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BCG-Impfung: Blasenkrebstherapie verringert Alzheimer-Risiko?

Das Foto zeigt eine Hand mit blauem Laborhandschuh, die ein Fläschchen mit dem BCG-Impfstoff sowie eine Spritze hält.

BCG-Impfung: Blasenkrebstherapie verringert Alzheimer-Risiko?

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Erschienen in: UroForum

Blasenkrebs-Patienten könnten von einer Behandlung mit dem Tuberkulose-Impfstoff Bacille Calmette-Guérin (BCG) nicht nur onkologisch, sondern auch bezüglich Alzheimer und verwandten Demenzkrankheiten (Alzheimer disease and related dementias, ADRD) profitieren. In einer Kohortenstudie mit über 6.000 Patienten war die BCG-Impfung mit einem signifikant verringerten Risiko und einer signifikant niedrigeren Rate von ADRD verbunden, besonders bei Patienten ab 70 Jahren.

Das Foto zeigt eine Hand mit blauem Laborhandschuh, die ein Fläschchen mit dem BCG-Impfstoff sowie eine Spritze hält.
In einer aktuellen Studie wurde ein Zusammenhang zwischen der BCG-Impfung als Blasenkrebstherapie und dem Risiko, an Alzheimer oder einer verwandten Demenzkrankheit zu erkranken, gefunden. (Symbolbild © kittisak – stock.adobe.com)

Pleiotroper BCG-Impfstoff

Der Tuberkulose-Impfstoff BCG hat mehrere unspezifische positive Wirkungen. Die intravesikale BCG-Impfung ist derzeit für die Behandlung des nicht-muskelinvasiven Blasenkrebses (NMIBC) empfohlen. Zudem gaben frühere Studien Hinweise darauf, dass die BCG-Impfung das Risiko von Alzheimer und verwandten Demenzkrankheiten (ADRD) verringert. Eine aktuelle Studie von Weinberg et al. hat deshalb untersucht, ob eine intravesikale BCG-Impfung mit einer geringeren Inzidenz von ADRD in einer Kohorte von Patienten mit NMIBC verbunden ist, wobei der Tod als konkurrierendes Ereignis berücksichtigt wurde.

In die Kohortenstudie wurden 6.467 Patientinnen und Patienten im Alter von mindestens 50 Jahren eingeschlossen, bei denen zwischen Mai 1978 und Mai 2021 erstmals ein NMIBC diagostiziert wurde. Die Interventionsgruppe bestand aus 3.388 Patientinnen und Patienten, die nach der NMIBC-Diagnose eine intravesikale BCG-Impfungstherapie erhielten. Die Kontrollgruppe von 3.079 Patientinnen und Patienten hatte keine BCG-Impfung erhalten. Die Interventions- und Kontrollgruppen ähnelten sich bezüglich Geschlecht, Alter, Rasse und ethnischer Zugehörigkeit (standardisierte Unterschiede < 0,1).

Die Studie umfasste eine 15-jährige Nachbeobachtungszeit derjenigen Personen, deren Erkrankung nicht innerhalb von 8 Wochen zu muskelinvasivem Krebs fortschritt und die innerhalb des ersten Jahres nach der NMIBC-Diagnose keine ADRD-Diagnose hatten.

Schützende Wirkung der Impfung

Im Nachbeobachtungszeitraum wurden bei 202 Personen in der BCG-Impfgruppe und bei 262 Personen in der Kontrollgruppe eine ADRD festgestellt. In der Interventionsgruppe betrug die Inzidenz von ADRD pro 1.000 Personenjahre 8,8 und in der Kontrollgruppe 12,1. Ähnliche Inzidenzraten ergaben sich für die Population von Patienten unter 70 Jahren, während sie bei Patienten im Alter von 70 Jahren oder älter bei 14,5 in der BCG-Impfgruppe und 20,9 in der Kontrollgruppe lagen. Ein schützender Zusammenhang zwischen der BCG-Behandlung und der Zeit bis zum Auftreten von ADRD konnte gefunden werden (HR 0,80; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,66–0,96; p = 0,02). In stratifizierten Analysen nach Alter war die BCG-Impfung bei Patientinnen und Patienten von 70 Jahren oder älter im Vergleich zur Gesamtkohorte mit einem geringeren ADRD-Risiko verbunden (n = 3.334; HR 0,74; 95%-KI 0,60–0,91; p = 0,005), während bei Patienten unter 70 Jahren kein Zusammenhang zwischen der Impfung und der Zeit bis zur ADRD festgestellt wurde (N = 3.133; HR 0,98; 95%-KI 0,68–1,40; p = 0,92).

Um potenzielle Störfaktoren auszuschließen, führten die Autoren eine Analyse der konkurrierenden Risiken durch, da der Tod ein konkurrierendes Ereignis ist, das das Auftreten von ADRD ausschließen könnte. Die ursachenspezifische HR lag dabei für ADRD bei 0,80 (95%-KI 0,69–0,99) und für Tod bei 0,75 (95%-KI 0,629–0,82) für die Interventionsgruppe im Vergleich zu den Kontrollen. Die BCG-Impfung war mit einem reduzierten Risiko für das Auftreten von ADRD (5-Jahres-Risikodifferenz -0,011) und einem reduzierten Risiko für Mortalität bei Patienten ohne vorherige ADRD-Diagnose (5-Jahres-Risikodifferenz -0,056).

Fazit

In dieser Studie war die BCG-Impfung mit einer signifikant niedrigeren Rate und einem niedrigeren Risiko von ADRD in einer Kohorte von Patienten mit Blasenkrebs verbunden, wenn man den Tod als konkurrierendes Ereignis berücksichtigt. Die Risikounterschiede variierten jedoch mit der Zeit. Für weitere Erkenntnisse des pleiotropen Impfstoffs im Zusammenhang mit ADRD sind Interventionsstudien nötig.

Theresa Hübner

Originalpublikation: Weinberg MS et al. Association of BCG Vaccine Treatment With Death and Dementia in Patients With Non-Muscle-Invasive Bladder Cancer. JAMA Netw Open 2023; 6(5): e2314336

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