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Recycling im OP? – Projekt verwertet bald OP-Einweginstrumente

Nicole Krojer, geschäftsführende Gesellschafterin der ZUKE Green Community © Runkel

Quelle: Nicole Krojer, geschäftsführende Gesellschafterin der ZUKE Green Community © Runkel

Recycling im OP? – Projekt verwertet bald OP-Einweginstrumente

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mgb medizin Redaktion

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5 MIN

Erschienen in: UroForum

Im DGU-Plenum zur Nachhaltigkeit ging es auf dem 78. DGU-Kongress in Düsseldorf um den medizinischen Bruder des „Grünen Punkts“, den sogenannten „Weißen Punkt“. Er steht für ein Projekt zur zirkulären Rücknahme und Recycling von OP-Einweginstrumenten über ein gemeinsames Rücknahmesystem. Wie das geht, lesen Sie hier.

Warum Netzwerke das Fundament der Transformation sind, erläuterte Nicole Krojer im DGU-Plenum in ihrem Vortrag über Resistenz, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Krojer ist geschäftsführende Gesellschafterin der ZUKE Green Community, ein Netzwerk für zukunftsorientiertes Wirtschaften im Gesundheitswesen. Das Netzwerk umfasst 60 Unternehmenspartner und 120 Mitarbeitende in Kliniken, so Krojer. „Wir wollen ein Netzwerk knüpfen, in dem Kliniken und Unternehmen zusammenkommen. Die Aufgabe ist klar, denn der jährliche Müllverbrauch in Kliniken entspricht dem Gewicht von 3,2 Millionen Autos oder 8.350 Flugzeugen des Typs Airbus A380.  Das Gesundheitswesen muss Pionier sein.“

„Der Weiße Punkt“ ist ein Beispiel der ZUKE Community

Ein beispielhaftes Projekt der ZUKE Green Community ist der „Weiße Punkt“. 16 Kliniken und elf Unternehmen machen mit. Obwohl gesetzliche Hürden für das Recycling von Klinikmüll bestehen und die Politik keinen Rückenwind gibt, sitzen Pioniere aus Versorgung und Industrie an einem Tisch. Die Mission ist ein praxisnaher Pilot, der unter Beweis stellt, dass die zirkuläre Rücknahme und das Recycling im klinischen Alltag über ein gemeinsames Rücknahmesystem funktionieren kann. „Diese Mission macht viel Mut zur Kreislaufwirtschaft“, so Geschäftsführerin Krojer.

Steiniger Weg zur Kreislaufwirtschaft in der Medizintechnik

Mehr zum „Weißen Punkt“ sagte Daniel Unger, Sustainability Manager bei Ethicon Deutschland Inc,, die den global agierenden Johnson & Johnson Medical Devices Companies angehört. Unger beschrieb den „steinigen Weg zur Kreislaufwirtschaft in der Medizintechnik“. In mehr als 1.900 deutschen Kliniken werden derzeit pro Jahr etwa 8.000 Tonnen OP-Einweginstrumente entsorgt.

Als mögliche Lösung präsentierte Unger die „Weiße-Punkt-Initiative“ zum herstellerübergreifenden Recycling von OP-Einweginstrumenten in Kliniken. Klinikmüll sei eine der größten Müllfraktionen in Deutschland. „420.000 Tonnen wertvoller Materialien, darunter hochwertige und komplexe elektronische Einweginstrumente, werden jedes Jahr verbrannt. Wertvolle Ressourcen werden so unwiederbringlich vernichtet“, so Unger. Zahlreiche Pilotprojekte zeigen, dass viele der bisher verbrannten Materialien wiederverwertet werden könnten. „Ein umfassender Wandel hin zu einem zirkulären System für klinische Abfälle ist möglich und notwendig.“

Daniel Unger, Sustainability Manager bei Ethicon Deutschland Inc © Runkel
Daniel Unger, Sustainability Manager bei Ethicon Deutschland Inc © Runkel

Die Vision „Weißer Punkt“ besteht darin, den Klinikmüll als die resistente Rohstoffquelle der Medizinindustrie zu verstehen. Der Betriebsstart soll nach vier Jahren Vorbereitung noch in diesem Jahr erfolgen. Im Rahmen des Kreislaufklinik-Konzepts CircularMed geht es um die Verwertung von Einweginstrumenten über ein deutschlandweites offenes Rücknahmesystem.

