Dermatologie » Tumoren und Präkanzerosen » Nicht-melanotischer Hautkrebs

»

Basalzellkarzinom: Auswirkungen von COVID-19

Ein Mensch zieht ein riesiges rotes Virus, das die Herausforderungen der Pandemie symbolisiert.

Basalzellkarzinom: Auswirkungen von COVID-19

Aktuelles

Dermatologie

Tumoren und Präkanzerosen

Nicht-melanotischer Hautkrebs

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Eine aktuelle Studie untersucht die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Basalzellkarzinomchirurgie (BCC). Wir werfen ganz im Sinne der fachübergreifenden Ausrichtung des Kongresses einen Blick über den Tellerrand in Richtung Onkologie.

Das BCC ist der häufigste maligne Tumor bei Menschen europäischer Abstammung. Es zeichnet sich durch ein geringes Metastasierungspotenzial, jedoch durch signifikante Morbidität aufgrund lokaler Gewebezerstörung aus. Lockdowns und verändertes Patientenverhalten (z.B. reduzierte Arztkonsultationen) prägten die Pandemie.

Zielsetzung

Ziel der Studie war es, den Rückgang der BCC-Operationen in Wien während der Pandemie zu bewerten und die Auswirkungen etwaiger Behandlungsverzögerungen auf die Tumor- und Operationskomplexität zu analysieren.

Methodik

Forschende führten eine retrospektive monozentrische Beobachtungsstudie an der Klinik Hietzing in Wien durch. Analysiert wurden Patient:innen, die sich von März bis Mai in den Jahren 2017 bis 2022 einer BCC-Operation unterzogen.

Die Patient:innen wurden in zwei Gruppen eingeteilt:

  • Vor-COVID (2017–2019)
  • Während COVID (2020–2022)

Analysiert wurden Daten von 727 Probanden, darunter Operationsanzahl, Demografie, Komorbiditäten und Entfernung zum Krankenhaus. Die Operationskomplexität wurde anhand einer vordefinierten Skala (0 bis 6 Punkte, basierend auf sechs Parametern) bewertet. Zum Vergleich der Unterschiede zwischen den Gruppen wurden statistische Analysen (u.a. t-Tests und ANOVA) durchgeführt.

Befund

Seit der Pandemie wurde ein deutlicher Rückgang der BCC-Operationen um 32,5 % (n = 141) beobachtet (p < 0,001). Das Durchschnittsalter der Patientinnen und Patienten stieg leicht von 73,9 Jahren (Median 76) vor COVID auf 75,6 Jahre (Median 79) während der COVID-Erkrankung an (p = 0,341). Die Anzahl der Komorbiditäten stieg signifikant an (p = 0,042). Es gab jedoch keine signifikante Veränderung der Operationskomplexität (p = 0,317), obwohl eine leichte Verschiebung hin zu höherer Komplexität festgestellt wurde.

Schlussfolgerungen

Die COVID-19-Pandemie führte zu einem deutlichen Rückgang der BCC-Operationen. Trotz der Verzögerungen zeigte sich noch kein signifikanter Anstieg der chirurgischen Komplexität, was wahrscheinlich auf das langsame Wachstum des BCC zurückzuführen ist. Die Zunahme von Komorbiditäten und die anhaltende Verringerung chirurgischer Eingriffe erfordere jedoch kontinuierliche Wachsamkeit, so die Forschenden, um einen zukünftigen Anstieg der Morbidität zu verhindern.

Behandlungsverzögerungen bei BCC erscheinen im Pandemie-Szenario unter Umständen zunächst vertretbar. Da die Ressourcen für BCC-Operationen aber seit über drei Jahren kontinuierlich reduziert wurden, hat die Behandlungsverzögerung bei vielen Patient:innen den empfohlenen Zeitrahmen überschritten. Es ist unbekannt, wie vielen Patient:innen noch eine empfohlene BCC-Behandlung fehlt. Die aufgezeigten Trends deuten darauf hin, dass die Komplexität der BCC-Operationen und somit die Morbidität für Patient:innen in naher Zukunft kontinuierlich zunehmen könnte.

Redaktion (sma)

Originalpublikation: Heinrich et al.: Complexity of Basal Cell Carcinoma Surgery Between 2017 and 2022: The Impact of the COVID-19 Pandemic. JEADV Open Access. First published: April 2025: https://doi.org/10.1002/jvc2.70040

Bildquelle: © freshidea – Adobe Stock

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Aufgebrachter Mann packt einen Arzt am Kittel in der Praxis, symbolisch fuer eskalierende Patientensituationen

Tatort Praxis: Die Kontrolle behalten, wenn Patienten eskalieren

Fachbeitrag

Angriffe auf Menschen, die dem Gemeinwohl dienen, etwa Polizisten und Rettungskräfte, werden strafrechtlich stärker geahndet. Diesen besonderen Schutz sollen künftig auch Praxisteams erhalten. Praxisberaterin Christiane Fleißner-Mielke erklärt, was Praxisteams tun können, um Eskalationen vorzubeugen und richtig zu reagieren.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Prävention und Vorsorge

Beitrag lesen
Nahaufnahme von zwei geroeteten trockenen Haenden ueber einem Waschbecken

CHE: Multifaktorielle Pathologie und diagnostische Präzision

Aus der Industrie

Wie Dr. Katharina Kreutzer (Bielefeld) berichtete, fordert das chronische Handekzem Dermatologen durch hohe Krankheitslast und Schmerzen heraus. Als eigenständige Entität verlangt es gezielte Therapien, um die Lebensqualität Betroffener massiv zu verbessern. Was bedeutet das für die Praxis?

Dermatologie

Entzündliche Dermatosen

Ekzem und Urtikaria

Beitrag lesen
Hand haelt Lupe ueber weisse Spardose vor hellblauem Hintergrund als Symbol fuer Schnittstelle von Oekonomie und Medizin auf der DERM Alpin

Ökonomie trifft Medizin auf der DERM Alpin

Kongress

Im Zentrum der Tagung DERM Alpin in Salzburg (16.-18.10.26) stehen hochkarätige, praxisorientierte Fortbildungsangebote, die medizinische Innovationen gezielt mit ökonomischen Aspekten verknüpfen. Was erwartet uns im Bereich Praxismanagement?

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen