Paediatrie » Neonatologie und Intensivmedizin » Neonatologie

»

Bronchopulmonale Dysplasie aus der Perspektive der Neonatologie

Hand eines Frühgeborenen im Inkubator und Hand einer erwachsenen Person

Quelle: © peterbako – stock.adobe.com

CME

Bronchopulmonale Dysplasie aus der Perspektive der Neonatologie

Fachartikel

Paediatrie

Neonatologie und Intensivmedizin

Neonatologie

mgo medizin

mgo medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: pädiatrische praxis

Die bronchopulmonale Dysplasie bleibt trotz moderner Neonatologie ein bedeutendes Krankheitsbild bei extrem unreifen Frühgeborenen. Dieser narrative Review beleuchtet aus neonatologischer Sicht die Epidemiologie und Pathophysiologie der „neuen“ BPD, aktuelle Präventions- und Therapiekonzepte sowie die Bedeutung früher, individualisierter Weichenstellungen für den Krankheitsverlauf.

Einleitung

Die bronchopulmonale Dysplasie (BPD) stellt eine bedeutende chronische Komplikation bei Frühgeborenen dar und ist eine zentrale Herausforderung in der Neonatologie. Trotz beachtlicher Fortschritte in Geburtshilfe und neonatologischer Intensivmedizin ist es bislang nicht gelungen, das Auftreten der BPD nachhaltig zu senken, obwohl sich die Versorgungsqualität in vielen Bereichen deutlich verbessert hat. Vielmehr zeigen aktuelle Daten, dass die Prävalenz der BPD unter extrem unreifen Frühgeborenen seit 2012 in vielen Kohorten tendenziell sogar angestiegen ist. Die Erkrankung ist mit prolongierten und rezidivierenden Krankenhausaufenthalten, einer hohen Behandlungsintensität sowie einer erheblichen pulmonalen, kardiovaskulären und neurologischen Langzeitmorbidität assoziiert. Vor diesem Hintergrund kommt der Prävention, Diagnosestellung und adäquaten Therapie der BPD im klinischen Alltag eine zentrale Bedeutung zu.

Zusammenfassung

Die bronchopulmonale Dysplasie stellt weiterhin eine der bedeutendsten chronischen Morbiditäten bei extrem unreifen Frühgeborenen dar. Das heutige Krankheitsbild der »neuen« BPD unterscheidet sich grundlegend von der klassischen, primär verletzungsbasierten Form und ist gekennzeichnet durch eine gestörte alveoläre und pulmonal-vaskuläre Reifung. Ursächlich liegt der Erkrankung ein komplexes Zusammenwirken extremer Frühgeburtlichkeit mit pränatalen und postnatalen Entzündungsprozessen, oxidativem Stress sowie mechanischer Belastung der strukturell und funktionell unreifen Lunge zugrunde. Moderne Präventions- und Therapiestrategien verfolgen das Ziel, diese schädigenden Einflüsse möglichst früh zu begrenzen und physiologische Reifungsprozesse zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen lungenprotektive Beatmungskonzepte, eine zielgerichtete Sauerstofftherapie sowie der bevorzugte Einsatz nichtinvasiver Atemunterstützung. Ergänzend kommen etablierte pharmakologische Maßnahmen wie Koffein und – bei entsprechender Indikation – postnatale Steroide zum Einsatz. Angesichts der ausgeprägten klinischen Heterogenität der BPD gewinnen individualisierte Behandlungsansätze zunehmend an Bedeutung, während zukünftige Therapieansätze verstärkt entwicklungsbiologische Zielstrukturen adressieren. Der vorliegende narrative Review fokussiert bewusst auf die Neonatalperiode, in der entscheidende Weichen für den weiteren Krankheitsverlauf gestellt werden.

Autor: B. Schwaberger, Klinische Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Graz

Der Originalbeitrag zu diesem Thema wurde veröffentlicht in pädiatrische praxis 2026; 104 (2): 225–238.

ZUR CME-FORTBILDUNG

Geschützte Inhalte gemäß Heilmittelwerbegesetz (HWG)

Die Inhalte dieser Seite unterliegen dem Heilmittelwerbegesetz (HWG) und sind daher nur nach Anmeldung zugänglich. Bitte loggen Sie sich ein, um auf alle geschützten Informationen, Materialien und das exklusive E-Paper zugreifen zu können.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Arzt benutzt einen virtuellen Touchscreen und tippt auf die Abkürzung: SMA

SMA: Ausblick nach acht Jahren genbasierter Therapien in Deutschland

Fachartikel

Acht Jahre nach Einführung genbasierter Therapien hat sich das Bild der spinalen Muskelatrophie (SMA) grundlegend gewandelt. Dank Neugeborenenscreening und früher, zielgerichteter Behandlung erreichen viele Kinder motorische Meilensteine, die vorab unerreichbar waren.

Paediatrie

Neuropädiatrie

Neurologie

Beitrag lesen
Medizinische Fachkraft, die auf einem Laptop tippt, überlagert mit einem Netzwerk aus Gehirnscans und medizinischen Daten. KI, großer medizinischer Scanner, CT und MRT im Hintergrund.

Künstliche Intelligenz in der pädiatrischen Radiologie

Fachartikel

Künstliche Intelligenz gewinnt in der pädiatrischen Radiologie zunehmend an Bedeutung: Anwendungen reichen von der Knochenalterbestimmung über die Frakturerkennung bis hin zur Reduktion der Strahlenbelastung. Doch Kinder benötigen spezifische KI-Modelle, denn an Erwachsenen trainierte Modelle stoßen hier an ihre Grenzen.

Paediatrie

Radiologie

Beitrag lesen
Ultraschalluntersuchung des Abdomens bei einem Mädchen in Seitenlage auf einer Untersuchungsliege

Pädiatrische Urolithiasis – eine Erkrankung mit zunehmender Relevanz?

Fachartikel

Die Urolithiasis im Kindes- und Jugendalter nimmt weltweit zu. Dieser Übersichtsartikel beleuchtet aktuelle epidemiologische Entwicklungen, diagnostische Strategien und therapeutische Konzepte der pädiatrischen Urolithiasis.

Paediatrie

Urologie & Nephrologie

Beitrag lesen