Übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose) betrifft schätzungsweise 2 bis 5% der Bevölkerung. Die Patienten schwitzen so stark, dass sie sich mehrmals täglich umziehen müssen. Darunter leidet das tägliche Leben: Viele Patienten meiden sozialen Kontakt, entwickeln Depressionen. Dennoch wird die Erkrankung immer noch allzu oft als oberflächliches Hautproblem abgetan.
Ein internationales Forschungsteam unter belgischer Leitung liefert jetzt Belege dafür, dass eine bestimmte Form der Hyperhidrose durch eine genetisch bedingte Überstimulation der Nerven entsteht, die die Schweißdrüsen steuern. Sie fanden eine Mutation im Gen SCN10A, die zu einer übermäßigen Reaktion des Nav1.8-Natrium-Ionenkanals (im sympathischen Nervensystem) auf Gefühle und andere Trigger reagiert und bei den Betroffenen übermäßiges Schwitzen auslöst (sog. Gain-of-Function-Mutation). Dieser Kanal fungiert normalerweise als Tor, das elektrische Signale im Nervensystem reguliert. Bei Patienten mit Hyperhidrose bleibt dieses Tor aufgrund der Mutation zu weit offen. Dadurch wird das Nervensystem, das die Schweißdrüsen steuert, ständig überstimuliert. Die Nerven sind ständig aktiv, was zu übermäßigem Schwitzen führt.
Die Erkenntnisse konnten die Forscher bereits in tierexperimentellen Modellen untermauern.
Literatur: Yamauchi S et al. Sci Adv 2026;12(29):eaed3221.DOI:10.1126/sciadv.aed3221
Quelle: Pressemitteilung Vrije Universiteit Brussel (Universität Brüssel)





