Gynäkologie » Sonstiges

»

Fehlerentstehung und Fehlervermeidung im Kreißsaal

Auf dem Bild ist eine schwangere Frau mit verzerrtem Gesicht zu sehen, die sich im Kreißsaal befindet, ein Mann hält ihre Hand. Zwei Frauen des medizinischen Personals stehen vor der Schwangeren und sehen sich an, anscheinend im Gespräch.

Quelle: © New Africa – stock.adobe.com

Fehlerentstehung und Fehlervermeidung im Kreißsaal

Fachbeitrag

Gynäkologie

Sonstiges

mgb medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: gynäkologische Praxis

Human Factors als Ansatz zur Patientensicherheit

Geburtshilfliche Notfälle erfordern unter hoher zeitlicher Dynamik ein koordiniertes interprofessionelles Handeln, doch Kommunikationsprobleme und unklare Zuständigkeiten können Fehler verursachen. Crew Resource Management adressiert Risikofaktoren in der Kommunikation, Rollenklarheit und Entscheidungsfindung und stärkt so die Patientensicherheit im Kreißsaal.

Zusammenfassung

Geburtshilfliche Notfälle sind insgesamt selten, erfordern jedoch häufig innerhalb kürzester Zeit ein koordiniertes Handeln mehrerer Berufsgruppen im Kreißsaal. Neben der fachlichen Expertise tragen insbesondere Kommunikation, Teamarbeit und Entscheidungsfindung unter Zeitdruck zur Patientensicherheit bei. Analysen mütterlicher Morbidität und haftungsrechtlicher Fälle zeigen, dass ein erheblicher Anteil schwerwiegender Ereignisse durch kognitive Verzerrungen, unklare Verantwortlichkeiten und Kommunikationsprobleme mitverursacht wird und damit grundsätzlich vermeidbar ist. Human Factors und Crew Resource Management (CRM), ursprünglich in der Luftfahrt entwickelt und durch Gaba sowie Rall in die Medizin übertragen, bieten ein strukturiertes Rahmenkonzept, um diese beeinflussbaren Faktoren gezielt anzugehen. Anhand eines typischen Falls aus dem Kreißsaal werden zentrale CRM-Werkzeuge illustriert: das aktive Benennen von Red Flags, strukturierte Kommunikation mit closed-loop, kurze Team-Time-Outs, klare Aufgaben- und Rollenverteilung sowie Speak-up auch über Hierarchiegrenzen hinweg. Aktuelle Studien und Leitlinien aus der Geburtshilfe belegen, dass interprofessionelle Trainings und eine gelebte Sicherheitskultur unerwünschte Ereignisse reduzieren und vor allem diagnostische sowie organisatorische Fehler verringern können. CRM entfaltet seine Wirkung jedoch nur dann nachhaltig, wenn die zugrunde liegenden Prinzipien im klinischen Alltag verankert, von Führungskräften vorgelebt und durch regelmäßige, simulationsbasierte Teamtrainings unter stützt werden.

Autoren: J. Zabke, F. Neuenfeldt, N. Jacobsen, A. Strauss


Der kostenpflichtige Originalbeitrag zu diesem Thema wurde veröffentlicht in gynäkologische praxis 2026; 54 (2): 155–164.

ZUM VOLLSTÄNDIGEN, KOSTENPFLICHTIGEN ARTIKEL

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Blisterpackung mit oralen Kontrazeptiva

Orale Kontrazeptiva beeinflussen Immunantwort nicht

Aktuelles

Schwächen orale Kontrazeptiva den Impfschutz? Eine neue Studie des Universitätsklinikums Würzburg mit über 1.000 Frauen liefert eine wissenschaftlich fundierte Antwort.

Gynäkologie

Kontrazeption

Hormonelle Kontrazeption

Beitrag lesen
© Najib Lines - stock.adobe.com

Leukoplakie der Vulva – Wenn Weißfärbungen ein Warnsignal sind

Fachbeitrag

Weiße Veränderungen an der Vulva sind keine Diagnose: Der Begriff Leukoplakie umfasst unterschiedliche Läsionen – von harmlosen Veränderungen und Lichen sclerosus bis zu Präkanzerosen und invasiven Karzinomen. Der Beitrag erläutert Klassifikation, Diagnostik und Therapie. Wichtig: Die Veränderungen können die Lebensqualität beeinträchtigen, rezidivieren und ein Entartungsrisiko bergen.

Gynäkologie

Gynäkologische Infektiologie

Beitrag lesen
Stilisierter Uterus mit Eierstöcken in einer türkisfarbenen Schleife als Symbol fuer komplexe Diagnostik und Therapie beim Ovarialkarzinom

Komplexe Diagnostik entscheidet über Therapie beim Ovarialkarzinom

Aktuelles

Über 70 verschiedene Gewebeveränderungen können sich in den Eierstöcken bilden. Wie Pathologinnen und Pathologen Ovarialkarzinome präzise klassifizieren und damit die richtige Therapie ermöglichen.

Gynäkologie

Gynäkologische Onkologie

Ovarialkarzinom

Beitrag lesen