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Schilddrüsenfunktion und -hormonsubstitution rund um die Schwangerschaft

Auf dem Bild sitzt eine junge schwangere Frau auf einem Sessel neben einem Arzt, der ihr gerade Blut abnehmen möchte.

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Schilddrüsenfunktion und -hormonsubstitution rund um die Schwangerschaft

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Erschienen in: internistische Praxis

In der Schwangerschaft steigt der Schilddrüsenhormonbedarf deutlich. Für die fetale Entwicklung sind normale mütterliche Schilddrüsenhormonwerte essenziell. In diesem Artikel soll daher ein leitlinienorientierter Überblick entsprechend der neuen ATA-Guideline zur Interpretation der Schilddrüsenhormonwerte und Therapie gegeben werden.

Einleitung

Die Beurteilung von Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft zählt zu den häufigsten endokrinologischen Fragestellungen, wobei die Schwangerschaft selbst mit erheblichen Veränderungen der Schilddrüsenleistung und der Funktionsparameter einhergeht [1]. In ausreichend mit Jod versorgten Regionen nimmt das Schilddrüsenvolumen der Schwangeren um ca. 10 % und in Jodmangelgebieten um bis zu 20–40 % zu [2]. Gleichzeitig erhöhen sich die Schilddrüsenhormonproduktion sowie der tägliche Jodbedarf um jeweils ca. 50 % [3, 4]. Bei gesunden Schwangeren verlaufen diese physiologischen Veränderungen problemlos, während bei manifesten Schilddrüsenfunktionsstörungen teils gravierende Folgen für das Kind als auch die Schwangere resultieren können.

Eine manifeste Hypothyreose findet sich bei ca. 0,2–1 % der Schwangeren, eine latente Hypothyreose bei 2,2–10 % [3]. Thyroperoxidase- Antikörper (TPO-AK) oder Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK) lassen sich bei 5–18 % aller Schwangeren nachweisen, wobei eine positive Antikörperkonstellation aufgrund der begrenzten hormonellen Kompensationsreserve unter dem gestiegenen Bedarf der Schwangerschaft einen Risikofaktor für eine im Schwangerschaftsverlauf eintretende latente oder manifeste Hypothyreose darstellt [2].

Zusammenfassung

Der Schilddrüsenhormon- und Jodbedarf steigt im Rahmen physiologischer Veränderungen in der Schwangerschaft bedeutend an. Eine maternale Jodzufuhr von 250 µg täglich (davon 150 µg als Supplement) und eine euthyreote Schilddrüsenfunktion sind dabei essenziell für die Entwicklung des Fetus, wobei eine manifeste Hypothyreose mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburtlichkeit, Schwangerschaftsverlust und kognitiven Entwicklungsstörungen des Kindes assoziiert ist. Aufgrund der hohen Prävalenz von Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft ist ein risikoadaptiertes Screening auf solche zu empfehlen, zudem sollten Schwangere mit (Risiko auf) Hypothyreose mittels regelmäßiger, initial 4-wöchiger Thyreoidea-stimulierender Hormon(TSH)-Kontrollen überwacht werden. Bei der Interpretation der Schilddrüsenwerte (insbesondere TSH und Gesamtthyroxin [TT4]) müssen schwangerschaftsspezifische Referenzbereiche beachtet werden . Eine manifeste Hypothyreose stellt eine Behandlungsindikation dar, bei latenter Hypothyreose richtet sich die Therapieentscheidung nach TSH-Wert und Zeitpunkt der Diagnosestellung. Frauen mit bereits präkonzeptionell bestehender substituierter Hypothyreose benötigen eine Levothyroxin(LT4)-Dosissteigerung mit Beginn der Schwangerschaft. Eine routinemäßige LT4-Substitution bei euthyreoten, TPO-AK-positiven Frauen erbringt gemäß aktueller Evidenz keinen Vorteil. Wurde LT4 während der Schwangerschaft eingeleitet, ist postpartal die Indikation zu reevaluieren.

Autorinnen: J. Messner, A. Schmidt, D. Führer-Sakel

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