner Eisenbarth, Hochschule München
- Dr.-Ing. Oliver Kolbe, Ernst-Abbe-Hochschule Jena und Reha Augenklinik Masserberg
- Dr. Thomas Krämer, Vizepräsident Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)
- Michael Thöne-Flöge, Geschäftsführer des Optikunternehmens becker+flöge GmbH
- Tobias Andresen, Geschäftsführer des Optikunternehmens Optik Hallmann GmbH
- Markus Rech, Geschäftsführer des Optikunternehmens LoQu Optical Group GmbH
Die Ergebnisse: Konsens in der Sache, Handlungsbedarf bei Standards und Rahmenbedingungen
Versorgungsdefizite sind real. Wissenschaft, Kassen, Praxen, Kliniken und Patientenvertretung bestätigten die Situation aus unterschiedlichen Perspektiven. Wartezeiten von 6 bis 12 Monaten mancher Orts wurden klar bestätigt. Gerade aus Sicht der Patienten wurde deutlich, dass neue Versorgungsmodelle gelebt werden müssen, um den Zugang zu Versorgung und Früherkennung zu erleichtern.
Auch die Augenärzteschaft sieht Veränderungsbedarf. Die Zahlen des DOG Weißbuchs 2023 wurden aus dem erlebten Alltag bestätigt: Trotz einer über die letzten 20 Jahre gestiegenen Zahl an Augenärztinnen und Augenärzten ist der gesamte vertragsärztliche Versorgungsumfang in Stunden pro Woche seit 2000 praktisch flach. Es zeigt sich ein klarer Trend zu Teilzeitarbeit und ein Rückgang selbstständiger Fachärzte. Gleichzeitig wird eine Zunahme an Personen mit Augenerkrankungen von ca. 25 % bis ins Jahr 2050 durch den demografischen Wandel erwartet. Gerade vor dem Hintergrund des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes stehen die Praxen unter zusätzlichem Druck. Neue Wege seien daher unausweichlich.
Engere Zusammenarbeit als Chance. Vertreter des ZVA und zahlreiche Professoren aus der optometrischen Ausbildung betonten, dass die neuen Augengesundheits-Leistungen das Berufsbild und Selbstverständnis der Augenoptik verändern. Zugleich herrschte Einigkeit über die Grenzen: Augenoptiker und Optometristen können einen niederschwelligen Zugang schaffen und standardisierte, qualitativ hochwertige Messungen durchführen. Die Interpretation der Befunde muss jedoch klar ärztliche Aufgabe bleiben und könnte künftig mehr in Form von telemedizinischen Modellen Anwendung finden.
Gefordert: Gemeinsame verbindliche Qualitätsstandards. Von allen Seiten kam der Wunsch nach Standardisierung. Der Begriff „Screening“ werde inzwischen nahezu beliebig verwendet, die Zahl unterschiedlicher Angebote wächst. Gemeinsame Standards seien nötig, um Qualität und damit eine hochwertige Versorgung zu sichern.
Anpassungen bei Vergütung und Regulatorik gewünscht. Diskutiert wurde, wie die Versorgung organisiert werden soll, ob es neue Abrechnungsziffern braucht und ob der regulatorische Rahmen angepasst werden sollte. Als positives Beispiel wurde u.a. das Pilotprojekt “Konservative teleophthalmologische Leistungen von Augenärzten” der KV Sachsen gelobt. Dort wird die telemedizinische Leistung von Augenärztinnen und Augenärzten auch ohne persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt vergütet und schafft Chancen für eine effiziente und zugleich zugängliche Versorgung.
Ausblick: Das Momentum des konstruktiven Austauschs nutzen.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass der Dialog weitergehen muss. Mirantus Health will das entstandene Momentum aufgreifen und den Austausch zwischen den Berufsgruppen weiter vorantreiben. Weitere Diskussionsrunden sollen Vergütung, Regulatorik und Qualitätsstandards konkretisieren.
„Dieses Forum hat gezeigt, wie viel Einigkeit es bereits gibt“, sagt Dr. med. Claus Gruber, Mitgründer von Mirantus Health. „Wenn wir diesen Austausch so konstruktiv und offen fortsetzen, können wir die sich zuspitzende Versorgungsproblematik gemeinsam lösen. Was wir jetzt noch brauchen, sind gemeinsame Qualitätsstandards. Dafür brauchen wir alle Involvierten an einem Tisch – von Startups bis zu Verbänden. Wir sind zuversichtlich, dass sich durch das aktuelle Momentum mehr Brücken bauen lassen und freuen uns auf den weiteren Austausch.“
Über Mirantus Health
Die Mirantus Health GmbH ist ein 2022 gegründetes Berliner Gesundheits-Unternehmen und eine der führenden Tele-Ophthalmologie Plattformen in Europa. Mit ihrer Plattform ermöglicht Mirantus eine Zusammenarbeit von Augenoptik und Augenheilkunde, um Vorsorge und Versorgung einfacher zugänglich zu machen. Damit verfolgt Mirantus das Ziel, Sehverlust und Erblindung bei Millionen von Menschen zu verhindern.
Quelle: Mirantus Health GmbH





