Das Enzym ACC1 unterstützt offenbar die Funktion stoffwechselregulierender Immunzellen im Fettgewebe. Eine Bonner Mausstudie beschreibt einen möglichen Mechanismus adipositasbedingter Entzündungen – unmittelbare Therapieempfehlungen ergeben sich daraus nicht.
Adipositas und Typ-2-Diabetes sind eng miteinander verbunden. Neben der Energiespeicherung ist auch die entzündliche Aktivität des Fettgewebes für das Verständnis dieser Verbindung bedeutsam. Forschende des Universitätsklinikums Bonn und der Universität Bonn untersuchten nun, wie ein Überangebot an Fettsäuren den Stoffwechsel bestimmter Immunzellen beeinträchtigt. Für Behandelnde sind die Ergebnisse vor allem als mechanistischer Forschungsbefund einzuordnen, nicht als Grundlage für eine Anpassung der Behandlung.
ILC2-Zellen unterstützen die Immunbalance
Im Fettgewebe tragen angeborene lymphoide Zellen der Gruppe 2, kurz ILC2, zu einem entzündungshemmenden Milieu bei. Bei Adipositas sind ihre Zahl und Funktion beeinträchtigt. Damit kann ein Bestandteil der lokalen Immunregulation verloren gehen, der den Stoffwechsel des Gewebes unterstützt.
Die Bonner Arbeitsgruppe identifizierte in Untersuchungen an Mäusen die Acetyl-CoA-Carboxylase 1 (ACC1) als wichtigen Regulator für den Erhalt und die Funktion dieser Zellen. Das Enzym ist an der körpereigenen Fettsäuresynthese beteiligt. Seine Bedeutung für ILC2 reicht den berichteten Befunden zufolge jedoch über die Bereitstellung von Lipiden hinaus.
Fettsäureüberschuss beeinträchtigt den Zellstoffwechsel
Bei durch fettreiche Ernährung ausgelöster Adipositas nahmen die ILC2-Zellen vermehrt Fettsäuren aus ihrer Umgebung auf. Zugleich wurde ACC1 in diesen Zellen unterdrückt. Was zunächst als Anpassung an ein hohes Lipidangebot erscheint, beeinträchtigte nach Darstellung der Forschenden den Erhalt und die Funktion der Immunzellen.
Als Erklärung beschreibt das Team eine Rolle von ACC1 bei der Aufrechterhaltung des Citrat-Shuttles über die innere Mitochondrienmembran. Eine Störung dieses Prozesses wurde mit beeinträchtigter mitochondrialer Energiegewinnung in Verbindung gebracht. In den berichteten Mausversuchen gingen die Veränderungen mit einer Vergrößerung und Entzündung des Fettgewebes sowie einer erhöhten Anfälligkeit für die Entwicklung von Diabetes einher. Damit ergibt sich ein möglicher sich selbst verstärkender Zusammenhang zwischen Fettsäureüberschuss, gestörtem Immunzellstoffwechsel und Metaflammation.
Bedeutung für die Diabetespraxis: Forschungsimpuls statt Therapieänderung
Die Ergebnisse legen nahe, bei der Entwicklung stoffwechselgerichteter Therapien auch deren Auswirkungen auf Immunzellen zu berücksichtigen. Eine Hemmung der Fettsäuresynthese könnte je nach Zelltyp unterschiedliche und möglicherweise unerwünschte Folgen haben.
Für Menschen mit Diabetes ist damit jedoch weder ein klinischer Nutzen einer gezielten ACC1-Aktivierung noch ein Schaden durch bestimmte etablierte Diabetes- oder Adipositastherapien belegt. Insbesondere lassen sich aus der Pressemitteilung keine substanzspezifischen Sicherheitswarnungen ableiten. Für eine klinische Übertragung wären zunächst Untersuchungen am Menschen und eine Bewertung patientenrelevanter Endpunkte erforderlich.
Praxisfazit: Der Befund erweitert das Verständnis der Immun-Stoffwechsel-Interaktion bei Adipositas. Eine Änderung bestehender Behandlungsentscheidungen lässt sich daraus nicht begründen.
Quellen:
Pressemitteilung des Universitätsklinikums Bonn vom 23.09.2026: Adipositas: Immunzellen im Fettgewebe brauchen das Enzym ACC1, um die Stoffwechselgesundheit zu erhalten
Literatur:
Karagiannis F, Theodorou MR et al.: Adipose ILC2 depend on acetyl-CoA carboxylase 1 to maintain metabolic health. Cell Metabolism, 2026. Paper.





