Ophthalmologie » Sonstiges

»

KI in der Augenheilkunde: Vom Hype zum echten klinischen Nutzen

KI und Robotik Symbolbild Augenheilkunde Adobestock / Designer, ki-generiert

Quelle: stockadobe / Designer

KI in der Augenheilkunde: Vom Hype zum echten klinischen Nutzen

Fachbeitrag

Ophthalmologie

Sonstiges

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Einleitung

Künstliche Intelligenz stößt in der Augenheilkunde auf außerordentliches Interesse. Dies liegt auf der Hand, denn das Fach verbindet bildgebende Diagnostik in großer Stückzahl mit Mustererkennung und einer großen, ungedeckten Nachfrage für Screenings. Als die wegweisende Deep-Learning-Studie von Gulshan et al. zeigte, dass KI in der Lage ist, Netzhautfotos bezüglich diabetischer Retinopathie auf Expertenniveau auszuwerten, wurde die Augenheilkunde schon früh zum Erprobungsfeld für medizinische KI[1]. Kurz darauf gab es Deep-Learning-Systeme für OCT-basierte Überweisungsentscheidungen, die nahelegten, KI könnte auch komplexere Triage-Prozesse unterstützen, die über das Erkennen einzelner Krankheiten hinausgehen. Diese Studien inspirierten ein Jahrzehnt lang den Optimismus, die Augenheilkunde würde als eines der ersten Fächer klinisch und im großen Stil vom KI-Einsatz profitieren.

Diese Erwartung war nicht unbegründet – aber sie war unvollständig. Ein Großteil der frühen Literatur konzentrierte sich auf retrospektive Metriken wie die Fläche unter der ROC-Kurve, Sensitivität und Spezifität. Diese Werte sind wichtig, aber sie beantworten nicht die entscheidenden Fragen des klinischen Alltags. Und das sind Fragen wie: Verbessert das System den Zugang zur Versorgung? Entlastet es die Kliniker, ohne Folgefehler zu erzeugen? Beschleunigt es Triage, Behandlung und Versorgungsgerechtigkeit? Funktioniert es auch in Kombination mit anderen Geräten, anderen Einrichtungen und bei anderen Krankheitshäufigkeiten und Patientengruppen als in der Entwicklungsphase? Ein KI-Modell, das mit einem sorgfältig kuratierten Test-Datensatz gut abschneidet, kann klinisch dennoch versagen – wenn es zu häufig Ergebnisse liefert, die nicht klassifizierbar sind, wenn es im Workflow schwer integrierbar ist, wenn die Kliniker seinen Aussagen nicht trauen, oder wenn zu viele falsch-positive Überweisungen die Kapazitäten sprengen.

Die Unterscheidung zwischen technischem Potenzial und klinischem Nutzen ist heute Zentrum des Diskurses. KI ist in der Augenheilkunde längst über das Stadium des Experiments hinausgewachsen. Autonome Screening-Systeme für diabetische Retinopathie wurden prospektiv evaluiert, behördlich zugelassen und in echte klinische Abläufe integriert [3–7]. Gleichzeitig findet praktische KI-Nutzung nur in bescheidenem Umfang statt, und viele vielversprechende ophthalmologische KI-Werkzeuge haben noch einen weiten Weg bis zum Routineeinsatz [7]. In dieser Lücke zwischen Leistungsfähigkeit und Akzeptanz bildet sich der Hype.

In diesem Übersichtsartikel geht es um ophthalmologische KI aus Sicht des klinischen Real-World-Nutzens und nicht um etwaige technische Neuheiten. Das Kernargument ist zielgerichtet: Unser Fach sollte aufhören, nur zu fragen, ob KI Bilder präzise klassifizieren kann – und stattdessen fragen: Kann KI die augenmedizinische Versorgung auf messbare, dauerhafte und gerechte Weise verbessern? Im Folgenden werden die stärkste Evidenz, die größten Hürden und die logisch nächsten Schritte dargestellt.

zum vollständigen Beitrag

Kai Jin, Andrzej Grzybowski

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Porträt von Prof. Volker Busskamp.

Medizin-Nobelpreis 2026: Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt

Aktuelles

Die mit dem Medizin-Nobelpreis 2026 ausgezeichnete Optogenetik eröffnet neue Möglichkeiten für die Analyse neuronaler Netzwerke und degenerativer Netzhauterkrankungen. Prof. Volker Busskamp ordnet die Bedeutung der Technologie für die ophthalmologische Forschung ein.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen
Eröffnungsveranstaltung des DOG-Kongresses 2026 zum Leitthema „Augenheilkunde ohne Grenzen“.

Grenzenlos vernetzt: DOG 2026 setzt Impulse für bessere Versorgung

Kongress

Mit 4.657 Teilnehmenden stand die DOG 2026 ganz im Zeichen der internationalen Zusammenarbeit. Unter dem Motto „Augenheilkunde ohne Grenzen“ diskutierten Teilnehmende neue Wege für Vernetzung, Wissenstransfer und zukunftsorientierte Patientenversorgung.

Ophthalmologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Die Albrecht-von-Graefe-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die die DOG vergibt und wird laut Statuten alle zehn Jahre „demjenigen zuerkannt, der sich unter den Zeitgenossen – ohne Unterschied der Nationalität – die größten Verdienste um die Förderung der Ophthalmologie erworben hat.“ Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren und wurde durch die DOG-Mitgliederversammlung bestätigt. Albrecht von Graefe entwickelte 1857 eine neue Operationsmethode bei Grünem Star. Erster Träger der Albrecht-von-Graefe-Medaille war 1886 Hermann von Helmholtz, der den Augenspiegel zur Untersuchung des Augeninneren erfand. In 2016 wurde die Albrecht-von-Graefe-Medaille zuletzt an Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Eberhart Zrenner für seine Forschungsarbeiten zur Netzhautfunktion sowie für die Entwicklung des elektronischen Retina-Implantats verliehen, das blinden Menschen mit Retinitis pigmentosa ein orientierendes Schwarz-Weiß-Sehen ermöglicht.

DOG verleiht Alan Bird die Albrecht-von-Graefe-Medaille

Kongress

Die DOG hat den britischen Retina-Spezialisten Alan C. Bird mit der Albrecht-von-Graefe-Medaille ausgezeichnet. Die höchste Ehrung der Fachgesellschaft würdigt seine wegweisenden Beiträge zur Erforschung von Netzhauterkrankungen und zur modernen Retina-Medizin.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen