Urologie » Urogenitale Tumoren » Prostatakarzinom

»

Was ist das transdifferenzierte neuroendokrine Prostatakarzinom?

Sven Perner

Was ist das transdifferenzierte neuroendokrine Prostatakarzinom?

Aktuelles

Urologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

2 MIN

Erschienen in: UroForum

Aggressive Varianten des Prostatakrebses mit einer neuroendokrinen Differenzierung treten in den letzten Jahren immer häufiger auf. Prof. Dr. Sven Perner aus Lübeck gab einen Überblick über das transdifferenzierte neuroendokrine Prostatakarzinom (NEPC).

Prof. Dr. Sven Perner, Direktor des Instituts für Pathologie am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und der Pathologie des Forschungszentrums Borstel. (Foto © UKHS)
Prof. Dr. Sven Perner, Direktor des Instituts für Pathologie am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und der Pathologie des Forschungszentrums Borstel. (Foto © UKHS)

Hintergrund – Warum ist eine Erforschung wichtig?

Prof. Perner ordnete die Bezeichnung Neuroendokriner Tumor zunächst so ein: „Der Begriff stammt aus der Pathologie. Wenn wir ihn da verwenden, sagt das erst mal nicht viel aus. Es ist eine Approximation zwischen endokrin und neurokrin.“

Neuartige Therapien, die auf die Androgenrezeptor-Achse abzielen, werden u. a. als Ursache dafür angesehen. Das Zellwachstum von aggressiven Prostatakrebsvarianten erfolgt oft völlig unabhängig vom Androgenrezeptor-Signalübertragungsweg. Die Zellen haben die typischen zellulären Merkmale des Prostata-Adenokarzinoms weitgehend verloren. Dies erschwert sowohl die Diagnose als auch die Behandlung dieser sehr aggressiven Erkrankung. Ein tieferes Verständnis der Mechanismen, die zur Transdifferenzierung beitragen, ist wichtig für bessere Diagnoseverfahren und Behandlungsstrategien.

Wie häufig sind neuroendokrine Prostatakarzinome?

Die NEPC tritt in etwa 2 % der Fälle im primären Prostatakarzinom auf. „Wir sehen vielleicht ein bis zweimal im Jahr neuroendokrine Karzinome“, sagt Prof. Perner. Beim kastrationresistenten Prostatakarzinom kommt die Progression zum neuroendokrinen Stadium bei 10–17 % der Patienten unter Einfluss antiandrogener Therapie vor (t-NEPC).

Gene, die zur t-NEPC-Transdifferention beitragen können, sind nicht speziell genug, um als Marker zu dienen. Es wird vermutet, dass der Entstehungsmechanismus eher epigenetischer Natur ist.

Wie geht es weiter?

„Es gibt den Begriff, er ist nicht unstrittig. Wir müssen ihn weiter schären schärfen und mit molekularen Markern belegen“, sagt Prof. Perner.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Mikroskop mit schwebenden Zellen im Labor als Symbol fuer Immuntherapie und neue Therapieoptionen beim Peniskarzinom

Update Peniskarzinom 2026: Immuntherapie und neue Therapieperspektiven

Fachbeitrag

Beim seltenen Peniskarzinom eröffnen Immuntherapien und molekulare Analysen neue Behandlungsperspektiven. Daten zu Cemiplimab zeigen jedoch, dass bislang nur bestimmte Patientengruppen profitieren. Entscheidend für die personalisierte Therapie sind daher verlässliche Biomarker und eine präzise molekulare Charakterisierung.

Urologie

Tumoren der äußeren Genitalien

Peniskarzinom

Beitrag lesen
Der damals 17-jährige Mailo erhält im Juli 2025 eine T-Zelltherapie gegen PRAME mit seinen gentechnisch veränderten Immunzellen. © privat

PRAME-T-Zelltherapie drängt metastasierten Nierentumor zurück

Aktuelles

Eine personalisierte T-Zelltherapie hat bei einem Jugendlichen mit weit fortgeschrittenem, therapieresistentem Nierentumor zu einem vollständigen Ansprechen geführt. Die Behandlung zielte auf das Tumorantigen PRAME. Eine klinische Studie für weitere Kinder und Jugendliche ist ab 2027 geplant.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Aktuell warten in Deutschland 8.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Rund 250 Abgeordnete wollen deshalb eine Widerspruchslösung im Bundestag durchsetzen. © abuzar - stock.adobe.com

Bundestags-Gruppe beantragt Widerspruchslösung für Organspende

Berufspolitik

Rund 250 Abgeordnete mehrerer Fraktionen des Bundestags haben beantragt, eine Widerspruchslösung für die Organspende im Transplantationsgesetz zu verankern. Dann müssten Versicherte z.B. einer postmortalen Nierenspende widersprechen, um sie zu verhindern.

Urologie

Berufspolitik

Beitrag lesen