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Epigenetik statt Chemo: Neue Blutkrebs-Therapie für Ältere

Blutzellen eines AML-Patienten unter dem Mikroskop

Epigenetik statt Chemo: Neue Blutkrebs-Therapie für Ältere

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Leukämien und MDS

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Erschienen in: onkologie heute

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist bei Erwachsenen die häufigste akute Blutkrebsform. Bis vor kurzem war eine Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation die Therapie der Wahl. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg zeigen nun im Fachmagazin Lancet Haematology, dass die „epigenetische“ Therapie mit dem Wirkstoff Decitabin bei gleicher Wirksamkeit wie eine Chemotherapie deutlich weniger Nebenwirkungen erzeugt. Dadurch ist sie auch für ältere, bereits vorerkrankte Menschen möglich, für die eine intensive Chemotherapie zu belastend wäre. Die Studie ist am 31. Oktober 2023 erschienen.

„Für viele ältere AML-Patientinnen und -Patienten ist eine intensive Chemotherapie gesundheitlich eher eine Belastung als eine langfristige Hilfe. Mit unserer Studie zeigen wir, dass die Alternativtherapie schonender und genauso sicher ist“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Michael Lübbert, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Justus Duyster), die Notwendigkeit einer weniger aggressiven Therapieform. „Die Behandlung ist so erfolgreich, dass epigenetisch wirksame Medikamente wie Decitabin heute bereits flächendeckend bei älteren AML-Patienten eingesetzt werden“, so Lübbert.

Schonende Therapie ohne langen stationären Krankenhausaufenthalt

Die Akute Myeloische Leukämie tritt im Schnitt bei 40 von 100.000 Menschen über 70 Jahren auf. AML-Patientinnen und -Patienten erhielten bislang meist eine intensive Chemotherapie und im Anschluss eine Stammzellspende. Diese wird auch am Universitätsklinikum Freiburg seit Jahren an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg erfolgreich durchgeführt. Doch weil eine Chemotherapie gerade für ältere Patientinnen und Patienten oft belastend ist, war eine nachfolgende allogene Blutstammzell-Transplantation – und somit die Heilung – häufig gar nicht mehr möglich.

In der aktuellen Studie, koordiniert von der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) wurden insgesamt 606 Patientinnen und Patienten an 54 Standorten in neun Ländern Europas behandelt. Verglichen wurden Überleben und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten unter einer Behandlung mit Decitabin oder mit einer Chemotherapie. Anders als die Chemotherapie zerstört Decitabin die Krebszellen nicht direkt, sondern beeinflusst, welche Gene in den Krebszellen abgelesen werden. So verhindert es eine krankhafte Vermehrung. Dabei zeigte sich, dass das Überleben in beiden Therapien gleich war, mit Durchführung der Stammzell-Transplantation bei insgesamt sogar mehr als der Hälfte der Patienten; die Lebensqualität war aber unter Decitabin deutlich besser als unter Standard-Chemotherapie.

„Unter der besser verträglichen Therapie können die Patientinnen und Patienten oft ihr ganz normales Leben führen, ohne belastende stationäre Krankenhausaufenthalte. Das ist für uns, neben der Heilung, ein ganz wichtiges Ziel“, so Lübbert, der auch die EORTC Leukemia Cooperative Group leitet. Die Entwicklung neuer epigenetischer Therapien und die Erforschung der entsprechenden grundlegenden biologischen Vorgänge gehört zu den Forschungsschwerpunkten der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg, zum Beispiel im DFG-Sonderforschungsbereich 992, MEDEP.

Die Studie EORTC 1301 (EudraCT-Nummer 2014-001486-27) wurde von der EORTC (Brüssel) in Zusammenarbeit mit mehreren anderen europäischen Studiengruppen organisiert.

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Freiburg

Bilderquelle: © Nun22 – stock.adobe.com

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