Dermatologie » Allgemeine Dermatologie » Versorgung, Forschung und Leitlinien

»

Frauen im Fokus: Geschlecht und Lebensphasen

Nahaufnahme einer Hand, die eine Lupe hält, um ein Objekt zu untersuchen.

Quelle: © megaflopp - stock.adobe.com

Frauen im Fokus: Geschlecht und Lebensphasen

Kongress

Dermatologie

Psoriasis, Versorgung, Forschung und Leitlinien

mgb medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Erschienen in: DermaForum

In Bezug auf Psoriasis gibt es deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern, die essenziell für die erfolgreiche Therapie sind: Frauen sprächen bspw. tendenziell besser auf systemische Therapien an als Männer. Allerdings erhielten sie seltener systemische Behandlungen.

Psoriasis betrifft weltweit zwischen 60 und 125 Millionen Menschen, wobei die Prävalenz zwischen Männern und Frauen etwa gleich ist. Es gibt jedoch Unterschiede im durchschnittlichen Alter bei der Diagnose, welches bei Frauen mit etwa 25 Jahren etwas niedriger ist als bei Männern mit durchschnittlich 30 Jahren.

Bei der Betrachtung der Psoriasis ist es laut Prof. Dr. Julia-Tatjana Maul, Zürich, wichtig, zwischen biologischen Geschlechtsunterschieden (Sex) und soziokulturellen/psychologischen Geschlechtsunterschieden (Gender) zu differenzieren, da diese Begriffe in Publikationen oft verwechselt werden. Es ist bekannt, dass sowohl das Geschlecht als auch das Alter die Funktionen des Immunsystems prägen, wobei es Unterschiede in der angeborenen und adaptiven Immunität gibt. Auch der Ernährungszustand, das Mikrobiom sowie die im Laufe des Lebens schwankenden Östrogen- und Progesteronspiegel können die Schwere entzündlicher Hauterkrankungen beeinflussen.

Unterschiede durch Geschlecht und Gender

In Bezug auf Psoriasis gibt es deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern laut Prof. Maul:

  • Lebensqualität und psychische Gesundheit: Frauen weisen im Allgemeinen eine stärkere Beeinträchtigung der Lebensqualität (DLQI) und eine höhere Tendenz zu Depressionen auf.
  • Therapieansprechen und -zugang: Frauen sprechen tendenziell besser auf systemische Therapien an als Männer. Allerdings erhalten sie seltener systemische Behandlungen, da Ärzte aufgrund möglicher Schwangerschaften zögern, Biologika oder bestimmte nicht-konventionelle Therapien zu verschreiben.
  • Komorbiditäten: Kardiometabolische Symptome und Autoimmunerkrankungen werden bei Frauen häufiger beobachtet.
  • Patientenbedürfnisse: Frauen haben generell vielfältigere Bedürfnisse als Männer, insbesondere im Hinblick auf die Verringerung von Depressionen und die Verbesserung des Schlafes. Für Männer steht häufiger der Wunsch nach einem normalen Sexualleben im Vordergrund.
  • Nebenwirkungen: Frauen haben ein überproportional höheres Risiko für Nebenwirkungen und Arzneimitteltoxizität als Männer. Dies könnte daran liegen, dass die Dosierung der meisten Biologika fixiert ist und nicht das unterschiedliche Körpergewicht von Männern und Frauen berücksichtigt wird. Zudem verursachten konventionelle systemische Therapien ein deutlich höheres Risiko für Nebenwirkungen als Biologika.
  • Krankheitsverteilung: Jüngere Frauen neigen eher zu einem Befall des Kopfes und der Haarlinie, während Männer häufiger schwerer zu behandelnde Regionen wie die Beine betreffen.

Psoriasis und Schwangerschaft

Frauen mit Psoriasis haben im Allgemeinen eine geringere Geburtenrate (bis zu 50 % weniger Kinder) als die Allgemeinbevölkerung. Während der Schwangerschaft ändere sich, so Prof. Dr. Maul, der Verlauf der Psoriasis häufig: Bei über 50 % der Patientinnen verbessert sich z. B. die Psoriasis, während sich die Erkrankung nach der Geburt (postpartum) bei etwa 65 % der Patientinnen verschlechtert.

