Ophthalmologie » Onkologische Ophthalmologie

»

Innovationen zwischen Licht, Strahlung und KI

Die Tagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinphysik findet parallel zur DOG in Berlin statt.

Innovationen zwischen Licht, Strahlung und KI

Kongress

Ophthalmologie

Onkologische Ophthalmologie

3 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Im Rahmen der 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik (DGMP) präsentierten Experten aus Forschung, Klinik und Technik wegweisende Entwicklungen in der medizinischen Physik.

Ob in der Diagnostik, Therapie oder technologischen Entwicklung – ohne physikalische Verfahren wie Röntgen, MRT oder Laser wäre moderne Medizin undenkbar. Die Veranstaltung der DGMP stand deshalb ganz im Zeichen interdisziplinärer Zusammenarbeit und technologischer Innovationen – von künstlicher Intelligenz über biomedizinische Optik bis hin zur hochpräzisen Protonentherapie am Auge.

Der Fokus der Tagung unter Tagungspräsident Professor Dr. Markus Buchgeister lag in diesem Jahr auf drei Themen, die nicht nur technisch faszinierend sind, sondern auch direkt das Leben von Patienten verbessern können: Die Medizinische Optik, die mit Licht Krankheiten sichtbar macht und neue Therapieansätze ermöglicht. Die Strahlentherapie in der Augenheilkunde, ein hochspezialisiertes Feld mit großem Potenzial. Und die Audiologie, die in der Physik und Technik hilft, Hören neu zu verstehen und zu gestalten. Erstmals wurde die Jahrestagung durch einen digitalen Vorkongress ergänzt, der eine Woche vor dem Präsenzkongress stattfand. Dort wurden zentrale Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz (KI) und radiologische Notfallversorgung diskutiert.

Synergie von Licht und Schall
Ein Schwerpunkt der Tagung lag auf der Verbindung von optischen und akustischen Verfahren zur Verbesserung der Hörsysteme. Neue Technologien wie Laser-Hörgeräte (basierend auf Fotoakustik) und optogenetische Cochlea-Implantate könnten die Lebensqualität von Millionen verbessern. Nach Aussage von Professor Dr. Torsten Rahne, Leiter Audiologie und Forschung an der Universitätsmedizin Halle, leben allein in Deutschland 14 Millionen von Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit betroffene Menschen. „Durch die Kombination von optischen und akustischen Verfahren eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, die Grenzen zwischen Optik und Akustik neu zu definieren.“

Neben Röntgen und MRT etabliert sich die Optik als drittes Fenster zur Diagnostik. „Trotz Streuung bietet Licht hohes diagnostisches Potenzial“, so Professor Dr. Gereon Hüttmann, stellvertretender Institutsleiter für Biomedizinische Optik an der Universität zu Lübeck. „Optische Verfahren sind bereits fest in der klinischen Praxis etabliert, beispielsweise in der Intensivmedizin und Ophthalmologie.“ Moderne Technologien wie Optoelektronik, Quantenphysik und Künstliche Intelligenz erweitern die Möglichkeiten der optischen Diagnostik und erlauben eine schnellere Verarbeitung der gewonnenen Informationen. Im Fokus dieser Tagung standen neue Mikroskopieverfahren und deren Anwendung in der Diagnostik sowie therapeutische Verfahren mit ultrakurzen Laserpulsen.

Protonentherapie am Auge: Präzision auf kleinstem Raum
Seit 25 Jahren wird an der Charité Berlin die Protonentherapie am Auge erfolgreich eingesetzt. Die Behandlung intraokularer Tumore, wie Aderhautmelanome erfordert höchste Präzision und die Kombination verschiedenster Bildgebungsverfahren. Die Medizinphysiker übernehmen eine zentrale Rolle, indem sie die verschiedenen Bilddaten zusammenführen und die Bestrahlungsplanung für die Protonentherapie ermöglichen. „Weltweit gibt es nur etwa 20 Zentren, die diese Therapie am Auge anbieten“, sagt Dr. Jens Heufelder, Leitender Medizinphysiker an der Klinik für Augenheilkunde und der Protonentherapie der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Technische Weiterentwicklung: Zukunft der Strahlentherapie
Neue Forschungsansätze zielen auf die Verkürzung der Bestrahlungszeit durch erhöhte Dosisleistung, was neue Herausforderungen für Dosimetrie, Patientenpositionierung und Beschleunigertechnik mit sich bringt. Ein vielversprechender Forschungsansatz ist die sogenannte FLASH-Therapie. Professorin Dr. Andrea Denker, Leiterin Protonentherapie am Helmholtz-Zentrum Berlin, erklärt: „Erste Experimente mit Zellen, Organoiden und Tieren wurden bereits erfolgreich durchgeführt, um die Machbarkeit dieser neuen Ansätze zu prüfen.“

Quelle: Pressemitteilung der DGMP, 6. Oktober 2025

Bidlquelle: NeoLeo, Tidarat, greens8 – Adobe Stock

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Porträt von Prof. Volker Busskamp.

Medizin-Nobelpreis 2026: Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt

Aktuelles

Die mit dem Medizin-Nobelpreis 2026 ausgezeichnete Optogenetik eröffnet neue Möglichkeiten für die Analyse neuronaler Netzwerke und degenerativer Netzhauterkrankungen. Prof. Volker Busskamp ordnet die Bedeutung der Technologie für die ophthalmologische Forschung ein.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen
Eröffnungsveranstaltung des DOG-Kongresses 2026 zum Leitthema „Augenheilkunde ohne Grenzen“.

Grenzenlos vernetzt: DOG 2026 setzt Impulse für bessere Versorgung

Kongress

Mit 4.657 Teilnehmenden stand die DOG 2026 ganz im Zeichen der internationalen Zusammenarbeit. Unter dem Motto „Augenheilkunde ohne Grenzen“ diskutierten Teilnehmende neue Wege für Vernetzung, Wissenstransfer und zukunftsorientierte Patientenversorgung.

Ophthalmologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Die Albrecht-von-Graefe-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die die DOG vergibt und wird laut Statuten alle zehn Jahre „demjenigen zuerkannt, der sich unter den Zeitgenossen – ohne Unterschied der Nationalität – die größten Verdienste um die Förderung der Ophthalmologie erworben hat.“ Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren und wurde durch die DOG-Mitgliederversammlung bestätigt. Albrecht von Graefe entwickelte 1857 eine neue Operationsmethode bei Grünem Star. Erster Träger der Albrecht-von-Graefe-Medaille war 1886 Hermann von Helmholtz, der den Augenspiegel zur Untersuchung des Augeninneren erfand. In 2016 wurde die Albrecht-von-Graefe-Medaille zuletzt an Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Eberhart Zrenner für seine Forschungsarbeiten zur Netzhautfunktion sowie für die Entwicklung des elektronischen Retina-Implantats verliehen, das blinden Menschen mit Retinitis pigmentosa ein orientierendes Schwarz-Weiß-Sehen ermöglicht.

DOG verleiht Alan Bird die Albrecht-von-Graefe-Medaille

Kongress

Die DOG hat den britischen Retina-Spezialisten Alan C. Bird mit der Albrecht-von-Graefe-Medaille ausgezeichnet. Die höchste Ehrung der Fachgesellschaft würdigt seine wegweisenden Beiträge zur Erforschung von Netzhauterkrankungen und zur modernen Retina-Medizin.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen