Wie lässt sich Krebsfrüherkennung evidenzbasiert und risikoadaptiert gestalten? Ein neuer DGHO-Band ordnet medizinische und strukturelle Fragen ein. Für die Dermatologie bietet der Band Anknüpfungspunkte zur KI-gestützten Hautkrebsfrüherkennung und zur Bewertung präventiver Angebote.
Krebsprävention umfasst mehr als individuelle Verhaltensänderungen. Sie benötigt wissenschaftlich begründete Angebote und Strukturen, die deren Umsetzung ermöglichen. Diesen Zusammenhang betonen die Autor:innen von „Krebs: Neue Wege der Prävention, Früherkennung und frühen systemischen Therapie“ der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO). Der Band bündelt Beiträge der Frühjahrstagung vom 13. März 2026 in Berlin und ergänzende Fachtexte (1).
Für die dermatologische Versorgung ist insbesondere der Blick auf die Weiterentwicklung der Früherkennung interessant. Bereits im Editorial betonen die Autor:innen, dass auch sekundärpräventive Programme evidenzbasiert gestaltet werden müssten.
KI zwischen Forschung und Versorgung
Laut Sarah Haggenmüller (Beitrag: KI-basierte erklärbare Hautkrebsdiagnostik: Aus der Forschung in die klinische Versorgung) hängt der künftige Nutzen von KI in der Hautkrebsfrüherkennung nicht allein von hoher diagnostischer Genauigkeit unter Studienbedingungen ab, sondern auch von Zuverlässigkeit im Versorgungsalltag, Übertragbarkeit auf unterschiedliche Patientengruppen, nachvollziehbaren Entscheidungen und der Integration in klinische Abläufe. In ihrem Beitrag beschreibt sie das sKIn-Projekt als beispielhaften Ansatz für die Melanom-Diagnostik, der Forschung, technische Entwicklung, klinische Validierung, regulatorische Anforderungen und die Bedürfnisse der späteren Anwender:innen miteinander verknüpft.
Über die technische Entwicklung hinaus rückt die Publikation die Bewertung präventiver Strategien in den Mittelpunkt. Gesundheitsökonomische Analysen finden laut den Autro:innen in Deutschland bislang zu wenig Beachtung. Für die Weiterentwicklung von Früherkennungsangeboten verbindet der Band vor diesem Hintergrund medizinische, organisatorische und ökonomische Fragestellungen (z.B. Beitrag: Gesundheitsökonomische Bewertung präventiver Maßnahmen in der Hämatologie und Onkologie: Pflicht oder Kür? Karin Berger-Thürmel & Sebastian Theurich).
Hautgesundheit und verlässliche Finanzierung
Für die Hautgesundheit ergibt sich daraus eine übergreifende Frage: Wie lassen sich evidenzbasierte Präventionsangebote zugänglich, qualitätsgesichert und langfristig tragfähig gestalten? Hier lässt sich auch die Diskussion über die dauerhafte Vergütung des präventiven Hautkrebsscreenings in Deutschland einordnen. Die aktuelle Veröffentlichung könnte dafür einen allgemeinen Bezugsrahmen zur Bedeutung von Evidenz und gesundheitsökonomischer Bewertung liefern, ohne selbst eine konkrete Position zur Vergütung des Hautkrebsscreenings anzuführen. Die Lektüre lohnt sich insbesondere, um die Weiterentwicklung der Hautkrebsfrüherkennung in einen breiteren medizinischen und gesundheitspolitischen Zusammenhang einzuordnen.
Frei zugänglicher Band: https://www.dgho.de/publikationen/schriftenreihen/praevention
(sma)
Literatur
- Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO): Editorial. In: „Krebs: Neue Wege der Prävention, Früherkennung und frühen systemischen Therapie“. Gesundheitspolitische Schriftenreihe, Band 23. Herausgegeben von Claudia Baldus, Lars Bullinger, Martin Bentz und Oliver Waidmann. Berlin, September 2026, S. 5–7. ISBN 978-3-9821204-7-8.dgho_gpsr_band23_06-2026_web.pdf





