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Männliche Fertilität: Zink und Folsäure haben keinen Effekt

Männliche Fertilität: Zink und Folsäure haben keinen Effekt

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Erschienen in: UroForum

Zink und Folsäure sollen nicht nur bei Frauen die Fruchtbarkeit unterstützen. Auch für Männer werden diese Nahrungsergänzungsmittel zu diesem Zwecke angeboten. Die Rate an Lebendgeburten konnte die Supplementierung jedoch nicht erhöhen, wie eine Multicenterstudie mit mehr als 2.300 Paaren in JAMA zeigen konnte. Auch die Samenqualität der Studienteilnehmer, die alle wegen Unfruchtbarkeit eine Behandlung (z.B. In-vitro-Fertilisation, IVF) planten, verbesserte sich nicht signifikant.

Die Schlussfolgerung der Autoren, dass diese Studie die Nahrungsergänzung mit Zink und Folsäure bei Männern mit unerfülltem Kinderwunsch nicht rechtfertigen könne, hält auch Prof. Sabine Kliesch vom Universitätsklinikum Münster für richtig.

Die Männer erhielten täglich über 6 Monate entweder 5 mg Folsäure und 30 mg Zink (n = 1.185) oder Plazebo (n = 1.185). Von 2.370 Männern im Durchschnittsalter von 33 Jahren stellten fast 1.700 ein halbes Jahr nach der Supplementierung mit Nahrungsergänzungsmitteln Spermien zur Auswertung zur Verfügung. Die Ergebnisse der Lebendgeburten waren für alle Paare verfügbar.

Das Durchschnittsalter des Mannes liege unter dem typischen Alter (38 Jahre) derer, die ein Kinderwunschzentrum in Deutschland aufsuchen würden, so Kliesch, die nicht an der Studie beteiligt war. Gleiches gelte für die Partnerinnen, die mit knapp 31 Jahren ebenfalls jung seien (36 Jahre bei Behandlung in einem Kinderwunschzentrum in Deutschland laut Deutschem IVF Register, DIR, 2019), so die Expertin der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU). „Die Ausgangswerte der Ejakulatuntersuchungen spiegeln zudem ein Patientenkollektiv wider mit eher moderaten Fertilitätseinschränkungen: die Patienten wiesen im Mittel eine Normozoospermie auf“, erläutert Kliesch.

Ungefähr die Hälfte der Paare unterzog sich einer IVF, die andere Hälfte erhält leichtere Formen einer unterstützenden Kinderwunschbehandlung. Die Lebendgeburtenrate lag im Behandlungs- und Plazeboarm relativ hoch, so Kliesch weiter. Die Zahl der Lebendgeburten unterschied sich zudem nicht signifikant zwischen den Behandlungsgruppen (404 [34 %] in der Folsäure- und Zinkgruppe versus 416 [35 %] in der Plazebogruppe; Risikodifferenz -0,9% [95% CI, -4,7% bis 2,8%]).

Die Spermienqualität beurteilten die Forscher anhand der Spermienkonzentration, Motilität, Morphologie, Volumen, und der Gesamtzahl der beweglichen Spermien. Auch hierfür konnte die Analyse nach 6 Monaten keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zur Plazebogruppe finden. Allerdings lagen auch nur bei 67 % der behandelten Patienten Ejakulatergebnisse nach Therapie mit Zink und Folsäure vor, gibt Kliesch zu Bedenken.

Bei einem weiteren Paramenter konnten die Forscher hingegen Unterschiede nachweisen: Die DNA-Fragmentierung nahm bei Folsäure- und Zinksupplementierung signifikant zu im Vergleich zur Plazebogruppe (29,7 % fragmentierte DNA versus 27,2 % in der Plazebogruppe) Die absolute mittlere Differenz von 2,4 % (95 % CI, 0,5% bis 4,4%) hält Kliesch allerdings für „nicht sehr groß“. Apoptotische Spermien, die man an einer DNA-Fragmentierung erkennt, sind nicht in der Lage, Eizellen zu befruchten. Eine erhöhte DNA-Fragmentation der Spermien könne zudem mit schlechteren Schwangerschaftsraten und Aborten einhergehen, erklärt die Chefärztin in der Abteilung für Klinische und Operative Andrologie.

Auch gastrointestinale Symptome waren häufiger mit Folsäure- und Zink-Supplementierung im Vergleich zu Plazebo (Bauchbeschwerden oder Schmerz: 66 [6%] gegenüber 40 [3%], bzw. Übelkeit: 50 [4%] versus 24 [2%]; und Erbrechen: 32 [3%] versus 17 [1%]).

Auch in Deutschland würden Ärzte dazu neigen, ihren Kinderwunschpatienten Nahrungsergänzungsmittel zu empfehlen, erläutert Kliesch und betont, dass Lebendgeburten das entscheidende Ziel bei Paaren mit Kinderwunsch seien. Bei der Empfehlung von Nahrungsergänzungsmitteln sei daher Zurückhaltung geboten.

Quelle: Universitätsklinikum Münster / JAMA
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