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Die meistgeladene Guideline: Updates in der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen

Prof. Jennifer Kranz

Die meistgeladene Guideline: Updates in der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen

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Erschienen in: UroForum

Prof. Jennifer Kranz aus Aachen stellt Neuerungen in der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen vor. Dabei erwähnte sie, dass die Leitlinie die meist heruntergeladene AWMF-Guideline ist, sowohl in der Lang- als auch in der Kurzversion. Laut Prof. Kranz zeigt das, dass die Leitlinie interdisziplinär viel Anklang findet und wie wichtig ein Update ist.

Prof. Jennifer Kranz
Frau Prof. Jennifer Kranz stellte Neuerungen der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen vor. (Foto © Ronny Reimann)

Geriatrische Patienten mehr im Fokus

Die letzte Aktualisierung war 2017. Das jetzige Update wurde im Jahr 2022 begonnen. Vor kurzem war die Konsensus-Konferenz. An der Überarbeitung beteiligen sich drei zusätzliche Fachgesellschaften:

  • Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e. V. (DGG)
  • Gesellschaft für Phytotherapie e. V. (GPT)
  • Deutsche Gesellschaft für Naturheilkunde e. V. (DGNHK)

So wurde laut Prof. Kranz das geriatrische Patientenklientel erstmals berücksichtigt. Dazu zählen Patienten ab 70 Lebensjahren mit zwei behandlungsbedürftige Erkrankungen oder Patienten ab dem 80. Lebensjahr.

Bei geriatrischen Patientengruppen gibt es verschiedene Herausforderungen. So gibt es zum Beispiel kaum Daten. Besonders von älteren Männern gibt es kaum Studien. Und in den vorhandenen Arbeiten sind die Patientenkollektive sehr inhomogen.

Herausforderungen bei der Diagnosestellung

Die Diagnosestellung ist bei geriatrischen Patienten herausfordernd. Folgende Punkte tragen dazu bei:

  • Oft ist die Arzt-Patienten-Kommunikation erschwert, z. B. durch kognitive Einschränkungen wie Alzheimer.
  • Es kann eine untypische Beschwerdesymptomatik vorliegen.
  • Außerdem können schon chronische Beschwerden im Urogenitalsystem bestehen.
  • Viele Patientinnen und Patienten nehmen bereits verschiedene Medikamente ein und Polypharmazie kann zum Problem werden.
  • Außerdem gibt es eine hohe Inzidenz von klinisch unrelevanten asymptomatischen Bakteriurien.

Daher kommt die Leitlinienkommission zu folgenden Empfehlungen:

„Bei geriatrischen PatientInnen soll die Diagnose einer Harnwegsinfektion nicht allein auf der Basis eines positiven Teststreifen gestellt werden. (EG A, LoE Ia)“

„Bei geriatrischen PatientInnen sollten für die Diagnose Harnwegsinfektion neben harnwegstypischer Symptomatik, mikrobiologischen und laborchemischen Befunden auch klinische Aspekte, wie eine untypische Beschwerdesymptomatik, die Veränderung der Vigilanz, der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme mitberücksichtigt werden. (EK)“

Herausforderungen bei der Behandlung und Prävention

Folgende Punkte sind bei der Behandlung der geriatrischen Patientengruppe zu beachten.

  • Die Absorption von oralen Medikamenten ist oft reduziert.
  • Die Compliance ist oft eingeschränkt.
  • Es treten pharmakokinetische und -dynamische Veränderungen im Alter auf.
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind wahrscheinlicher.
  • Bestimmte Organe, wie Leber oder Niere, können in ihrer Funktion reduziert sein.
  • Antibiotikaresistenzen sind häufiger, da es mehr Gelegenheiten gab sie in Krankenhäusern oder Pflegeheimen zu „erwerben“.

Die Empfehlung in den Leitlinien hat aktuell folgenden Textvorschlag:

„Eine akute unkomplizierte Zystitis kann bei geriatrischen PatientInnen in gleicher Weise (Auswahl des Antibiotikums & Therapiedauer) behandelt werden, wie Harninfektionen bei anderen Patientengruppen, wenn keine weiteren komplizierten Aspekte hinzukommen (EK).“

Hinsichtlich der Prävention macht die Leitlinie folgendes Statement:

„Die Empfehlungen der Prophylaxe der häufig rezidivierenden Zystitis der geriatrischen Frau entsprechen im Wesentlichen denen der Frau in der Postmenopause. (EK)“

„Für eine antibiotische Langzeitprophylaxe bei geriatrischen Frauen können Trimethoprim, Trimethoprim/Sulfamethoxazol oder Nitrofurantoin in niedriger Dosierung eingesetzt werden, unter Beachtung der Kontraindikationen (gemäß Priscus 2.0) und regelmäßiger Evaluation hinsichtlich unerwünschter Arzneimittelwirkungen (EG 0, LoE Ia).“ 

Eine in der Theorie einfache und allgemeine Präventionsmöglichkeit unterstrich Prof. Kranz:

„Bei Frauen in der Prämenopause mit rezidivierenden HWI und mit geringer Flüssigkeitszufuhr (<1,5 l pro Tag) soll eine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr empfohlen werden, um das Risiko rezidivierender Harnwegsinfektionen zu reduzieren.“

Zum ersten Mal auch eine Patientenleitlinie

Mit einer Abfrage unter deutschen und österreichischen Urologen wurden Faktoren zu Nichteinhaltung von Leitlinien gesammelt und Empfehlungen abgeleitet. So wird es z. B. eine Pocket-Version der Leitlinie geben. Außerdem ist erstmals eine Patientenleitlinie geplant. (rr)

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