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ASCO 2026: Einblick in die gynäkologische Onkologie

Chicago Skyline im Abendlicht als Symbolbild für ASCO 2026.

Quelle: © Tierney – stock.adobe.com

ASCO 2026: Einblick in die gynäkologische Onkologie

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mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: gyne

Beim ASCO 2026 in Chicago wurden innovative Therapieansätze in der gynäkologischen Onkologie vorgestellt. Der Östrogenrezeptor-Degrader Giredestrant zeigte beim frühen HR+/HER2- Mammakarzinom eine signifikante Reduktion des Rezidivrisikos um 30 Prozent. Der Anti-CTLA-4-Antikörper Gotistobart erwies sich in Kombination mit Pembrolizumab als vielversprechende Option beim platinresistenten Ovarialkarzinom. Zudem belegt eine Studie die positiven Effekte von Yoga auf Fatigue und Angst bei Krebsüberlebenden.

Innovationsschub in der molekularen Krebsforschung

Die molekulare Krebsforschung hat einen nie dagewesenen Innovationsschub ausgelöst. Davon konnte man sich beim Jahreskongress der „American Society of Clinical Oncology” (ASCO) überzeugen, der vom 29. Mai bis 2. Juni 2026 in Chicago stattgefunden hat. Innovative molekular-basierte Wirkstoffe erweitern die Behandlungsoptionen unter anderem bei Brustkrebs und beim Ovarialkarzinom. Viele der beim ASCO präsentierten Daten verändern auf kurz oder lang erfahrungsgemäß die Standards der Krebsmedizin.

Giredestrant beim frühen HR+/HER2- Mammakarzinom

Der orale selektive Östrogenrezeptor-Degrader (SERD) Giredestrant hat dieses Potenzial. Der innovative Wirkansatz wird als potenzieller neuer Behandlungsstandard für frühe und fortgeschrittene hormonabhängige Brustkrebserkrankungen diskutiert.

In Chicago wurden die Ergebnisse der randomisierten, offenen Phase-3-Studie lidERA vorgestellt. In dieser Studie, an der mehr als 4.000 Patientinnen mit frühem HR+/HER2- Brustkrebs teilnahmen, wurde Giredestrant (30 mg täglich oral) im adjuvanten Setting verglichen mit einer herkömmlichen endokrinen Therapie (Tamoxifen oder Aromatase-Inhibitor). Der HR+/HER2- Subtyp macht rund 70 Prozent aller Brustkrebsfälle aus und wird meist in frühen Stadien diagnostiziert.

Signifikante Verlängerung des krankheitsfreien Überlebens

Bereits Ende 2025 waren 3-Jahres-Daten aus der – auf 5 Jahre ausgelegten – Studie lidERA publiziert worden: Das invasive krankheitsfreie Überleben (iDFS) war nach 3 Jahren unter Giredestrant signifikant verlängert. Das Risiko für Rezidiv und Tod war gegenüber der endokrinen Standardtherapie um 30 Prozent reduziert.

Benefit prä- und postmenopausal

Beim ASCO 2026 wurden nun weitere Daten aus der lidERA-Studie präsentiert, die eine konsistente Wirksamkeit und Sicherheit in der Prä- und Postmenopause dokumentieren. 40,7 Prozent der Patientinnen befanden sich in der Prämenopause, 59,3 Prozent in der Postmenopause. Prämenopausal war das Rezidivrisiko etwas höher (high risk 70,5 Prozent versus 66,4 Prozent, (neo)adjuvante Chemotherapie 91,2 Prozent versus 78,9 Prozent). Nach 3 Jahren betrugen die iDFS-Raten mit Giredestrant im Vergleich zur Standardtherapie 94,0 Prozent versus 91,5 Prozent prämenopausal und 91,3 Prozent versus 88,3 Prozent postmenopausal.

Vergleichbares Nebenwirkungsprofil, weniger Therapieabbrüche

Die Nebenwirkungsraten waren unter innovativer beziehungsweise herkömmlicher Therapie vergleichbar. Therapieabbrüche wurden unter Giredestrant seltener beobachtet. So beendeten im postmenopausalen Kollektiv 16,7 Prozent der Patientinnen die Tamoxifen-Behandlung vorzeitig, unter Giredestrant erfolgten Abbrüche dagegen nur in 5,7 Prozent der Fälle.

Die FDA hat den Zulassungsantrag für den Östrogenrezeptor-Degrader Giredestrant beim frühen HR+/HER2- Brustkrebs auf Basis der lidERA-Daten zur vorrangigen Prüfung angenommen.

Gotistobart beim platinresistenten Ovarialkarzinom

Ein weiterer innovativer Wirkansatz, der beim ASCO auf großes Interesse stieß, ist der Anti-CTLA-4 Antikörper Gotistobart. Er zielt auf die selektive Eliminierung regulatorischer T-Zellen im Tumormikromilieu ab. In der Phase-3-Studie PRESERVE-003 reduzierte Gotistobart beim metastasierten Plattenepithelkarzinom der Lunge das Sterberisiko um mehr als die Hälfte im Vergleich zur Standard-Chemotherapie, woraufhin die FDA dem Wirkstoff den Orphan-Drug-Status erteilte.

