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Psychosoziale Folgen von Schielen bei Erwachsenen

Mahler und Wabbels mit Augenmodell im Untersuchungsraum

Psychosoziale Folgen von Schielen bei Erwachsenen

Aus der Praxis

Ophthalmologie

Neuroophthalmologie und Strabologie

3 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Obwohl Schielen oft nur als augenärztliches Problem betrachtet wird, hat es erhebliche psychosoziale Auswirkungen auf viele Betroffene. Die QUALITAS-Studie unter der Leitung der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn (UKB) untersucht nun, wie Schiel-Operationen die Lebensqualität sowie Angst- und Depressionsniveaus der Betroffenen beeinflussen. Mit über 1.000 Teilnehmenden ist dies die weltweit größte Studie zu diesem Thema.

Etwa vier Prozent aller Erwachsenen in Deutschland schielen. Während die körperlichen Symptome wie Doppeltsehen und Kopfschmerzen weithin bekannt sind, zeigen erste Studienuntersuchungen, dass Schielen auch tiefgreifende psychosoziale Folgen haben kann. Betroffene berichten häufig von Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, wie Unsicherheit beim Blickkontakt und einem verminderten Selbstwertgefühl. Diese Probleme können zu Scham, sozialem Rückzug und einer erhöhten Anfälligkeit für psychische Störungen wie Depressionen und Angststörungen führen.

Auswirkungen auf die Lebensqualität

„Mit unserer großangelegten Studie möchten wir deshalb nicht nur die funktionellen, sondern auch die psychosozialen Auswirkungen von Schiel-Operationen untersuchen“, erklärt Prof. Bettina Wabbels, Ärztin an der Augenklinik des UKB und Leiterin der QUALITAS-Studie (Quality of Life After Strabismus Surgery). „Es ist von entscheidender Bedeutung, die Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten umfassend zu erfassen, um gezielte, ganzheitliche Therapieansätze entwickeln zu können“, so Wabbels weiter.

Detaillierte Befragung

Die groß angelegte QUALITAS-Studie, die über einen Zeitraum von sechs Jahren durchgeführt wird, umfasst eine detaillierte Befragung der Patientinnen und Patienten vor der Operation, drei Monate nach der Operation und langfristig. Dabei decken die Fragebögen funktionelle Beeinträchtigungen, psychosoziale Herausforderungen sowie Ängste und depressive Symptome ab. Zudem werden die Erwartungen der Patientinnen und Patienten an die Operation und deren Erfüllung untersucht. Die Studie unter der Leitung der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn (UKB) wird gemeinsam mit der Universität Bonn und 20 weiteren Zentren in Deutschland und der Schweiz durchgeführt.

Ziel der Bonner Forschenden ist es, neue Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie Schiel-Operationen nicht nur die Funktion, sondern auch die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten langfristig beeinflussen. Die Ergebnisse könnten entscheidend dazu beitragen, die Therapieansätze zu optimieren und den psychosozialen Bedürfnissen der Betroffenen besser gerecht zu werden.

Umfangreiche finanzielle Studien-Unterstützung

Für die QUALITAS-Studie wurden insgesamt 160.000 Euro an Fördergeldern eingeworben. Die Medizinische Fakultät der Universität Bonn fördert das Projekt mit etwa 150.000 Euro über das „Förderinstrument Klinische Studien (FKS)“ der Dekanatskommission für klinische Studien. Weitere Unterstützung kommt von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und der Förderung Neuro-Ophthalmologie. Die umfangreiche finanzielle Unterstützung ermöglicht es, diese weltweit größte Studie zum Thema Schielen durchzuführen.

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Bonn vom 23.08.2024

Foto: UKB / Rolf Müller

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