Urologie » Niereninsuffizienz

»

Deutsche Patienten zahlen sechsstellige Summen für Nierentransplantationen in Kenia

Sabine Fischer-Kugler reiste nach Kenia und ließ sich dort eine neue Niere transplantieren. (Quelle: www.zdf.de)

Deutsche Patienten zahlen sechsstellige Summen für Nierentransplantationen in Kenia

Aktuelles

Urologie

Niereninsuffizienz

2 MIN

Erschienen in: UroForum

Nach Recherchen von Frontal, Deutscher Welle und Spiegel reisen deutsche Patienten nach Kenia, um sich dort Nieren für Preise zwischen 100.000 und 200.000 Euro einpflanzen zu lassen. Der Grund: Die Warteliste von Eurotransplant ist lang, die Angst vor dem Tod groß.

Sabine Fischer-Kugler leidet seit ihrer Jugend an viel zu hohen Kreatininwerten. Schon früh beginnt sie mit der Dialyse, die gesundheitlichen Folgen der Dauer-Dialyse sind beträchtlich. Derzeit warten in Deutschland 8.200 Patienten auf eine neue Niere. Umso dringlicher wird die Suche nach einer Spender-Niere. Seit Jahren findet Fischer-Kugler kein Organ zur Transplantation. Ein Versuch, die Spende-Bereitschaft ihres Sohnes zu nutzen, scheitert am Einspruch der Ärzte. Dann recherchiert die 57-Jährige im Netz und stößt auf ein Unternehmen mit dem Namen Medlead.

In Kenia verfügt Medlead laut Website über „altruistische Spender“ und verweist auf die Kooperation mit privaten Krankenhäusern, zum Beispiel dem Mediheal-Krankenhaus in Eldoret. Zum Transplant-Paket der Firma gehören Reisekosten, Hotel, Medizintests, Operation und Nachsorge. Sabine Fischer-Kugler wurde in Kenia erfolgreich operiert und darf leben.

Medlead informiert die „Kunden“, dass kein Geld für das Organ gezahlt werde. Laut der Recherche der Medien sind Zweifel an dieser Behauptung angebracht. Am Rande einer kenianischen Kleinstadt sprechen Journalisten mit einem Spender, der 2.000 Euro für eine Niere erhielt. Ein Informant aus dem Krankenhaus gibt den Journalisten eine Operationsliste weiter, auf der auch der Name von Sabine Fischer-Kugler steht. Ein junger Mann aus Aserbaidschan soll laut ZDF der Spender sein, der seine Niere angeblich unentgeltlich gab. Die verzweifelte Empfängerin überprüfte die Wahrheit dieser Behauptung nicht.

Der Nährboden des dubiosen Organhandels ist die Warteliste auf eine Spenderniere in Deutschland. 2.122 Nieren wurden 2023 in Deutschland transplantiert; 2.617 Patienten kamen neu auf die Warteliste. Mehr als 10.000 Patienten haben 2023 insgesamt auf eine Niere gewartet. Das kenianische Gesundheitsministerium hat Ermittler auf das Mediheal-Krankenhaus in Eldoret angesetzt, die in einem Bericht über ihre Ergebnisse geschrieben haben: „Es gibt verdächtige Aktivitäten, die auf Organhandel hinweisen, aber keine ausreichenden Beweise.“

Bildquelle:© www.zdf.de

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Mikroskop mit schwebenden Zellen im Labor als Symbol fuer Immuntherapie und neue Therapieoptionen beim Peniskarzinom

Update Peniskarzinom 2026: Immuntherapie und neue Therapieperspektiven

Fachbeitrag

Beim seltenen Peniskarzinom eröffnen Immuntherapien und molekulare Analysen neue Behandlungsperspektiven. Daten zu Cemiplimab zeigen jedoch, dass bislang nur bestimmte Patientengruppen profitieren. Entscheidend für die personalisierte Therapie sind daher verlässliche Biomarker und eine präzise molekulare Charakterisierung.

Urologie

Tumoren der äußeren Genitalien

Peniskarzinom

Beitrag lesen
Der damals 17-jährige Mailo erhält im Juli 2025 eine T-Zelltherapie gegen PRAME mit seinen gentechnisch veränderten Immunzellen. © privat

PRAME-T-Zelltherapie drängt metastasierten Nierentumor zurück

Aktuelles

Eine personalisierte T-Zelltherapie hat bei einem Jugendlichen mit weit fortgeschrittenem, therapieresistentem Nierentumor zu einem vollständigen Ansprechen geführt. Die Behandlung zielte auf das Tumorantigen PRAME. Eine klinische Studie für weitere Kinder und Jugendliche ist ab 2027 geplant.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Aktuell warten in Deutschland 8.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Rund 250 Abgeordnete wollen deshalb eine Widerspruchslösung im Bundestag durchsetzen. © abuzar - stock.adobe.com

Bundestags-Gruppe beantragt Widerspruchslösung für Organspende

Berufspolitik

Rund 250 Abgeordnete mehrerer Fraktionen des Bundestags haben beantragt, eine Widerspruchslösung für die Organspende im Transplantationsgesetz zu verankern. Dann müssten Versicherte z.B. einer postmortalen Nierenspende widersprechen, um sie zu verhindern.

Urologie

Berufspolitik

Beitrag lesen