Phase-2-Studie PRESERVE-004 bei stark vorbehandelten Patientinnen

Auch beim Ovarialkarzinom wurde Gotistobart geprüft. In der beim ASCO 2026 präsentierten Phase-2-Studie PRESERVE-004 wurde der Anti-CTLA-4 Antikörper in Kombination mit Pembrolizumab bei stark vorbehandelten Patientinnen mit platinresistentem Ovarialkarzinom (PROC) eingesetzt. Zum Zeitpunkt der Auswertung waren die Daten von 62 PROC-Patientinnen verfügbar, die mit Gotistobart – 1 beziehungsweise 2 mg/kg – plus Pembrolizumab in fixer Dosierung behandelt wurden. Der Follow-up-Zeitraum betrug im Mittel 22,3 Monate.

Vielversprechend, aber mit einem Fragezeichen

Die Ergebnisse: Die objektive Responserate (ORR) betrug 21,2 Prozent bei einer Gotistobart-Dosierung von 1 mg/kg beziehungsweise 20,7 Prozent mit der höheren Dosierung. Die mediane Dauer des Ansprechens (DoR) lag bei 10,8 beziehungsweise 11,6 Monaten. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 2,2 beziehungsweise 2,5 Monate.

Für Irritation sorgt das mediane Gesamtüberleben (OS): Mit der niedrigen Gotistobart-Dosierung überlebten mehr Patientinnen als mit der höheren Dosierung (18,9 versus 8,3 Monate). Die OS-Raten nach 18 Monaten betrugen 54,3 Prozent beziehungsweise 26,9 Prozent. Eine Erklärung für dieses Dosisparadoxon gibt es bislang nicht.

Chemotherapiefreie Option mit Nebenwirkungen

Trotz dieser – zu klärenden – Ungereimtheit wird die Kombination von Gotistobart und Pembrolizumab als interessante chemotherapiefreie Behandlungsoption für das platinresistente Ovarialkarzinom bewertet, bei dem die Therapiemöglichkeiten aktuell extrem limitiert sind. Mit Nebenwirkungen vom Grad ≥ 3 muss laut den PRESERVE-004-Daten unter der Kombinationstherapie bei beiden Dosierschemata in rund 50 Prozent der Fälle gerechnet werden.

Yoga for Cancer Survivors: Unterstützung für Krebsüberlebende

Angesichts der Fortschritte der Krebsmedizin gibt es immer mehr Patientinnen und Patienten, die eine Krebserkrankung überleben. „Cancer Survivors”, die entweder geheilt sind oder mit langfristig gut kontrollierter Erkrankung leben, rücken als Kollektiv in den Fokus – ein Kollektiv, das Unterstützung benötigt. Viele „Cancer Survivors” leiden unter Belastungsstörungen und Fatigue mit Ängsten, depressiver Verstimmung und Schlafstörungen.

Strukturiertes Yogaprogramm YOCAS im Test

Vor diesem Hintergrund evaluierten Forscherinnen und Forscher des University of Rochester Medical Center, USA, in einer randomisierten, kontrollierten Studie das strukturierte Yogaprogramm YOCAS (Yoga for Cancer Survivors). An der Studie nahmen insgesamt 410 Überlebende einer nicht metastasierten Krebserkrankung teil, die – 2 bis 24 Monate zurückliegend – eine adjuvante Therapie abgeschlossen hatten. Es handelte sich überwiegend um Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren.

Randomisiert erhielten sie entweder eine Standardversorgung, oder sie nahmen – zusätzlich zur Standardversorgung – an einem vierwöchigen strukturierten Yogaprogramm teil mit zwei 75-minütigen angeleiteten Sessions pro Woche. Das sanfte YOCAS-Programm umfasste diverse Yoga-Positionen, Atemübungen und Meditation. Befindlichkeits- und Schlafstörungen wurden zu Beginn und nach Abschluss des Programms mit standardisierten Tests objektiviert.

Angst, Fatigue und Insomnie bessern sich

Das strukturierte angeleitete Yogaprogramm hatte signifikant günstige Effekte: Im Vergleich zur Kontrolle hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Abschluss geringere Scores hinsichtlich Stimmungsstörungen (minus 5,08), Angst (minus 0,72) und Fatigue (minus 1,49). Auf die Schlafstörungen wirkte sich YOCAS ebenfalls günstig aus, was auch schon in einer früheren Studie nachgewiesen worden war. Die günstigen Effekte waren für die Patientinnen und Patienten subjektiv spürbar und verbesserten ihre Lebensqualität. Das Fazit der Forscherinnen und Forscher: „Yoga for Cancer Survivors” ist empfehlenswert.

Ulrike Viegener

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