Sprachbarrieren können sich negativ auf die Behandlungsqualität und Patientensicherheit auswirken. Doch der Einsatz von professionellen Medizindolmetschenden scheitert oft an Finanzierung und Verfügbarkeit. Es werden alltagstaugliche Lösungsvorschläge dargestellt und diskutiert.
Zusammenfassung
Sprachliche Vielfalt ist ein fester Bestandteil des medizinischen Alltags in Deutschland. Insbesondere in komplexen Versorgungssituationen bestehen häufig relevante Verständigungsprobleme, die Behandlungsqualität, Patientensicherheit und Gesundheitskompetenz beeinträchtigen können. Missverständnisse, Fehldiagnosen und eine verminderte Therapieadhärenz sind mögliche Folgen. Dolmetschen im medizinischen Kontext ist ein komplexer Prozess, der klaren fachlichen und berufsethischen Prinzipien unterliegt. Diese Standards können verlässlich nur durch professionell ausgebildete (Medizin-)Dolmetscherinnen und Dolmetscher gewährleistet werden. Im Versorgungsalltag dominieren jedoch aus strukturellen und finanziellen Gründen pragmatische Lösungen wie gemeinsame Drittsprachen, Ad-hoc-Dolmetschen oder KI-gestützte Übersetzungsprogramme, die mit qualitativen und ethischen Risiken verbunden sind. Dieser Beitrag stellt die Lösungsansätze für »das Dolmetscherproblem« gegenüber, bewertet ihre Eignung für die Praxis und diskutiert realistische Lösungsoptionen. Langfristiges Ziel bleibt die flächendeckende Bereitstellung qualifizierter Dolmetscherinnen und Dolmetscher; als pragmatischer Zwischenschritt wird ein bundesweiter 24/7-Telefondolmetscherdienst vorgeschlagen.
Autorin und Autor: J. Steinle, M. David
Der kostenpflichtige Originalbeitrag zu diesem Thema wurde veröffentlicht in gynäkologische praxis 2026; 54 (2): 250–257.





