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IQWIG-Vorbericht: DKFZ setzt auf Modellierung, DGU auf Verbandsposition

Nach der negativen Bewertung des risikoadaptierten PSA-MRT-Screenings des Prostatakarzinoms (RAS) im IQWIG-Vorbericht diskutieren Urologen im Uroskop die Argumente des IQWIG und die weiteren Chancen für eine moderne PCa-Früherkennung. © iStock

Quelle: Nach der negativen Bewertung des risikoadaptierten PSA-MRT-Screenings des Prostatakarzinoms (RAS) im IQWIG-Vorbericht diskutieren Urologen im Uroskop die Argumente des IQWIG und die weiteren Chancen für eine moderne PCa-Früherkennung. © iStock

IQWIG-Vorbericht: DKFZ setzt auf Modellierung, DGU auf Verbandsposition

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mgb medizin Redaktion

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5 MIN

Erschienen in: UroForum

Nach der negativen Bewertung des risikoadaptierten Screenings des Prostatakarzinoms (RAS) im IQWIG-Vorbericht dominieren Enttäuschung und Unverständnis den Gemütszustand engagierter Urologen. In seiner Stellungnahme pochen die DKFZ-Abteilungsleiter Prof. Peter Albers und Prof. Sigrid Carlsson auf Modellierung und Kostenvergleich. DGU-Generalsekretär Prof. Max Burger arbeitet mit den DGHO- und DEGRO-Spitzen an einem gemeinsamen Positionspapier.

Prof. Peter Albers ist ein international anerkannter Experte für wissenschaftliche Fragen der Früherkennung des Prostatakarzinoms. Der Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Düsseldorf leitet seit 2020 die Abteilung „Personalisierte Früherkennung des Prostatakarzinoms“ am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Prof. Albers´ Forschungsziel ist klar definiert: „Risikoadaptierte Strategien zur personalisierten Früherkennung des Prostatakarzinoms anhand eines Basis-PSA-Wertes im Alter von 50 Jahren“. Der Urologe kooperiert dabei unter anderem mit Prof. Sigrid Carlsson, die den Bereich „Klinische Epidemiologie – Epidemiologie der Früherkennung von Krebserkrankungen“ am DKFZ leitet.

Zügige DKFZ-Stellungnahme trotz politischer Frustration

Trotz der Enttäuschung über die abwertende Interpretation der neuen Daten zur Risiko-adaptierten Früherkennung des Prostatakarzinoms mithilfe der Bestimmung des Prostataspezifischen Antigens (PSA) und der Magnetresonanztomografie (MRT) und der Tatsache, dass viele Experten im Risiko-adaptierten Screening im Vorfeld nicht zur Beratung vor Erstellung des IQWiG-Berichts herangezogen wurden, nutzten Albers und Carlsson die Möglichkeit zur Kommentierung. „Wir schlagen eine Kostenkalkulation des jetzigen opportunistischen Screenings, eine Modellierung des risikoadaptierten Screenings sowie eine vergleichende Evidenzkalkulation vor – aber nicht gegen PSA allein. Ein reines PSA-Screening wie vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) gefordert – gibt es schon gar nicht mehr. In Deutschland wird bereits opportunistisch mit der Sequenz aus PSA und MRT diagnostiziert, auch wenn die Kassen dies nicht direkt bezahlen. Aber unter der Verdachtsdiagnose auf ein Prostatakarzinom werden viele Leistungen bereits jetzt über die GKV abgerechnet“, beschreibt Prof. Albers im Gespräch mit UroForum die DKFZ-Position.

