Zucker ist ein notwendiger Energieträger – aber die Form, in der er aufgenommen wird, macht aus Sicht der Viszeralmedizin einen wesentlichen Unterschied. Während Zucker in Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten gemeinsam mit Ballaststoffen und weiteren Nährstoffen aufgenommen wird, liefern Süßgetränke vor allem freie Zucker und Kalorien.
Nicht nur Diabetes und Adipositas – auch die Leber leidet
Gerade sie werden häufig unterschätzt: Ein Glas Cola oder Limonade mit 250 Millilitern enthält etwa 25 Gramm Zucker, also rund neun bis elf Würfelzucker. Auch Fruchtsäfte und Smoothies sind nicht automatisch eine gesunde Alternative. Beim Trinken großer Fruchtzuckermengen fehlen die Ballaststoffe der ganzen Frucht; die Leber wird stärker mit dem Zuckerangebot belastet.
Umstellung auf ungesüßte Getränke
Ein dauerhaft hoher Konsum zuckerhaltiger Getränke wird mit Adipositas, Typ-2-Diabetes und metabolisch bedingten Fettlebererkrankungen in Verbindung gebracht. Die WHO empfiehlt, freie Zucker auf 25 bis maximal 50 Gramm pro Tag zu begrenzen. Tatsächlich werden in Deutschland im Durchschnitt deutlich mehr verzehrt. Für die hausärztliche Praxis ist deshalb eine einfache Frage oft aufschlussreich: Was und wie viel trinken Sie täglich? Bei erhöhtem Risiko für Diabetes, Übergewicht oder Fettleber kann die Umstellung von Softdrinks, Energydrinks, Eistee und gesüßten Säften auf Wasser oder ungesüßten Tee ein wirksamer erster Schritt sein. Obst sollte eher gegessen als getrunken werden.
Positive Erfahrungen in Großbritannien
Die DGVS bewertet eine gestaffelte Abgabe auf zuckergesüßte Getränke als möglichen Baustein der Prävention. Erfahrungen aus Großbritannien zeigen, dass eine solche Regelung die Industrie zu Rezepturänderungen bewegen und den Zuckergehalt der Getränke senken kann. Nach den derzeitigen Plänen soll eine entsprechende Abgabe in Deutschland 2028 starten. Wie hoch die Einnahmen tatsächlich ausfallen, ist offen, weil Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte anpassen könnten.
Zuckersteuer nicht die alleinige Lösung
Eine Zuckersteuer allein wird die ernährungsbedingten Erkrankungen nicht lösen. Entscheidend ist ein Maßnahmenbündel: verständliche Kennzeichnung, gesunde Verpflegung in Kitas und Schulen, weniger Werbung für stark verarbeitete Produkte und ein leichterer Zugang zu gesunden Lebensmitteln. Prävention darf dabei nicht nur als individuelle Willensleistung verstanden werden. Das Umfeld beeinflusst maßgeblich, was Menschen kaufen und konsumieren. Hausärztinnen und Hausärzte können diese Diskussion in der Sprechstunde konkret machen – mit wenigen gezielten Fragen und alltagstauglichen Alternativen.
Quelle: DGVS 2026





