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Fluorchinolonhaltige Antibiotika: Rote-Hand-Brief warnt vor schwerwiegenden Nebenwirkungen

Fluorchinolonhaltige Antibiotika: Rote-Hand-Brief warnt vor schwerwiegenden Nebenwirkungen

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Erschienen in: UroForum

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert in einem „Rote-Hand-Brief“ über die neuen Anwendungsbeschränkungen fluorchinolonhaltiger Antibiotika. Grund dafür sind mögliche schwere Nebenwirkungen. Damit setzt die Behörde gemeinsam mit den Herstellern entsprechender Präparate eine Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) um. Welche Anwendungsempfehlungen gelten nach Einschränkung durch die EMA?

Fluorchinolone sollen ab sofort nur noch bei schweren Infektionen verschrieben werden, für die keine anderen Medikamente zur Verfügung stehen. In Deutschland gilt dies für die Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin. Sie stehen unter Verdacht, Sehnen, Muskeln, Gelenke und das Nervensystem irreversibel zu schädigen.

Zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen gehören Tendinitis und Sehnenruptur, Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Gelenkschmerzen und -schwellungen, periphere Neuropathie, Schlaflosigkeit, Depression, Fatigue, eingeschränktes Erinnerungsvermögen sowie Störungen des Seh-, Hör-, Geruchs- und Geschmackssinns. Sehnenschwellungen und Sehnenverletzungen können innerhalb von zwei Tagen nach Beginn der Behandlung mit einem fluorchinolonhaltigen Antibiotikum auftreten, möglicherweise aber auch erst einige Monate nach dem Behandlungsende.

„Nur wenige Fälle dieser die Lebensqualität beeinträchtigenden und möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen wurden gemeldet, aber es ist anzunehmen, dass nicht alle aufgetretenen Nebenwirkungen berichtet wurden“, heißt es im Rote-Hand-Brief. Ärzte sollten Fluorchinolone daher nur noch nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung verschreiben.

Ärzte sollten Fluorchinolone explizit nicht verordnen:

  • zur Prävention von Reisediarrhö oder rezidivierenden Infektionen der unteren Harnwege,
  • für nicht bakterielle Infektionen, zum Beispiel nicht bakterielle (chronische) Prostatitis,
  • bei leichten bis mittelschweren Infektionen (einschließlich unkomplizierter Zystitis, akuter Exazerbation einer chronischen Bronchitis und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), akuter bakterieller Rhinosinusitis und akuter Otitis media), es sei denn, andere Antibiotika, die üblicherweise für diese Infektionen empfohlen werden, werden als ungeeignet erachtet,
  • Patienten, die zuvor schwerwiegende Nebenwirkungen mit einem Chinolon-oder Fluorchinolon-Antibiotikum hatten.

Besondere Vorsicht ist laut BfArM geboten bei der Verschreibung für ältere Menschen, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, Organtransplantaten und solchen, die gleichzeitig mit Kortikosteroiden behandelt werden, da bei diesen Patienten das Risiko einer Fluorchinolon-induzierten Tendinitis und Sehnenruptur erhöht sein kann.

Quelle: Univadis

Bildquelle: © Farknot Architect – stock.adobe.com

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