„Ein reines PSA-Screening wie vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) gefordert – gibt es schon gar nicht mehr.“

Allerdings ist der Abschied von Prof. Josef Hecken, der nicht mehr unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses ist, sicher in dieser Frage ein Verlust. Prof. Albers vermutet, dass die Angst vor ähnlichen Kosten wie beim Brustkrebs-Screening die Dateninterpretation beeinflusst hat. Carlsson und Albers plädieren für das organisierte Screening mit einem Basis-PSA Wert ab 50 Jahren, aber nicht für alle Jahrgänge von 50 bis über 70. Die damit identifizierte Niedrigrisikogruppe (> 80 %) könnte die Kosten dramatisch reduzieren, weil diese Männer nicht mehr jährlich untersucht werden müssten, und dies sicher für fünf oder sogar zehn Jahre. Diese Forderung basiert auf Daten, die auch dem IQWiG vorlagen.

Die gesamtpolitische Richtung scheint aber zu sein, dass Deutschland (im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie z. B. Litauen) aus Angst vor Veränderung und Kosten lieber gar nichts unternehme. Aber das führe unter den Menschen nur zur Verdrossenheit. „Wenn wir wüssten, wie teuer das unorganisierte, opportunistische Screening wäre und dass wir mit Einführung eines organisierten Programms viel Geld sparen könnten, dann müsste dieses Argument zumindest gehört werden“, argumentiert Prof. Albers. Aber die Mentalität des Aussitzens scheint noch weit verbreitet zu sein.

DGU hofft noch auf ein Hintertürchen im G-BA

DGU-Generalsekretär Prof. Max Burger strebt eine gemeinsame Stellungnahme mit der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) und der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) an. © DGU
DGU-Generalsekretär Prof. Max Burger strebt eine gemeinsame Stellungnahme mit der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) und der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) an. © DGU

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie möchte eine gemeinsame Stellungnahme mit der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) und der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) erreichen. Prof. Max Burger, Generalsekretär der DGU, lässt keine Kritik am Antrag gelten. „Der Antrag war nicht zu früh gestellt, denn wir müssen ja endlich anfangen, diese Prozesse in die Wege zu leiten. Der Antrag der Patientenvertretung war gut abgestimmt und begründet. Zum ersten Mal bietet das risikoadaptierte Screening die Chance, Überdiagnostik zu minimieren. Das IQWIG ist nur ein Baustein; es ist ein Methoden-Bewertungsinstitut und nicht mehr. Das IQWIG lässt ja schon durchblicken, dass es Brücken geben kann. Die Entscheidung trifft am Ende der Gemeinsame Bundesausschuss und zwar unabhängig. Das IQWIG lässt ja ein Hintertürchen offen, sodass der G-BA am Ende frei entscheidet und dabei auch unsere gemeinsame Stellungnahme berücksichtigt“, zeigt sich der DGU-Generalsekretür gegenüber UroForum überzeugt.

Auch Prof. Albers hält den Zeitpunkt des zweiten RAS-Antrags nicht für verfrüht, sieht aber trotzdem einen Nachteil des Antrags im anvisierten Screening-Volumen. „Es war vielleicht falsch, den RAS-Antrag für die Gesamtgruppe zu stellen, weil es das System hinsichtlich der Kosten sprengen würde.

Wenn wir alle zwischen 50 und 70 Jahren zum Screening einladen, erhalten wir zu viele mit einem harmlosen Tumor“, kritisiert der DKFZ-Abteilungschef. Deshalb habe das DKFZ den Ansatz favorisiert, immer nur die 50-Jährigen, also einen Jahrgang, einzuladen. „Wir finanzieren den Basis-PSA-Wert mit 50, die Kostenerstattung für das MRT findet ja aktuell auch nicht statt und die Zahl der MRTs kann durch eine Risikobestimmung auch zukünftig deutlich reduziert werden.“ Das finale G-BA-Votum ist offen, ebenso der Zeitpunkt der Entscheidung.

Im zweiten Teil des Dossiers zum IQWIG-Vorbericht über das risikoadaptierte PSA-MRT-Screening lesen Sie am kommenden Mittwoch, wie eine Modellierung doch noch gelingen könnte und wie die Entwicklung der Mortalität zu sehen ist.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Franz-Günter Runkel, Chefreporter UroForum

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