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Neue Forschung zur Prävention von Beckenbodenbeschwerden

Anatomisches Modell des Beckenbodens mit Muskeln und Beckenknochen zur Veranschaulichung von Praeventionsansaetzen bei Beckenbodenbeschwerden

Quelle: © Maryia - stock.adobe.com

Neue Forschung zur Prävention von Beckenbodenbeschwerden

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Erschienen in: gyne

Rund 30 Prozent der Frauen leiden unter Beckenbodenbeschwerden wie Inkontinenz. Forschende der OTH Regensburg untersuchen mit Hightech-Sensoren, wie der Beckenboden im Alltag belastet wird. Klassische Übungen sind nicht ausreichend wissenschaftlich fundiert. Das Team entwickelt eine App mit KI-gestützten Übungen zur Prävention. Am 12. Juni findet ein interdisziplinäres Symposium statt, das Fachleute und Bürgerinnen gleichermaßen anspricht und das Thema ins öffentliche Bewusstsein rückt.

Hohe Prävalenz und wenig Daten

Rund 30 Prozent der Frauen leiden im Laufe ihres Lebens unter Inkontinenz, häufig infolge einer Fehlfunktion des Beckenbodens. Trotz dieser hohen Zahl ist die wissenschaftliche Datenlage bislang erstaunlich dünn. Forschende an der OTH Regensburg wollen das ändern und rücken das Thema mithilfe von Ganzkörpersensoren und biomechanischen Modellen in den Fokus.

Wenig Evidenz für klassische Übungen

„Bis heute weiß man eigentlich wenig über Beckenbodenbeschwerden. Klassische Übungen helfen zwar in vielen Fällen, sie sind aber nicht ausreichend wissenschaftlich fundiert”

Nikolas Förstl, Promovend im Labor für Biomechanik

Gemeinsam arbeiten Förstl und seiner Kollegin Ina Kasberger im Forschungsprojekt „3PD – Prävention von Beckenbodenbeschwerden” daran, diese Lücke zu schließen.

Biomechanische Analyse mit Hightech-Sensoren

Unter der Leitung von Prof. Dr. Sebastian Dendorfer untersucht das Team, wie der Beckenboden im Alltag tatsächlich belastet wird und wie seine Muskeln auf diese Belastungen reagieren. In einer Studie wurden 26 Probandinnen im Alter von 18 bis 45 Jahren mit Ganzkörpersensoren ausgestattet. In einem kameragestützten Laborumfeld absolvierten sie verschiedene Bewegungsabläufe, von alltäglichen Belastungen bis hin zu sportlichen Übungen (Abb. 1).

© Mareike Barthel
© Mareike Barthel

Die Forschenden analysieren diese Daten mithilfe biomechanischer Modelle und spezieller Software. Ziel ist es, erstmals genau zu verstehen, welche Kräfte im Körper wirken und welche funktionellen Reaktionen darauf folgen. Hohe Belastungen gelten als möglicher Faktor für Inkontinenz oder ein Absinken von Organen. Dies lässt sich jedoch nicht allein durch einen geschwächten Beckenboden erklären, da die Beschwerden auch bei jungen Athletinnen auftreten.

„Wir betrachten den Beckenboden aus biomechanischer Sicht. Unser Fokus liegt dabei klar auf der Prävention. Denn sich erst in der Schwangerschaft oder bei Beschwerden mit dem Thema zu beschäftigen, ist oft zu spät.”

Prof. Dr. Sebastian Dendorfer

App mit KI-gestützten Übungen geplant

Langfristig sollen die Erkenntnisse in ein digitales Trainingstool einfließen: Geplant ist eine App, die mithilfe von Sensoren und Künstlicher Intelligenz individuelle Übungen zur Stärkung, Entspannung und richtigen Atmung vorschlägt. Ein integrierter Chatbot soll im Rahmen der App niedrigschwellig Fragen beantworten können und zur Aufklärung beitragen.

Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit der Westböhmischen Universität Pilsen und wird von der Europäischen Union gefördert. Der Projektabschluss ist bereits für Juni 2026 geplant.

Symposium für Fachpersonen und Bürgerinnen

Mit dem Symposium „Der Beckenboden – Evidenz, Herausforderungen, Perspektiven” am Freitag, 12. Juni, ab 10 Uhr öffnet die OTH Regensburg das Thema bewusst für ein breites Publikum. Eingeladen sind Fachleute aus Medizin, Physiotherapie und Wissenschaft ebenso wie Unternehmen aus dem Gesundheitssektor sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Quelle: Pressemitteilung der Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg vom 21.04.2026: Vergessene Patientinnen: OTH Regensburg bringt Beckenbodenforschung aus der Tabuzone

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