Ophthalmologie » Sonstiges

»

Klimawandel: Mehr Sonne, mehr Risiko

Blauer Himmel mit Sonne und Wolken

Klimawandel: Mehr Sonne, mehr Risiko

Panorama

Ophthalmologie

Sonstiges

3 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Der Klimawandel wirkt sich zunehmend auf die Gesundheit aus – auch auf die Augen. Die UV-Belastung hat in den letzten 30 Jahren um bis zu 20 Prozent zugenommen,  bedingt durch mehr Sonnenstunden, eine schwächere Ozonschicht und längere Aufenthalte im Freien.

Intensive UV-Belastung kann das Risiko für Katarakt erhöhen, da UV-A- und UV-B-Strahlen die Eiweißstrukturen der Linse schädigen. Zudem kann starke UV-Strahlung langfristig Netzhautzellen angreifen und zur altersbedingten Makuladegeneration (AMD) beitragen. Auch Augenlider, Binde- und Hornhaut können betroffen sein – etwa durch Bindehautentzündungen oder trockene Augen.

Auch blaues Licht rückt zunehmend in den Fokus. So deuten einige wissenschaftliche Studien darauf hin, dass auch der blaue Anteil des sichtbaren Tageslichts (Wellenlänge 380-500 nm) Linsen und Netzhaut auf lange Sicht möglicherweise schädigen kann. Deshalb diskutieren Experten auf dem DOC-Kongress (15.–17.05.2025 in Nürnberg), ob die energiereiche elektromagnetische Strahlung des blauen Lichtanteils in den empfindlichen Zellen der Netzhaut mit der Zeit photochemische Schäden hervorrufen kann. Das wiederum könnte u.a. die Entwicklung der AMD begünstigen.

Indirekte Folgen des Klimawandels

In der Linse wiederum könnten sich durch blaues Licht freie Radikale bilden und Proteine schädigen. Das ist zwar nicht zweifelsfrei belegt, aber biochemisch plausibel. Dass auch von blauem Licht Gefahren für die Augen ausgehen können, hat laut Dr. Stephan Fröhlich (Nürnberg) zumindest indirekt mit dem Klimawandel zu tun: „Wir alle sparen Energie ein, um das Klima zu schützen. Deshalb verwenden wir heute hauptsächlich klimafreundliche LED-Lampen, die bis zu 90 Prozent weniger Strom verbrauchen als die alten Glühbirnen. Allerdings strahlen gerade diese heute überall verwendeten LED-Lampen vermehrt blaues Licht ab. Genau das tun zusätzlich auch PC- und Laptop-Monitore, vor denen wir heute täglich viele Stunden verbringen. Zwar ist die Intensität des blauen Lichts von LED-Lampen und Monitoren viel geringer als die Blau-Anteile des natürlichen Lichts. Trotzdem sollte man auch geringe Risiken nicht außer Acht lassen.“

Schließlich hätten mehrere wissenschaftliche Labor-Studien gezeigt, dass blaues Licht in der Augennetzhaut oxidative Reaktionen auslösen, Zellen schädigen und das Risko für eine AMD erhöhen kann. Allerdings arbeiteten diese Studien mit sehr hohen Lichtdosen.

Zum Schutz empfehlen Augenexperten Sonnenbrillen mit CE-Kennzeichnung oder besser noch UV-400-Schutz, der UVA- und UVB-Strahlen bis 400 nm blockiert, sowie große Gläser und breite Seitenbügel. Brillen und Kontaktlinsen mit Blaulichtfiltern können ebenfalls helfen, ohne das Farbsehen zu beeinträchtigen. Auch Intraokularlinsen mit integriertem Blaufilter sind möglich.

Quelle: Pressekonferenz der DOC Deutsche Gesellschaft für Ophthalmochirurgie am 15.05.2025 in Nürnberg

Bildquelle:© Günter Albers – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Porträt von Prof. Volker Busskamp.

Medizin-Nobelpreis 2026: Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt

Aktuelles

Die mit dem Medizin-Nobelpreis 2026 ausgezeichnete Optogenetik eröffnet neue Möglichkeiten für die Analyse neuronaler Netzwerke und degenerativer Netzhauterkrankungen. Prof. Volker Busskamp ordnet die Bedeutung der Technologie für die ophthalmologische Forschung ein.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen
Eröffnungsveranstaltung des DOG-Kongresses 2026 zum Leitthema „Augenheilkunde ohne Grenzen“.

Grenzenlos vernetzt: DOG 2026 setzt Impulse für bessere Versorgung

Kongress

Mit 4.657 Teilnehmenden stand die DOG 2026 ganz im Zeichen der internationalen Zusammenarbeit. Unter dem Motto „Augenheilkunde ohne Grenzen“ diskutierten Teilnehmende neue Wege für Vernetzung, Wissenstransfer und zukunftsorientierte Patientenversorgung.

Ophthalmologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Die Albrecht-von-Graefe-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die die DOG vergibt und wird laut Statuten alle zehn Jahre „demjenigen zuerkannt, der sich unter den Zeitgenossen – ohne Unterschied der Nationalität – die größten Verdienste um die Förderung der Ophthalmologie erworben hat.“ Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren und wurde durch die DOG-Mitgliederversammlung bestätigt. Albrecht von Graefe entwickelte 1857 eine neue Operationsmethode bei Grünem Star. Erster Träger der Albrecht-von-Graefe-Medaille war 1886 Hermann von Helmholtz, der den Augenspiegel zur Untersuchung des Augeninneren erfand. In 2016 wurde die Albrecht-von-Graefe-Medaille zuletzt an Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Eberhart Zrenner für seine Forschungsarbeiten zur Netzhautfunktion sowie für die Entwicklung des elektronischen Retina-Implantats verliehen, das blinden Menschen mit Retinitis pigmentosa ein orientierendes Schwarz-Weiß-Sehen ermöglicht.

DOG verleiht Alan Bird die Albrecht-von-Graefe-Medaille

Kongress

Die DOG hat den britischen Retina-Spezialisten Alan C. Bird mit der Albrecht-von-Graefe-Medaille ausgezeichnet. Die höchste Ehrung der Fachgesellschaft würdigt seine wegweisenden Beiträge zur Erforschung von Netzhauterkrankungen und zur modernen Retina-Medizin.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen