Urologie » Sonstiges

»

Roland-Berger-Krankenhausstudie: Drei von vier Krankenhäusern schreiben rote Zahlen

Roland-Berger-Krankenhausstudie: Drei von vier Krankenhäusern schreiben rote Zahlen

Berufspolitik

Urologie

Sonstiges

3 MIN

Erschienen in: UroForum

Die aktuelle Ausgabe der Roland Berger Krankenhausstudie zeigt: Nach bereits herausfordernden Jahren hat sich die wirtschaftliche Lage der Häuser 2024 in einem bislang unbekannten Ausmaß weiter zugespitzt. So geben drei von vier Kliniken an, das Jahr mit einem Verlust abgeschlossen zu haben. Neben diesem allgemeinen Negativtrend zeichnet sich eine zunehmende Polarisierung des Marktes ab.

Ein leerer Krankenhausflur mit medizinischen Geräten und Personal in der Ferne.
89 % der kommunalen Krankenhäuser arbeiten laut Roland Berger defizitär, nur 9 % erzielen einen Überschuss. (Symbolbild © VILevi – stock.adobe.com)

„In einem Gesundheitssystem mit Millionen Patientenkontakten pro Woche ist es schlicht unrealistisch, alle Zugänge rein analog zu organisieren. Ohne digitale, ärztlich entwickelte Triage verlieren wir Zeit, Ressourcen und letztlich Versorgungsqualität“, erklärt hierzu Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa. Aus Sicht des SpiFa belastet ein Primärarztmodell ohne digitale Ersteinschätzung Ärztinnen und Ärzte durch unnötige Präsenzkontakte und blockiert damit die für wirklich dringliche Fälle benötigten Kapazitäten. Für Patientinnen und Patienten bedeutet dies noch längere Wartezeiten.

Eine digitale Ersteinschätzung sei der Schlüssel zur Verbesserung der Effizienz des gesamten Systems. „Es bedarf funktionierender verbindlicher digitaler Instrumente, um den tatsächlichen Behandlungsbedarf und die Dringlichkeit noch vor dem ersten Arztkontakt zu prüfen und dann Patientinnen und Patienten zielgerichtet zur richtigen Versorgungsebene zu leiten. So ließen sich auch Doppeluntersuchungen vermeiden“, erläutert der SpiFa seine Bedenken.

Der Anteil der Kliniken mit einem ausgeglichenen Jahresergebnis schrumpft, stattdessen arbeiten die Häuser entweder profitabel oder geraten immer stärker in finanzielle Schieflage. Besonders deutlich wird diese Entwicklung in der Teilgruppe der öffentlichen Krankenhäuser: 89 % dieser Einrichtungen arbeiten defizitär, nur 9 % erzielen einen Überschuss.

Die Zahl der Krankenhäuser, die negative Ergebnisse schreiben, wird immer größer, und die Anzahl derjenigen, die Gewinn machen, wird immer geringer“, stellt Peter Magunia, Gesundheitsexperte bei Roland Berger, fest. Die Unternehmensberatung veröffentlicht die Krankenhausstudie jährlich, für die neue Ausgabe wurden 850 Krankenhaus-Geschäftsführer und Führungskräfte befragt. 2023 arbeitete nach der damaligen Umfrage zumindest eine knappe Hälfte der Häuser noch wirtschaftlich.

Wahrscheinliche Folge der Krankenhauskrise werden nach Einschätzung der Unternehmensberatung mehr Fusionen und weitere Schließungen sein. „Was wir aktuell sehen, ist, dass vermehrt über Zusammenschlüsse nachgedacht wird, teilweise träger- und landkreisübergreifend“, unterstreicht Magunia. „Mehrere Träger tun sich zusammen, bilden einen Krankenhausverbund und schließen ein oder zwei ihrer Häuser.“

Roland Berger erwartet größere Transformationen. „Um aus der Misere herauszukommen, reduzieren Krankenhäuser die Zahl ihrer Standorte, ändern ihr Leistungsportfolio und investieren in den Ausbau der ambulanten Versorgung“, sagte Magunia. „Wir schätzen den Investitionsbedarf in den nächsten Jahren auf 130 Milliarden Euro – für Baumaßnahmen, IT und Digitalisierung. Die vorhandenen Fördermittel reichten dafür nicht aus, selbst mit den 50 Milliarden Euro des Krankenhaustransformationsfonds nicht.“

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Mikroskop mit schwebenden Zellen im Labor als Symbol fuer Immuntherapie und neue Therapieoptionen beim Peniskarzinom

Update Peniskarzinom 2026: Immuntherapie und neue Therapieperspektiven

Fachbeitrag

Beim seltenen Peniskarzinom eröffnen Immuntherapien und molekulare Analysen neue Behandlungsperspektiven. Daten zu Cemiplimab zeigen jedoch, dass bislang nur bestimmte Patientengruppen profitieren. Entscheidend für die personalisierte Therapie sind daher verlässliche Biomarker und eine präzise molekulare Charakterisierung.

Urologie

Tumoren der äußeren Genitalien

Peniskarzinom

Beitrag lesen
Der damals 17-jährige Mailo erhält im Juli 2025 eine T-Zelltherapie gegen PRAME mit seinen gentechnisch veränderten Immunzellen. © privat

PRAME-T-Zelltherapie drängt metastasierten Nierentumor zurück

Aktuelles

Eine personalisierte T-Zelltherapie hat bei einem Jugendlichen mit weit fortgeschrittenem, therapieresistentem Nierentumor zu einem vollständigen Ansprechen geführt. Die Behandlung zielte auf das Tumorantigen PRAME. Eine klinische Studie für weitere Kinder und Jugendliche ist ab 2027 geplant.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Aktuell warten in Deutschland 8.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Rund 250 Abgeordnete wollen deshalb eine Widerspruchslösung im Bundestag durchsetzen. © abuzar - stock.adobe.com

Bundestags-Gruppe beantragt Widerspruchslösung für Organspende

Berufspolitik

Rund 250 Abgeordnete mehrerer Fraktionen des Bundestags haben beantragt, eine Widerspruchslösung für die Organspende im Transplantationsgesetz zu verankern. Dann müssten Versicherte z.B. einer postmortalen Nierenspende widersprechen, um sie zu verhindern.

Urologie

Berufspolitik

Beitrag lesen