Die Forschung zeige, dass Psoriasis ein unabhängiger Risikofaktor für negative Schwangerschaftsausgänge ist, insbesondere bei mittelschwerer bis schwerer Ausprägung. Zu diesen negativen Ergebnissen gehören häufigere Kaiserschnitte, Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht und Kinder, die im Verhältnis zum Gestationsalter zu klein sind. Da chronische Entzündungen im Körper die Schwangerschaft negativ beeinflussen, sei es entscheidend, die Psoriasis vor und während der Schwangerschaft gut zu kontrollieren.

Fazit laut Prof. Dr. Maul: Die Patientinnen sollten idealerweise nahezu symptomfrei sein, bevor sie schwanger werden. Die beschriebenen Faktoren legen außerdem nahe, dass es bei Frauen mit (Verdacht auf) Psoriasis in Klinik bzw. Niederlassung lohnenswert ist, frühzeitig über Familienplanung und Fertilität zu sprechen.

Therapieoptionen während Schwangerschaft und Stillzeit

Die Behandlungsrichtlinien sind für schwangere und stillende Patientinnen stark eingeschränkt, wie Prof. Dr. Maul berichtet:

  • Topische Behandlungen: Glukokortikoide können in der Schwangerschaft sicher angewendet werden, während Vorsicht bei Salicylvaseline und ähnlichen Präparaten geboten ist.
  • Konventionelle Systemtherapien: Das einzige konventionelle Systemtherapeutikum, das laut europäischen Leitlinien während der Schwangerschaft angewendet werden kann, ist Ciclosporin.
  • Biologika: Das einzige Biologikum, das während der Schwangerschaft und Stillzeit als sicher eingestuft wird, ist Certolizumab Pegol.

Dermatolog:innen sollten die Bedürfnisse der Patientinnen erst nehmen und eine Behandlung finden, die zu ihren Lebensplänen passt, so Prof. Maul, ohne Angst vor den Therapieoptionen zu haben. Es sei in diesem Kontext wichtig, eine gute Kontrollmöglichkeit der Psoriasis zu gewährleisten, da die unbehandelte, schwere Entzündung selbst das Risiko für negative Schwangerschaftsergebnisse erhöht.

Redaktion (sma)

Quelle: Maul J-T.: Psoriasis: Special Focus Woman, EADV-Präsentation 2025, September 2025, Paris.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Aufgebrachter Mann packt einen Arzt am Kittel in der Praxis, symbolisch fuer eskalierende Patientensituationen

Tatort Praxis: Die Kontrolle behalten, wenn Patienten eskalieren

Fachbeitrag

Angriffe auf Menschen, die dem Gemeinwohl dienen, etwa Polizisten und Rettungskräfte, werden strafrechtlich stärker geahndet. Diesen besonderen Schutz sollen künftig auch Praxisteams erhalten. Praxisberaterin Christiane Fleißner-Mielke erklärt, was Praxisteams tun können, um Eskalationen vorzubeugen und richtig zu reagieren.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Prävention und Vorsorge

Beitrag lesen
Nahaufnahme von zwei geroeteten trockenen Haenden ueber einem Waschbecken

CHE: Multifaktorielle Pathologie und diagnostische Präzision

Aus der Industrie

Wie Dr. Katharina Kreutzer (Bielefeld) berichtete, fordert das chronische Handekzem Dermatologen durch hohe Krankheitslast und Schmerzen heraus. Als eigenständige Entität verlangt es gezielte Therapien, um die Lebensqualität Betroffener massiv zu verbessern. Was bedeutet das für die Praxis?

Dermatologie

Entzündliche Dermatosen

Ekzem und Urtikaria

Beitrag lesen
Hand haelt Lupe ueber weisse Spardose vor hellblauem Hintergrund als Symbol fuer Schnittstelle von Oekonomie und Medizin auf der DERM Alpin

Ökonomie trifft Medizin auf der DERM Alpin

Kongress

Im Zentrum der Tagung DERM Alpin in Salzburg (16.-18.10.26) stehen hochkarätige, praxisorientierte Fortbildungsangebote, die medizinische Innovationen gezielt mit ökonomischen Aspekten verknüpfen. Was erwartet uns im Bereich Praxismanagement?

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen