Human Factors als Ansatz zur Patientensicherheit
Geburtshilfliche Notfälle erfordern unter hoher zeitlicher Dynamik ein koordiniertes interprofessionelles Handeln, doch Kommunikationsprobleme und unklare Zuständigkeiten können Fehler verursachen. Crew Resource Management adressiert Risikofaktoren in der Kommunikation, Rollenklarheit und Entscheidungsfindung und stärkt so die Patientensicherheit im Kreißsaal.
Zusammenfassung
Geburtshilfliche Notfälle sind insgesamt selten, erfordern jedoch häufig innerhalb kürzester Zeit ein koordiniertes Handeln mehrerer Berufsgruppen im Kreißsaal. Neben der fachlichen Expertise tragen insbesondere Kommunikation, Teamarbeit und Entscheidungsfindung unter Zeitdruck zur Patientensicherheit bei. Analysen mütterlicher Morbidität und haftungsrechtlicher Fälle zeigen, dass ein erheblicher Anteil schwerwiegender Ereignisse durch kognitive Verzerrungen, unklare Verantwortlichkeiten und Kommunikationsprobleme mitverursacht wird und damit grundsätzlich vermeidbar ist. Human Factors und Crew Resource Management (CRM), ursprünglich in der Luftfahrt entwickelt und durch Gaba sowie Rall in die Medizin übertragen, bieten ein strukturiertes Rahmenkonzept, um diese beeinflussbaren Faktoren gezielt anzugehen. Anhand eines typischen Falls aus dem Kreißsaal werden zentrale CRM-Werkzeuge illustriert: das aktive Benennen von Red Flags, strukturierte Kommunikation mit closed-loop, kurze Team-Time-Outs, klare Aufgaben- und Rollenverteilung sowie Speak-up auch über Hierarchiegrenzen hinweg. Aktuelle Studien und Leitlinien aus der Geburtshilfe belegen, dass interprofessionelle Trainings und eine gelebte Sicherheitskultur unerwünschte Ereignisse reduzieren und vor allem diagnostische sowie organisatorische Fehler verringern können. CRM entfaltet seine Wirkung jedoch nur dann nachhaltig, wenn die zugrunde liegenden Prinzipien im klinischen Alltag verankert, von Führungskräften vorgelebt und durch regelmäßige, simulationsbasierte Teamtrainings unter stützt werden.
Autoren: J. Zabke, F. Neuenfeldt, N. Jacobsen, A. Strauss
Der kostenpflichtige Originalbeitrag zu diesem Thema wurde veröffentlicht in gynäkologische praxis 2026; 54 (2): 155–164.