Die gesammelten Instrumente werden zur Datenerfassung und zur Entfernung von Akkus mit Hilfe künstlicher Intelligenz geröntgt und im Anschluss zerkleinert und dekontaminiert. Danach folgen die Sortierung und die stoffliche Verwertung. „Das gemeinschaftliche Recycling dieser Abfälle soll der neue normale Prozess in Deutschland werden“, betonte Nachhaltigkeits-Manager Unger. Schon bei der Zulassung von Medizinprodukten müsse das Eco-Design eine Rolle spielen. Unger mahnte, dass die Medizintechnik-Käufer nicht ständig auf den Preis schielen sollten. „Eine Säule der Bewertung beim Einkauf von Medizinprodukten muss die Nachhaltigkeit werden.“ Ohne diese Orientierung an der Nachhaltigkeit werde es schwer, ein solches Recycling-System zu etablieren. Trotz der angespannten finanziellen Situation müsse die Nachhaltigkeit in die Entscheidungskriterien für Einkäufe einbezogen werden.

Rohmaterialien haben den größten CO2-Fußabdruck

Die datengetriebene Analyse von 213.000 Operationen in 25 Sana-Kliniken aus vier Versorgungsstufen hat ebenfalls interessante Ergebnisse gezeigt. Wie Prof. Moritz Göllner, Assistant Professor für Data-Driven Innovation an der Technischen Universität Hamburg, in Düsseldorf berichtete, ist die Standardisierung von OP-Prozessen der Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit. Im Operationstrakt sind Energieverbrauch und Abfallmengen deutlich höher als in anderen Bereichen eines Krankenhauses. Eine der größten Abfallmengen bilden dabei Einweg-OP-Textilien, ein weiteres Feld der Nachhaltigkeit in der Medizin. Gemeinsam mit „Sana Einkauf und Logistik“, der Einkaufsorganisation der Sana-Kliniken, sowie dem Zulieferer Medline wurden Daten analysiert. Das Ergebnis: Über die Hälfte der CO2-Emissionen entsteht bei der Produktion der Rohmaterialien in Malaysia und anderen Ländern – also im Ausland.

Prof. Moritz Göllner, Assistant Professor für Data-Driven Innovation an der Technischen Universität Hamburg © Runkel
Prof. Moritz Göllner, Assistant Professor für Data-Driven Innovation an der Technischen Universität Hamburg © Runkel

Die Sana-Operationen schlugen mit insgesamt 352.714 Kilogramm Müll aus OP-Textilien, also OP-Kittel und Abdeckungen, zu Buche. Dies entspricht 1.997.000 Kilogramm CO2-Äquivalenten. „Der Verbrauch variiert stark zwischen den Versorgungsformen — entgegen der ursprünglichen Annahme“, teilte Prof. Göllner mit. Ein Soll-Ist-Vergleich – basierend auf einem hypothetischen Industriestandard – zeigte ökologische Einsparpotenziale von bis zu 23% in den orthopädischen und kardiologischen Fachkliniken, wenn sich alle OP-Beteiligten an die Standards gehalten hätten. Hauptfehlerquelle war der übergroße Einsatz von Abdeckungen im Operationssaal. Eine Erfahrung, die auch DGU-Präsidentin Prof. Susanne Krege in der Diskussion bestätigte:

„Bei der Zystoskopie zum Beispiel werden oft viel mehr Abdecktücher verwendet als nötig. Das ist doch eigentlich Quatsch.“

Zum Teil würden auch vollständige Sets aufgerissen, aber dann nur zum kleinen Teil eingesetzt. Experten glauben, dass etwa 10% der Textilien im Operationssaal einsparbar wären, ohne das Rad neu erfinden zu müssen.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Franz-Günter Runkel, Chefreporter UroForum

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