Urologie » Sonstiges

»

Auf die inneren Werte kommt es an: Normalwerte der Genitalsonographie

Das Bild zeigt die Nahaufnahme eines Ultraschall-Geräts als Symbolbild für die Genitalsonographie.

Auf die inneren Werte kommt es an: Normalwerte der Genitalsonographie

Aktuelles

Urologie

Sonstiges

2 MIN

Erschienen in: UroForum

Bei der transrektalen Ultraschalluntersuchung (TRUS) und der Untersuchung mittels Farbdoppler-Ultraschall des Hodensacks (CDUS) sowie des männlichen Genitaltrakts (MGT-CDUS) mangelt es an Standardisierung. Die European Academy of Andrology (EAA) hat deshalb eine multizentrische Studie ins Leben gerufen [1–3], um diese Lücken zu schließen. Erstmals gibt es nun Normalwerte für die Genitalsonographie, die Prof. Sabine Kliesch, Münster, auf dem 75. DGU-Kongress vorstellte.

Das Bild zeigt die Nahaufnahme eines Ultraschall-Geräts als Symbolbild für die Genitalsonographie.
Eine Studie der European Academy of Andrology (EAA) konnte erstmals Normalwerte für die Genitalsonographie ermitteln. (Symbolbild © homonstock – stock.adobe.com)

7–12 % der Männer im reproduktionsfähigen Alter sind von Infertilität betroffen. Die auslösenden Faktoren sind angeboren oder erworben und wirken auf prätestikulärer, testikulärer oder post-testikulärer Ebene. In der Hälfte der Fälle ist die Ätiologie der Infertilität jedoch nicht bekannt. Um zum besseren Verständnis der Infertilität bei Männern beizutragen, hat die EAA eine multizentrische, internationale Beobachtungsstudie mit 248 Männern ohne frühere oder aktuelle systemische Erkrankungen durchgeführt. Die Probanden waren entweder Partner einer schwangeren Frau im zweiten oder dritten Trimester oder hatten ein Kind, das jünger als ein Jahr alt war und durch natürliche Empfängnis gezeugt wurde, wodurch sie als fertil angesehen wurden. Die Teilnehmer der Studie unterzogen sich am selben Tag einer skrotalen und transrektalen CDUS vor und nach Ejakulation sowie einer medizinischen Anamnese inklusive Blutentnahme und Samenanalyse. Von den 248 Probanden erklärten sich 188 zu einer TRUS vor und nach Ejakulation bereit.

Normalwerte und pathologische Grenzwerte der Genitalsonographie

Anhand der Mittelwerte bzw. Medianwerte der Genitalsonographie konnten die Forschenden erstmals Normalwerte u. a. für das Hoden-, Samenblasen- und Prostatavolumen, die Größe der Nebenhoden und die Ejektionsfraktion der Samenblasen festlegen sowie pathologische Grenzwerte bestimmen:

Normalwert

  • Hodenvolumen rechts: 17,9 ml
  • Hodenvolumen links: 16,5 ml
  • Caput epididymis Durchmesser: 9 mm
  • Corpus epididymis: 3,8 mm
  • Prostatavolumen: 25 ml
  • Samenblasenvolumen: 3,4 ml
  • Ejektionsfraktion Samenblasen: 43 %

Pathologisch

  • Hodenvolumen rechts: < 12 ml
  • Hodenvolumen links: < 11 ml
  • Caput epididymis Durchmesser: > 11,5 mm
  • Corpus epididymis: > 5 mm
  • Prostatavolumen: > 35 ml
  • Samenblasenvolumen: < 1,4 ml; > 9 ml
  • Ejektionsfraktion Samenblasen: < 20 %

Diese Ergebnisse können dazu beitragen, die Pathophysiologie der männlichen Infertilität und die Bedeutung der Genitalsonographie besser zu verstehen.

Theresa Hübner

Literatur:

  1. Lotti F et al. Andrology 2020; 8(5): 1005–20
  2. Lotti F et al. Andrology 2021; 9(2): 559–76
  3. Lotti F et al. Andrology 2022; 10(6): 1150–71

Quelle: Vortrag „Andrologie” von Prof. Dr. Sabine Kliesch im Rahmen des 75. DGU-Kongresses vom 20.–23.09.2023 im Leipzig

Weitere Beiträge zu diesem Thema

© Yeivaz - stock.adobe.com

Adipositas und Systemtherapie beim Prostatakarzinom

Aktuelles

Adipositas war in einer retrospektiven Studie bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom mit einem ungünstigeren Überleben unter systemischer Therapie verbunden. Die zugrunde liegenden metabolischen, hormonellen und immunologischen Mechanismen sind noch unklar.

Urologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

Beitrag lesen
© ArLawKa - stock.adobe.com

Optimierte Patientenversorgung dank der Entscheidungshilfe Prostatakrebs

Aktuelles

Die Entscheidungshilfe Prostatakrebs unterstützt Patienten bei der Wahl einer leitliniengerechten Behandlung. Eine randomisierte Studie zeigt, dass sie Entscheidungskonflikte und psychischen Stress reduziert sowie das Wissen über die Erkrankung verbessert.

Urologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

Beitrag lesen
Angriffe auf Ärzte und Mitarbeitende in Arztpraxen sollen in Zukunft strafrechtlich härter bestraft werden. © Studio Romantic - stock.adobe.com

KBV-Vorstand begrüßt härtere Strafen bei Angriffen auf Ärzte

Berufspolitik

Die Bundesregierung will Angriffe auf Ärzte und Praxismitarbeitende künftig härter bestrafen. Das sieht ein Gesetzentwurf zur Stärkung des strafrechtlichen Schutzes des Gemeinwesens vor, den das Bundeskabinett beschlossen hat. Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hat dies ausdrücklich begrüßt.

Urologie

Beitrag lesen