Urologie » Urogenitale Tumoren » Prostatakarzinom

»

Kombinierte Radioligandentherapie beim Prostatakarzinom

Prof. Dr. Samer Ezziddin und sein Team kombinierten Lutetium-177 und Actinium-225 für die Behandlung von metastasiertem Prostatakarzinom (© Universität des Saarlandes/Thorsten Mohr)

Kombinierte Radioligandentherapie beim Prostatakarzinom

News

Urologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

3 MIN

Erschienen in: UroForum

Für Patienten mit metastasierenden Prostatakarzinom hat ein Forschungsteam eine Wirkstoffkombination aus Lutetium-177 und Actinium-225 getestet, die das Leben der Patienten verlängert und die Lebensqualität zugleich erhält. Die Studie wurde im Fachmagazin Clinical Nuclear Medicine veröffentlicht.

Bereits in einer 2019 veröffentlichten Pilotstudie zeigte das Forschungsteam um Nuklearmediziner Samer Ezziddin, dass ihr Ansatz, die zwei radioaktiv strahlenden Wirkstoffe Lutetium und Actinium miteinander zu kombinieren, wirksam gegen metastasierenden Prostatakrebs ist. Gleichzeitig erhält diese Methode die Lebensqualität der Patienten, da die Therapie geringere Nebenwirkungen aufweist als herkömmliche Strahlentherapien.

Dieses Ergebnis konnte Ezziddins Team nun nach Abschluss der größeren Studie untermauern. „Waren es in der Pilotstudie noch 20 Patienten, die unseren kombinierten Wirkstoff aus Lutetium-177 und Actinium-225 erhalten haben, konnten wir diese Tandemstrahler-Therapie nun bei 51 Patienten innerhalb der international führenden Therapieregister-Studie unserer Klinik auswerten. Dabei hatten alle diese Patienten nicht mehr ausreichend auf die Standard-Lutetium-177-Radioligandentherapie angesprochen“, sagt der Mediziner.

Mit dieser Kombinationsmethode vereinen die Studienautoren die positiven Eigenschaften der beiden Wirkstoffe. Lutetium-177 hat einen Wirkradius von wenigen Millimetern, in dem es das umliegende Gewebe zerstört. Es wirkt sehr zielgenau, da es an Bindungsstellen andockt, die nahezu ausschließlich auf der Oberfläche der Prostatatumore vorhanden sind. Dadurch werden andere – gesunde – Körperzellen nicht zerstört. Dieser winzige Wirkungsradius von Lutetium-177 kann allerdings schon zu groß sein für winzigste Tumoren, wie sie entstehen, wenn sich Metastasen in anderen Regionen des Körpers bilden.

Aus diesem Grund haben sich die Forschenden dazu entschieden, als weiteren Strahler Actinium-225 zu verwenden. „Dieser Strahler zeigt sehr gute Ergebnisse, seine Reichweite liegt weit im Sub-Millimeter-Bereich“, erläutert Ezziddin er den Vorteil des Stoffes. Dadurch können auch winzigste Tumoren sowie einzelne Tumorzellen mit dem Präparat von innen bestrahlt werden. „Umliegendes Gewebe wird dadurch nicht zerstört, da die Reichweite des Actiniums gerade einmal drei, vier Zelldurchmesser beträgt“, sagt der Nuklearmediziner. Da die Speicheldrüsen Actinium-225 aufnehmen, kann jedoch eine extreme Mundtrockenheit entstehen, die die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen kann.

Weniger Nebenwirkungen durch Kombinationstherapie

Die Forschenden konnten nun zeigen, dass diese Nebenwirkungen nicht mehr auftreten, wenn man Lutetium und Actinium miteinander kombiniert. „Lutetium ist für die meisten Tumorgrößen sehr gut verträglich“, erklärt Professor Ezziddin den Grund dafür. „Daher konnten wir die Dosierung von Actinium in unserem Ansatz deutlich reduzieren, so dass die Therapie sehr nebenwirkungsarm ablaufen kann.“

In der Studie konnten die Daten von insgesamt 51 Männern mit metastasierendem Prostatakarzinom ausgewertet werden, bei denen eine Therapie mit dem Standardstrahler Lutetium-177 bereits keine Wirkung mehr gezeigt hat. „Im Median hatten die Patienten eine Lebenserwartung von weiteren 13 Monaten, davon zehn Monate progressionsfrei“, sagt Samer Ezziddin. „Nach Beginn der Behandlung hat die Tumormasse insgesamt im Mittel um rund 50 Prozent abgenommen“, fasst der Mediziner die Ergebnisse zusammen. Nach im Mittel zehn Monaten wuchs der Tumor wieder weiter. „Aber wir können mit diesem Tandemstrahler den Patienten etwas mehr Lebenszeit verschaffen und dabei gleichzeitig ihre Lebensqualität erhalten, so dass sie kaum unter den schwerwiegenden Nebenwirkungen leiden, die oft mit herkömmlichen Systemtherapien einhergehen“, erklärt Samer Ezziddin die zentrale Erkenntnis aus dieser Studie.

Bildquelle: Universität des Saarlandes/Thorsten Mohr

Originalpublikation: Ezziddin S, et al. Clinical outcome of 225Ac-PSMA-617 augmentation after insufficient response to 177Lu-PSMA-617 monotherapy: the REALITY Study. Clin Nucl Med. 2025;50(4):289–296. https://doi.org/10.1097/RLU.0000000000005640

Quellen: Pressemitteilung der Universität des Saarlands

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Nackte Fuesse eines Paares ragen unter der Bettdecke hervor als Symbol fuer Orgasmusstoerungen und was Koerper und Seele brauchen

Orgasmusstörungen – was Körper und Seele brauchen

Fachartikel

Orgasmusstörungen sind weit verbreitet, werden aber selten offen thematisiert. Der Beitrag zeigt: Der Orgasmus ist kein reiner Reflex, sondern ein biopsychosoziales Zusammenspiel aus Körper, Psyche, Biografie und Beziehung – im ICD‑11 als HA02 klassifiziert. Entscheidend sind Abklärung möglicher Ursachen und ein ganzheitlicher Ansatz aus körperzentrierter Sexualtherapie, Gesprächen und ggf. Paartherapie.

Urologie

Sexuelle Funktionsstörungen

Beitrag lesen
Robotersysteme, die Bewegungsbefehle des Chirurgen hochpräzise übersetzen, sind bereits erfolgreich in Kliniken im Einsatz. Nun verspricht die Kombination dieser Technik mit Datenbrillen einen weiteren Innovationsschub. © Universitätsklinikum Leipzig I Lilly Schmidt

Datenbrillen und Robotersysteme revolutionieren die Schlüsselloch-Chirurgie

News

Datenbrille trifft OP-Robotik: Spatial Computing soll minimalinvasive Eingriffe präziser und sicherer machen – besonders in der Urologie, etwa bei Prostata-OPs mit Schutz von Nerven für Kontinenz und Potenz. Fraunhofer IWU und Uniklinikum Leipzig entwickelten dafür eine App für Standard-Datenbrillen (z. B. Apple Vision Pro) und zeigen Anwendungen beim Healthcare Summit in Leipzig.

Urologie

Operative Urologie

Beitrag lesen
Arzt im weissen Kittel haelt Stethoskop vor einem unscharfen Wartezimmer mit vielen Patienten als Symbol dafuer, dass das Spargesetz der Regierung das Leistungsangebot reduzieren wird

KBV: Spargesetz der Regierung wird Leistungsangebot reduzieren

Berufspolitik

Nach der Verabschiedung des GKV-Spargesetzes durch Bundestag und Bundesrat hat der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nochmals vor den massiven Auswirkungen der milliardenschweren Kürzungen gewarnt. Der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen kündigte an, dass die Praxen ihr Leistungsangebot analog zum Gesetz nach unten anpassen werden.

Urologie

Berufspolitik

Beitrag lesen