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DDG-Stellungnahme zu Machtmissbrauch und sexueller Belästigung

Offene Handflaeche mit rotem Stoppschild und dem Wort STOP als klares Zeichen gegen Machtmissbrauch und sexuelle Belaestigung

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DDG-Stellungnahme zu Machtmissbrauch und sexueller Belästigung

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mgb medizin Redaktion

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4 MIN

Erschienen in: DermaForum

Nach Berichten beim 130. Ärztetag über Übergriffe und der Umfrage des Marburger Bundes reagiert die DDG: In einer offiziellen Stellungnahme verurteilt die Fachgesellschaft Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung im Gesundheitswesen entschieden.

Das steckt dahinter

Auf dem diesjährigen 130. Deutschen Ärztetag berichteten fünf weibliche Mitglieder einer Medizinstudierenden-Delegation von übergriffigem Verhalten während des stattfindenden Ärztetages und setzten das Thema Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung im Gesundheitswesen auf die Tagesordnung des Ärztekongresses. Dass Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung im beruflichen Alltag in Krankenhäusern relevante Themen sind, wird durch eine Umfrage des Marburger Bundes untermauert.  Die bundesweite Befragung aus dem Februar und März 2026 dokumentiert Häufigkeit, Formen und Auswirkungen von Grenzüberschreitungen im ärztlichen Arbeitsalltag. Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) berichtet, in den vergangenen zwölf Monaten Machtmissbrauch durch ärztliche Beschäftigte erlebt zu haben. Die Vorfälle treten häufig wiederholt auf. Weit überwiegend geht der Machtmissbrauch von männlichen ärztlichen Vorgesetzten aus. Es ist also davon auszugehen, dass es sich um ein strukturelles Problem und nicht um Einzelfälle handelt. 

Machtmissbrauch liegt dort vor, wo Grenzüberschreitungen bagatellisiert, Abhängigkeiten ausgenutzt oder Betroffene zum Schweigen gebracht werden. Sexualisierte Belästigung und sexualisierte Gewalt sind nicht nur auf individuelles Fehlverhalten zurückzuführen, sondern oft auch Ausdruck struktureller Probleme innerhalb von Organisationen und hierarchischen Systemen.

Auch im medizinisch-wissenschaftlichen Umfeld besteht die klare Verantwortung, diese Strukturen zu durchleuchten, Betroffene zu schützen und wirksame Handlungsmöglichkeiten zur Verhinderung und zum Umgang mit Übergriffen zu schaffen.

In Kliniken, Praxen, Universitäten, wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Vereinen bestehen hierarchische Strukturen und Machtgefälle. Trotz bestehender regulatorischer, kontrollierender, schützender Strukturen sowie einer intensiven öffentlichen Auseinandersetzung im zurückliegenden Jahrzehnt und einer gewachsenen Sensibilität der Gesellschaft gibt es weiterhin Machtmissbrauch, der häufig mit grenzüberschreitendem Verhalten bis hin zu sexualisierter Gewalt einhergeht.

Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung beschädigen Arbeitsbedingungen sowie Lehr- und Ausbildungsabläufe. Das breite Spektrum möglichen Fehlverhaltens reicht von „unbewussten Vorurteilen“ (unconscious bias) über verbale (sexuelle) Belästigung bis hin zur tätlichen sexuellen Gewalt. Alle betroffenen Personen erleben durch den Übergriff psychische und gesundheitliche Folgen, die je nach Art der Tat schwerwiegend sein können. Betroffene werden verunsichert, isoliert und in ihren beruflichen Planungen behindert. Darüber hinaus wirken sich Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung auch auf das berufliche und soziale Umfeld aus: Kolleginnen/Kollegen, Auszubildende, Angehörige sowie Freundinnen/Freunde können mitbetroffen sein. 

Als wissenschaftliche Fachgesellschaft der Dermatologie ist es für uns wichtig, nicht nur Sensibilität für das Thema zu schaffen, sondern konkrete Präventions-, Unterstützungs- und Awareness-Strukturen weiterzuentwickeln.

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) verurteilt jede Form von Machtmissbrauch, Diskriminierung und sexualisierter Gewalt und versteht es als gemeinsame Verantwortung der Fachgesellschaft, sichere, respektvolle und wertschätzende Strukturen innerhalb der Dermatologie aktiv zu fördern und weiterzuentwickeln.

  • Alle Formen von Grenzüberschreitungen und sexualisierter Gewalt, ob körperlich oder verbal, werden von uns verurteilt, denn sie widersprechen fundamental den Werten unseres Berufes.
  • Belästigung, Gewalt und Diskriminierung müssen in der Medizin und der Ärzteschaft aktiv bekämpft werden.
  • Die DDG wird die Themen Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt kontinuierlich voranbringen und das Thema in der Dermatologie und in der Öffentlichkeit offen und entschlossen adressieren.
  • Das Etablieren von Strukturen für das Anzeigen von Machtmissbrauch und sexuell übergriffigem Verhalten ist notwendig.
  • Betroffene sollen jede Unterstützung erhalten, die nötig ist.
  • Respekt, Vertrauen und Wertschätzung sind das Fundament des Miteinanders in der Dermatologie – unabhängig von Position, Geschlecht, Alter, Herkunft oder Religion. 

Die DDG wird diesen Prozess weiterhin aktiv begleiten und sich für eine offene, respektvolle und sichere Kultur innerhalb der Dermatologie einsetzen.

Für den Vorstand der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft:

Prof. Dr. med. Mark Berneburg 
Prof. Dr. med. Tilo Biedermann 
Prof. Dr. med. Evelyn Gaffal 
Prof. Dr. med. Olivier Gaide 
Prof. Dr. med. Kamran Ghoreschi 
Prof. Dr. med. Matthias Goebeler 
Prof. Dr. med. Michael Hertl 
Prof. Dr. med. Silke Hofmann 
Prof. Dr. med. Bernhard Homey 
Prof. Dr. med. Thilo Jakob 
Dr. med. Ralph von Kiedrowski 
Prof. Dr. med. Carmen Loquai 
Prof. Dr. med. Robert Müllegger 
Dr. med. Cora Overbeck 
Prof. Dr. med. Esther von Stebut 
Prof. Dr. med. Thomas Werfel 
Prof. Dr. med. Julia Welzel 
Prof. Dr. med. Amir Yazdi

Berlin, Juli 2026

(sma)

Quelle: Vorstand der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. (2026, Juli). Stellungnahme des Vorstands der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) zu Machtmissbrauch und sexueller Belästigung in der Ärzteschaft. derma.de.

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