Ophthalmologie » Sonstiges

»

Panorama-Beitrag zieht Konsequenzen nach sich

NDR-Website

Panorama-Beitrag zieht Konsequenzen nach sich

Personalia

Ophthalmologie

Sonstiges

4 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Ein Bericht des NDR-Fernsehmagazins Panorama schlägt hohe Wellen. Darin wurde über ein Seminar der Artemis-Gruppe berichtet, in dem deren Ärztlicher Direktor Dr. Kaweh Schayan-Araghi angestellten Medizinern Hinweise zur „kreativen“ Steigerung der Gebührensätze gegeben habe. Artemis weist die Vorwürfe zurück und auch der BVA hat mit einer Stellungnahme reagiert. Schayan-Araghi ist als Mitglied des BVA-Vorstands zurückgetreten.

Panorama strahlte am 08.02.2024 einen Beitrag mit dem Titel „Augenärzte: Profit auf Kosten der Patienten?“ aus. Darin wurde über ein Online-Seminar berichtet, das Schayan-Araghi zusammen mit einer Abrechnungsexpertin des Unternehmens im Herbst 2023 gehalten hat. Angestellte Mediziner des Hauses erhielten Hinweise, wie man bei Privatpatienten „eine Menge mehr abrechnen“ (Schayan-Araghi) könne. In einem Interview im Beitrag bezeichnete der Medizinrechtler Andreas Spickhoff (Ludwig-Maximilians-Universität München) die Schulung als „eine Fortbildung zur Gewinnmaximierung“ und sah in Teilen eine mögliche Anstiftung zu Straftaten, zum Abrechnungsbetrug in einem besonders schweren Fall.

„Kreative Abrechnung“

In dem Online-Seminar hatten Schayan-Araghi und die Expertin Möglichkeiten vorgestellt, wie die Einnahmen gesteigert werden könnten, z.B. bei Kataraktoperationen durch Darstellung der Eingriffe als überdurchschnittlich schwierig oder zeitaufwendig. Laut Panorama sagte er: „Auch wenn Sie es vielleicht nicht als so schwierig empfinden sollten, muss man da ein bisschen kreativ sein“. Es gebe zur Unterstützung eine „umfassende Sammlung an verschiedensten Steigerungsgründen“, in denen die Ärzte mal „ein bisschen stöbern können“. Auch zu bestimmten Netzhaut-OPs und Sehchecks gab es Hinweise.

Unklar bleibe, ob Artemis-Ärzte tatsächlich überdurchschnittlich hohe Rechnungen schreiben und auch, wie andere große Ketten es handhaben, stellt Panorama abschließend fest.

Artemis-Gruppe nimmt Stellung

Die Artemis-Gruppe teilte am 09.02.2024 in einer Stellungnahme mit, sie habe keine Kenntnis von etwaigen Unregelmäßigkeiten bei der Erbringung, Dokumentation oder Abrechnung von medizinischen Leistungen. Die in dem Beitrag dargestellten Anhaltspunkte für mögliches individuelles Fehlverhalten nehme man sehr ernst und werde die im Raum stehenden Vorwürfe unverzüglich und vollumfänglich aufklären. Dazu habe man eine unabhängige und umfassende Untersuchung durch eine spezialisierte externe Kanzlei beauftragt. Die betroffene Führungskraft (ein Name wird nicht genannt) sei mit sofortiger Wirkung von allen Aufgaben innerhalb der Artemis-Gruppe entbunden. Abschließend heißt es: „Artemis toleriert keine Verstöße gegen Vorgaben und gegen seine Unternehmenswerte. Sollten sich im Beitrag erhobene Vorwürfe als zutreffend erweisen, werden wir erforderliche Konsequenzen ziehen.“

BVA distanziert sich – Schayan-Araghi tritt zurück

Der Berufsverband der Augenärzte (BVA) veröffentlichte am 13.02.2024 eine Stellungnahme zur Panorama-Berichterstattung. Darin wird betont, dass es sich bei der zitierten Veranstaltung ausdrücklich nicht um eine Veranstaltung des BVA gehandelt habe, sondern um ein Seminar der Artemis-Gruppe. Der BVA habe keine Kenntnis über diese Fortbildung und sei deshalb auch nicht über die Inhalte informiert.

Der BVA biete seinen Mitgliedern ein umfassendes Angebot an Dienstleistungen und Informationen rund um die augenärztliche Berufsausübung an. Dazu zählten auch Hinweise und Aufklärungen in Abrechnungsfragen, die stets im Einklang mit den berufsrechtlichen und gesetzlichen Regelungen stünden und sich strikt an den Empfehlungen und Vorgaben der Bundesärztekammer orientierten. Der Verband gehe davon aus, dass seine Mitglieder sich vollumfänglich an die geltenden Regeln und Gesetze halten, sowohl bei den Behandlungen der Patienten als auch bei der Abrechnung entsprechender Leistungen. Der BVA verweist in diesem Zusammenhang auf seinen gemeinsam mit der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) verfassten „Kodex für Augenärztinnen und Augenärzte in Deutschland“, dessen Richtlinien er BVA vollumfänglich unterstütze.

Schließlich wird mitgeteilt, dass Schayan-Araghi mit sofortiger Wirkung am 09.02.2024 seinen Rücktritt als Mitglied des BVA-Vorstands erklärt habe. Diesen Schritt respektiere man und danke ihm für seine langjährige und konstruktive Mitarbeit.

Quellen:

Panorama-Beitrag, Das Erste, NDR: https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2024/Augenaerzte-Profit-auf-Kosten-der-Patienten,augenaerzte102.html

Stellungnahme der Artemis-Gruppe: https://www.artemiskliniken.de/magazin/stellungnahme-zum-aktuellen-panorama-beitrag/

BVA-Stellungnahme: https://www.augeninfo.de/stellungnahmen/BVA-Position_NDR_Panorama_08022024.pdf

Bildquelle: © sharafmaksumov – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Porträt von Prof. Volker Busskamp.

Medizin-Nobelpreis 2026: Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt

Aktuelles

Die mit dem Medizin-Nobelpreis 2026 ausgezeichnete Optogenetik eröffnet neue Möglichkeiten für die Analyse neuronaler Netzwerke und degenerativer Netzhauterkrankungen. Prof. Volker Busskamp ordnet die Bedeutung der Technologie für die ophthalmologische Forschung ein.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen
Eröffnungsveranstaltung des DOG-Kongresses 2026 zum Leitthema „Augenheilkunde ohne Grenzen“.

Grenzenlos vernetzt: DOG 2026 setzt Impulse für bessere Versorgung

Kongress

Mit 4.657 Teilnehmenden stand die DOG 2026 ganz im Zeichen der internationalen Zusammenarbeit. Unter dem Motto „Augenheilkunde ohne Grenzen“ diskutierten Teilnehmende neue Wege für Vernetzung, Wissenstransfer und zukunftsorientierte Patientenversorgung.

Ophthalmologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Die Albrecht-von-Graefe-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die die DOG vergibt und wird laut Statuten alle zehn Jahre „demjenigen zuerkannt, der sich unter den Zeitgenossen – ohne Unterschied der Nationalität – die größten Verdienste um die Förderung der Ophthalmologie erworben hat.“ Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren und wurde durch die DOG-Mitgliederversammlung bestätigt. Albrecht von Graefe entwickelte 1857 eine neue Operationsmethode bei Grünem Star. Erster Träger der Albrecht-von-Graefe-Medaille war 1886 Hermann von Helmholtz, der den Augenspiegel zur Untersuchung des Augeninneren erfand. In 2016 wurde die Albrecht-von-Graefe-Medaille zuletzt an Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Eberhart Zrenner für seine Forschungsarbeiten zur Netzhautfunktion sowie für die Entwicklung des elektronischen Retina-Implantats verliehen, das blinden Menschen mit Retinitis pigmentosa ein orientierendes Schwarz-Weiß-Sehen ermöglicht.

DOG verleiht Alan Bird die Albrecht-von-Graefe-Medaille

Kongress

Die DOG hat den britischen Retina-Spezialisten Alan C. Bird mit der Albrecht-von-Graefe-Medaille ausgezeichnet. Die höchste Ehrung der Fachgesellschaft würdigt seine wegweisenden Beiträge zur Erforschung von Netzhauterkrankungen und zur modernen Retina-Medizin.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen