Schlaf ist für das Überleben unverzichtbar: Nach einer längeren Phase des Wachseins ist das Schlafbedürfnis unumgänglich. Bislang war es aber weitgehend unklar, wie das Gehirn die Dauer des Wachzustands erfasst und daraus den Bedarf an Schlaf ableitet. Ein Baseler Forschungsteam hat jetzt Regionen im Gehirn von Mäusen identifiziert, deren Aktivität die Dauer des Wachseins widerspiegeln. In einer dieser Regionen, dem Hirnstamm, entdeckten sie zwei verschiedene Nervenzellpopulationen, die den Schlafdruck beeinflussen: GABAerge und serotonerge Neuronen. Die Aktivität dieser Zellarten nahm mit zunehmender Wachdauer zu und sank nach dem Einschlafen wieder. Wurden die Nervenzellen gemeinsam aktiviert, schliefen die Mäuse länger und tiefer und zeigten eine Art Erholungsschlaf. Wurden die Zellen hingegen gehemmt, schliefen die Tiere deutlich weniger und blieben deutlich länger wach. Eine langfristige Hemmung der beiden Zellpopulationen verringerte das Schlafbedürfnis deutlich. Die Mäuse schliefen rund 70% weniger als gewöhnlich. Erstaunlicherweise zeigten die meisten Tiere dennoch keine schweren Verhaltensstörungen, die normalerweise mit Schlafentzug einhergehen. Demnach bestimmen diese Nervenzellen offenbar nicht nur, wie viel die Tiere schlafen, sondern auch, wie stark ihr Bedürfnis nach Schlaf wächst.
Originalpublikation: Joo W et al. Nature 2026. doi: 10.1038/s41586-026-10928-3
Quelle: Pressemitteilung Universität Basel





