Ophthalmologie » Onkologische Ophthalmologie

»

Medikamentöse Tumortherapie wird Zusatzweiterbildung

Zelle und Spritze

Medikamentöse Tumortherapie wird Zusatzweiterbildung

Berufspolitik

Ophthalmologie

Onkologische Ophthalmologie

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Die Zusatzweiterbildung „Medikamentöse Tumortherapie“ kann nun künftig auch von Augenärztinnen und Augenärzten erworben werden. Diesen Beschluss brachte der Deutsche Ärztetag auf den Weg. Damit erhält die medikamentöse Behandlung von Tumoren am Auge erstmals eine strukturierte, bundesweit geregelte Qualifikation. Experten der Sektion DOG-Ophthalmologische Onkologie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e.V. (DOG) begrüßen den Schritt, der für die Patientensicherheit einen großen Mehrwert darstellt.

In der Versorgung von und Patienten mit Augentumoren gewinnen medikamentöse Therapien seit Jahren an Bedeutung: Medikamente werden direkt in oder an das Auge verabreicht, um eine hohe Wirkstoffkonzentration am Tumor zu erzielen und diesen bestmöglich zu kontrollieren oder zu verkleinern. Die Behandlung trägt dazu bei, Tumoren möglichst präzise und schonend zu behandeln.

„Bislang war die Zusatzweiterbildung „Medikamentöse Tumortherapie“ allerdings nur Fachärztinnen und Fachärzten ausgewählter Disziplinen vorbehalten, zu denen die die Augenheilkunde nicht gehörte“, berichtet Professor Dr. med. Dr. h. c. Nikolaos E. Bechrakis, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Essen und Sprecher der Sektion DOG-Ophthalmologische Onkologie. Die DOG und der Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) haben sich daher für eine Erweiterung des Fächerspektrums eingesetzt – und das mit Erfolg: Der Deutsche Ärztetag stimmte der Aufnahme der Augenheilkunde in die Weiterbildungsordnung im Mai 2025 zu. „Das ist ein wichtiger Meilenstein für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Augentumoren“, betont Professor Dr. Bernd Bertram (Aachen), Delegierter des BVA.

Wachsende Anforderungen in der Tumortherapie am Auge

Mit der neuen Zusatzweiterbildung werden gezielt Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten in der medikamentösen Tumortherapie am Auge erworben. Auch unterstützende Behandlungen und das sichere Management auftretender Komplikationen sind Bestandteil der Qualifikation. „Die medikamentöse Tumortherapie am Auge ist komplex und stellt hohe Anforderungen an Erfahrung und Abstimmung“, erklärt dazu Professor Dr. med. Vinodh Kakkassery, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Chemnitz. „Mit der neuen Zusatzweiterbildung schaffen wir klare Standards für Indikationsstellung, Durchführung und Überwachung. Das erhöht die Sicherheit der Patientinnen und Patienten und sorgt für eine verlässliche, einheitliche Behandlungsqualität“, fügt der Experte der Sektion DOG-Ophthalmologische Onkologie hinzu.

Gleichzeitig können auch systemische Tumortherapien aus anderen Fachgebieten zu Nebenwirkungen am Auge führen. „Dazu zählen Hornhauttrübungen, Schäden an der Netzhaut oder weitere Beeinträchtigungen“, erläutert Kakkassery. Auch in diesem Kontext ist ophthalmologische Expertise und eine enge Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen gefragt, bei der die Weiterbildung von Nutzen sein wird.

Umsetzung der Landesärztekammern folgt

Nach dem Beschluss auf Bundesebene müssen nun die Landesärztekammern die Zusatzweiterbildung in ihre Weiterbildungsordnungen übernehmen. Anschließend werden geeignete Weiterbildungsstätten definiert sowie konkrete Lehrinhalte, Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für die Zusatzweiterbildung festgelegt. Die Sektion DOG-Ophthalmologische Onkologie wird dabei beratend eingebunden.

Quelle: DOG

Symbolbild: © stockadobe.com – Luba

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Porträt von Prof. Volker Busskamp.

Medizin-Nobelpreis 2026: Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt

Aktuelles

Die mit dem Medizin-Nobelpreis 2026 ausgezeichnete Optogenetik eröffnet neue Möglichkeiten für die Analyse neuronaler Netzwerke und degenerativer Netzhauterkrankungen. Prof. Volker Busskamp ordnet die Bedeutung der Technologie für die ophthalmologische Forschung ein.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen
Eröffnungsveranstaltung des DOG-Kongresses 2026 zum Leitthema „Augenheilkunde ohne Grenzen“.

Grenzenlos vernetzt: DOG 2026 setzt Impulse für bessere Versorgung

Kongress

Mit 4.657 Teilnehmenden stand die DOG 2026 ganz im Zeichen der internationalen Zusammenarbeit. Unter dem Motto „Augenheilkunde ohne Grenzen“ diskutierten Teilnehmende neue Wege für Vernetzung, Wissenstransfer und zukunftsorientierte Patientenversorgung.

Ophthalmologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Die Albrecht-von-Graefe-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die die DOG vergibt und wird laut Statuten alle zehn Jahre „demjenigen zuerkannt, der sich unter den Zeitgenossen – ohne Unterschied der Nationalität – die größten Verdienste um die Förderung der Ophthalmologie erworben hat.“ Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren und wurde durch die DOG-Mitgliederversammlung bestätigt. Albrecht von Graefe entwickelte 1857 eine neue Operationsmethode bei Grünem Star. Erster Träger der Albrecht-von-Graefe-Medaille war 1886 Hermann von Helmholtz, der den Augenspiegel zur Untersuchung des Augeninneren erfand. In 2016 wurde die Albrecht-von-Graefe-Medaille zuletzt an Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Eberhart Zrenner für seine Forschungsarbeiten zur Netzhautfunktion sowie für die Entwicklung des elektronischen Retina-Implantats verliehen, das blinden Menschen mit Retinitis pigmentosa ein orientierendes Schwarz-Weiß-Sehen ermöglicht.

DOG verleiht Alan Bird die Albrecht-von-Graefe-Medaille

Kongress

Die DOG hat den britischen Retina-Spezialisten Alan C. Bird mit der Albrecht-von-Graefe-Medaille ausgezeichnet. Die höchste Ehrung der Fachgesellschaft würdigt seine wegweisenden Beiträge zur Erforschung von Netzhauterkrankungen und zur modernen Retina-Medizin.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen