Urologie » Berufspolitik

»

19. KGN-Kongress: Sind Hausärzte fit für die Primärversorgung?

Sichtlich angespannt: Über die Primärarzt-Kompetenz der Allgemeinärzte stritten Dr. Susanne Bublitz, Vorsitzende des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, und Dr. Dirk Heinrich, Vorsitzender des Spitzenverbands Fachärzte, in Berlin. (Foto: Runkel)

Quelle: Sichtlich angespannt: Über die Primärarzt-Kompetenz der Allgemeinärzte stritten Dr. Susanne Bublitz, Vorsitzende des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, und Dr. Dirk Heinrich, Vorsitzender des Spitzenverbands Fachärzte, in Berlin. (Foto: Runkel)

19. KGN-Kongress: Sind Hausärzte fit für die Primärversorgung?

Berufspolitik

Urologie

Berufspolitik

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: UroForum

In einer Podiumsdiskussion auf dem 19. Kongress der Gesundheits-Netzwerker in Berlin kam es zum Showdown in der Frage der primärärztlichen Versorgungssteuerung. Der Weg bis zur harmonischen Kooperation scheint noch weit zu sein, wenn man die zum Teil erhitzte Diskussion in Berlin verfolgte. Während der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) die primärärztlichen Fähigkeiten der Hausärzte massiv anzweifelte, hielt der Hausärzteverband hart dagegen.

Für den Hausärzteverband Baden-Württemberg saß dessen Vorsitzende Dr. Susanne Bublitz in der Berliner Runde, direkt neben ihr der SpiFa-Vorsitzende Dr. Dirk Heinrich. Dr. Bublitz begann selbstbewusst: „Seit 18 Jahren praktizieren wir bundesweit das Primärarztmodell der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV).“ Auf dieser Basis habe man mit dem HÄPPI-Modell ein interdisziplinäres Team-Modell für die hausärztliche Versorgung entwickelt. Die HZV basiere auf Selektivverträgen mit den Krankenkassen. Das HÄPPI-Modell sehe den Team-Patient-Kontakt als Grundlage der Vergütung vor. „Oft wird gesagt, dass wir nicht steuern können, weil wir der Flaschenhals der Versorgung wären. Die Steuerungskompetenz des Hausarztes ist z.B. daran abzulesen, dass 80% der Fälle beim Hausarzt abgeschlossen werden können.“

Aggressiver Schlagabtausch über die Führungsrolle

Dass die Frage der Primärversorgung zwischen Haus- und Fachärzten strittig ist, zeigte die weitere Diskussion. SpiFa-Chef Dr. Heinrich äußerte große Zweifel an der Effektivität der Steuerung durch Hausärzte. „Ich habe große Zweifel, dass diese Steuerung beim Hausarzt schnell genug passieren kann. Sie (Dr. Bublitz, d. Red.) sagen, dass sie acht von zehn Patienten abschließend behandeln. Ich kann aus meiner Sicht als Facharzt nur sagen: 80% meiner Patienten haben zuvor keinen Hausarzt gesehen. Wer eine stärkere hausärztliche Steuerungsrolle einfordert, muss auch zeigen, dass er diese Rolle tatsächlich wahrnehmen will und kann.“

Für sogenannte Hausarztvermittlungsfälle erhalten Hausarztpraxen Zuschläge, wenn sie ihren Patientinnen und Patienten aktiv einen Termin in der fachärztlichen Versorgung organisieren. „Trotz dieses gesetzlichen Auftrags und der vorgesehenen Vergütung bleibt die tatsächliche Zahl solcher Vermittlungsfälle bislang gering. Im Jahr 2023 gab es etwas mehr als 2,54 Millionen Vermittlungsfälle. Bei rund 328 Millionen fachärztlichen Behandlungsfällen sind das nicht einmal ein Prozent. Die Realität zeigt somit: Ein Großteil der Überweisungen und fachärztlichen Behandlungen erfolgt weiterhin ohne konkrete hausärztliche Terminorganisation“, teilt der SpiFa in einer aktuellen Mitteilung mit. Für Dr. Heinrich war klar: „Patientensteuerung ist kein politisches Schlagwort, sondern eine konkrete Versorgungsaufgabe. Wer sie fordert, muss zeigen, dass er steuern will und dass er steuern kann. Auch heute schon.“

Dr. Bublitz zweifelte die Spifa-Zahlen an

Die Hausärzte-Chefin Dr. Bublitz wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Das Zentralinstitut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung habe errechnet, dass eine Hausarztpraxis pro Tag nur 2,4 % mehr Fälle hätte, wenn Patienten ohne hausärztliche Überweisung zum Facharzt zuerst zum Hausarzt kämen. Dr. Heinrich ging dann zum Frontalangriff auf Hausärzte über. „Ich würde mich freuen, wenn jede hausärztliche Überweisung alle notwendigen Informationen und eine präzise Fragestellung enthielte. Dann freue ich mich über die Patientensteuerung, weil es die Qualität der Versorgung deutlich verbessern würde.“

Er wisse aber auch schon, dass „einige meiner hausärztlichen Kollegen ganz schön „schwimmen“ werden, wenn sie primärärztliche Führungskompetenz zeigen müssten. Dieses primärärztliche System bedeute schon eine riesige Umstellung für die Hausärzte. Da müsse man sich auch ehrlich machen.

Autor: Franz-Günter Runkel

Chefreporter Berufs- und Gesundheitspolitik

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Mikroskop mit schwebenden Zellen im Labor als Symbol fuer Immuntherapie und neue Therapieoptionen beim Peniskarzinom

Update Peniskarzinom 2026: Immuntherapie und neue Therapieperspektiven

Fachbeitrag

Beim seltenen Peniskarzinom eröffnen Immuntherapien und molekulare Analysen neue Behandlungsperspektiven. Daten zu Cemiplimab zeigen jedoch, dass bislang nur bestimmte Patientengruppen profitieren. Entscheidend für die personalisierte Therapie sind daher verlässliche Biomarker und eine präzise molekulare Charakterisierung.

Urologie

Tumoren der äußeren Genitalien

Peniskarzinom

Beitrag lesen
Der damals 17-jährige Mailo erhält im Juli 2025 eine T-Zelltherapie gegen PRAME mit seinen gentechnisch veränderten Immunzellen. © privat

PRAME-T-Zelltherapie drängt metastasierten Nierentumor zurück

Aktuelles

Eine personalisierte T-Zelltherapie hat bei einem Jugendlichen mit weit fortgeschrittenem, therapieresistentem Nierentumor zu einem vollständigen Ansprechen geführt. Die Behandlung zielte auf das Tumorantigen PRAME. Eine klinische Studie für weitere Kinder und Jugendliche ist ab 2027 geplant.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Aktuell warten in Deutschland 8.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Rund 250 Abgeordnete wollen deshalb eine Widerspruchslösung im Bundestag durchsetzen. © abuzar - stock.adobe.com

Bundestags-Gruppe beantragt Widerspruchslösung für Organspende

Berufspolitik

Rund 250 Abgeordnete mehrerer Fraktionen des Bundestags haben beantragt, eine Widerspruchslösung für die Organspende im Transplantationsgesetz zu verankern. Dann müssten Versicherte z.B. einer postmortalen Nierenspende widersprechen, um sie zu verhindern.

Urologie

Berufspolitik

Beitrag lesen