Urologie » Blasenfunktionsstörungen » BPS

»

BPS: Sabal-Urtica-Kombination zeigt weniger Komplikationen als synthetische Wirkstoffe

Prostagutt

BPS: Sabal-Urtica-Kombination zeigt weniger Komplikationen als synthetische Wirkstoffe

Aus der Industrie

Urologie

Blasenfunktionsstörungen

BPS

3 MIN

Erschienen in: UroForum

Die zur Behandlung eines benignen Prostatasyndroms (BPS) eingesetzten Medikamente können negative Begleiterscheinungen haben. Die aktuelle Studie von Madersbacher et al. zeigte erstmals im deutschen Versorgungsalltag von BPS-Patienten, dass bei Verordnung von Prostagutt® duo 160 mg | 120 mg (Sabal- + Urtica-Spezialextrakt PRO 160/120) folgende Komplikationen signifikant seltener als bei Verordnung von synthetischen BPS-Präparaten waren [1]:

  •  Harninkontinenz im Vergleich zu Tamsulosin        
  •  Harnverhalt im Vergleich zu Tamsulosin oder der Kombination Tamsulosin/Dutasterid
  • Erektionsstörungen im Vergleich zu Dutasterid 
Prostagutt
Eine aktuelle Studie zeigt, dass Prostagutt® duo 160 mg | 120 mg bei BPS-Patienten zu weniger Komplikationen führt als synthetische BPS-Präparate (Foto © Dr. Willmar Schwabe)

Methodik

Basis der retrospektiven Kohortenstudie waren die Verordnungsdaten von 77.923 BPS-Patienten aus 3.000 deutschen Praxen von 2010 bis 2020. Von diesen erhielten 3.035 Patienten PRO 160/120, 3.133 Finasterid, 418 Dutasterid, 64.962 Tamsulosin und 3.375 Patienten die Tamsulosin/Dutasterid-Fixkombination.

Die Studie analysierte die Auswirkungen von PRO 160/120-Verordnungen auf die Inzidenz von Harninkontinenz, Polyurie (inkl. Nykturie), Harnretention und erektiler Dysfunktion in einem Real-World-Setting in Deutschland. Die Ergebnisse wurden mit den Komplikationen, die unter einer Therapie mit den 5-alpha-Reduktase-Hemmern Dutasterid und Finasterid, dem alpha-1-Adrenozeptor-Antagonist Tamsulosin und Tamsulosin/Dutasterid als Fixkombination auftraten, verglichen. Die retrospektive Studie schloss alle Männer aus der IQVIA Disease Analyzer-Datenbank mit einer initialen Verschreibung von PRO 160/120, Finasterid, Dutasterid, Tamsulosin oder Tamsulosin/Dutasterid-Fixkombination zwischen Januar 2010 und September 2020 ein. Mittels logistischer Regressionsmodelle, in die u. a. das Alter und relevante Komorbiditäten eingingen, wurde der Zusammenhang zwischen PRO 160/120-Verordnung und Inzidenz vorab definierter Endpunkte (Harninkontinenz, Polyurie incl. Nykturie, Harnverhalt und erektile Dysfunktion) geschätzt. 

Ergebnis

Als Ergebnis zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Verschreibung von PRO 160/120 und einer geringeren Inzidenz von Harninkontinenz im Vergleich zu Tamsulosin (OR: 1,48; 95% KI 1,10-1,98; p = 0,010), Harnverhalt im Vergleich zu Tamsulosin (OR: 3,39; 95% KI 1,75-6,57; p < 0,001) und der Tamsulosin/Dutasterid-Fixkombination (OR: 2,81; 95% KI 1,35-5,82; p = 0,006). Hinsichtlich Polyurie einschließlich Nykturie weisen bis auf Finasterid alle Wirkstoffe vergleichbare Inzidenzen auf. Weiterhin konnte festgestellt werden, dass bei Verordnung der Phytokombination die Häufigkeit einer erektilen Dysfunktion im Vergleich zu Dutasterid signifikant verringert war (OR: 2,79; 95% KI 1,49-5,25; p = 0,001). 

Fazit

Die Verordnung der Phytokombination zeigt auch im Real-World-Setting im Hinblick auf unerwünschte Begleiterscheinungen einen günstigeren Verlauf bei erhaltener Sexualfunktion. Die Autoren schlussfolgern, dass dieser erste Nachweis der im Vergleich mit Tamsulosin geringeren Häufigkeit von Harninkontinenz und Harnverhalt unter PRO 160/120 auf das breite Wirkprofil der Phytokombination, welches auch entzündungshemmende Wirkungen beinhaltet, zurückzuführen sein könnte. Die Hypothese, dass die Unterdrückung der Entzündung das klinische Ergebnis verbessert, wird hierdurch klinisch unterstützt.

Diese positiven Ergebnisse gelten nur für die Fixkombination aus 160 mg Sägepalmenextrakt und 120 mg Brennnesselwurzelextrakt, enthalten in Prostagutt® duo 160 mg | 120 mg. Das Arzneimittel ist zugelassen zur Behandlung von Miktionsbeschwerden bei benigner Prostatahyperplasie (Stadium I-II nach Alken bzw. II-III nach Vahlensieck) [2].
Literatur:

  1. Madersbacher S. et al. Association between PRO 160/120 prescriptions and incidence of benign prostatic hyperplasia complications in Germany: a retrospective cohort study. Postgrad Med 2023; 135 (2): 149-54
  2. Prostagutt® duo, Fachinformation, Stand Mai 2019

Quelle: Dr. Willmar Schwabe

Weitere Beiträge zu diesem Thema

© Yeivaz - stock.adobe.com

Adipositas und Systemtherapie beim Prostatakarzinom

Aktuelles

Adipositas war in einer retrospektiven Studie bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom mit einem ungünstigeren Überleben unter systemischer Therapie verbunden. Die zugrunde liegenden metabolischen, hormonellen und immunologischen Mechanismen sind noch unklar.

Urologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

Beitrag lesen
© ArLawKa - stock.adobe.com

Optimierte Patientenversorgung dank der Entscheidungshilfe Prostatakrebs

Aktuelles

Die Entscheidungshilfe Prostatakrebs unterstützt Patienten bei der Wahl einer leitliniengerechten Behandlung. Eine randomisierte Studie zeigt, dass sie Entscheidungskonflikte und psychischen Stress reduziert sowie das Wissen über die Erkrankung verbessert.

Urologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

Beitrag lesen
Angriffe auf Ärzte und Mitarbeitende in Arztpraxen sollen in Zukunft strafrechtlich härter bestraft werden. © Studio Romantic - stock.adobe.com

KBV-Vorstand begrüßt härtere Strafen bei Angriffen auf Ärzte

Berufspolitik

Die Bundesregierung will Angriffe auf Ärzte und Praxismitarbeitende künftig härter bestrafen. Das sieht ein Gesetzentwurf zur Stärkung des strafrechtlichen Schutzes des Gemeinwesens vor, den das Bundeskabinett beschlossen hat. Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hat dies ausdrücklich begrüßt.

Urologie

Beitrag lesen