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Kostendruck und Fachkräftemangel in der Geburtshilfe

Neugeborenes mit Markierungsbaendchen, gehalten von einer Hand, als Symbol fuer Kostendruck und Fachkraeftemangel in der Geburtshilfe

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Kostendruck und Fachkräftemangel in der Geburtshilfe

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: gyne

Das Kompendium Geburtshilfe des Deutschen Krankenhausinstituts zeigt: Die Geburtshilfe steht unter Druck. Drei Viertel der Krankenhäuser rechnen für 2025 mit Kosten, die die Erlöse übersteigen. Zwischen 2000 und 2024 sank der Anteil der Kliniken mit Entbindungen von 52,3 auf 39,1 Prozent. Die Versorgung wird aufwändiger, der Fachkräftemangel verschärft sich. 53 Prozent der Geburtshilfen können offene Stellen beim Pflegefachpersonal nicht besetzen. 92 Prozent der Krankenhäuser planen, ihre Geburtshilfe in drei Jahren weiterzuführen.

Konzentration, Kostendruck und Fachkräftemangel prägen die Geburtshilfe

Das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) hat mit Förderung der Deutschen Krankenhausgesellschaft e. V. im Kompendium Geburtshilfe die aktuellen Entwicklungen der geburtshilflichen Fachabteilungen untersucht. Dazu wurden Sekundärdaten aus dem Zeitraum 2000 bis 2024 ausgewertet sowie eine repräsentative Primärerhebung bei Krankenhäusern mit geburtshilflichen und neonatologischen Fachabteilungen durchgeführt. An der Befragung beteiligten sich bundesweit 218 Krankenhäuser. Die teilnehmenden Krankenhäuser ordnen sich vor allem den Versorgungsstufen 1 und 4 gemäß der Qualitätssicherungs-Richtlinie Früh- und Reifgeborene zu. Entsprechend handelt es sich bei den befragten Häusern vor allem um Perinatalzentren Level 1 (31 Prozent) und Geburtskliniken beziehungsweise Geburtshilfe-Stationen (37 Prozent).

Konzentration der Geburten auf größere Krankenhäuser

Im Jahr 2000 fanden noch in mehr als der Hälfte der Krankenhäuser (52,3 Prozent) Geburten statt. Bis zum Jahr 2023 reduzierte sich der Anteil der Kliniken mit Entbindungen auf 39,1 Prozent. Eine Folge davon ist, dass die durchschnittliche Anzahl von Entbindungen je Krankenhaus im Zeitraum von 2000 bis 2024 von 712 auf 1.133 gestiegen ist (Mittelwert). Das entspricht einer Steigerung um fast 60 Prozent. Es erfolgte in diesem Zeitraum also eine Konzentration der Geburten auf größere Krankenhäuser.

Wirtschaftliche Lage verschlechtert sich weiter

Aus der Befragung der Krankenhäuser geht hervor, dass drei Viertel der Krankenhäuser für das Jahr 2025 von Kosten ausgehen, die die Erlöse der geburtshilflichen Fachabteilungen übersteigen. Dies setzt den seit Erfassung der wirtschaftlichen Lage der Geburtshilfe im Jahr 2013 beobachteten negativen Trend fort. Besonders betroffen sind kleinere Häuser: Bei 79 Prozent der Krankenhäuser mit unter 300 Betten übersteigen die Kosten die Erlöse. Bei größeren Häusern ab 600 Betten liegt dieser Anteil bei 56 Prozent.

Versorgung wird aufwändiger

Nahezu alle Krankenhäuser haben in den letzten Jahren verschiedene Veränderungen bei den Patientinnen wahrgenommen. Mehr als die Hälfte der Kliniken gaben an, dass die Mütter älter geworden sind (76 Prozent), sie einen hohen Body-Mass-Index (70 Prozent) und mehr psychosozialen Unterstützungsbedarf haben (59 Prozent). Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Versorgung der werdenden Mütter in den letzten Jahren für die Krankenhäuser aufwändiger geworden ist.

Hebammenkreißsäle etabliert sich zunehmend

Eine relativ neue Entwicklung stellt die Einrichtung von hebammengeführten Kreißsälen dar. Knapp die Hälfte der befragten Häuser hatte zum Befragungszeitpunkt bereits einen Hebammenkreißsaal eingerichtet (33 Prozent) oder plante dies (11 Prozent).

Fachkräftemangel verschärft sich

Auch in der Geburtshilfe besteht ein erheblicher Fachkräftemangel. 41 Prozent der geburtshilflichen Abteilungen hatten bis zum 31. Dezember 2024 Probleme, offene Stellen für Ärztinnen und Ärzte mit begonnener oder abgeschlossener Weiterbildung im Gebiet der Frauenheilkunde und Geburtshilfe zu besetzen. Im Mittel blieb eine Vollkraftstelle unbesetzt, was 4,5 Prozent der gesamten ärztlichen Stellen in dieser Fachabteilung entspricht. Die Stellenbesetzungsprobleme beim Pflegefachpersonal waren noch größer: Über die Hälfte (53 Prozent) der Geburtshilfen konnten zum Stichtag offene Stellen nicht besetzen. Im Mittel waren zwei Vollkraftstellen unbesetzt, was 6,9 Prozent aller Pflegefachpersonen in dieser Abteilung entspricht. Seit 2014 zeigt sich eine kontinuierliche Zunahme von Stellenbesetzungsproblemen. Auch bei den fest angestellten Hebammen besteht das Problem: In 31 Prozent der geburtshilflichen Abteilungen fehlen im Mittel zwei Vollkraftstellen oder 5,9 Prozent aller Hebammenstellen. Um die Stellenbesetzungsprobleme kurzfristig zu beseitigen, werden Honorar- oder Zeitarbeitskräfte eingesetzt. In mehr als einem Drittel der Geburtshilfen werden Ärztinnen und Ärzte in oder mit abgeschlossener Weiterbildung im Gebiet der Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf diese Weise beschäftigt.

Zukunftsaussichten und größte Herausforderungen

Gefragt danach, ob ihr Krankenhaus in drei Jahren noch über eine Geburtshilfeabteilung verfügen werde, bejahten 92 Prozent der Krankenhäuser dies. Das größte Problemfeld ist die wirtschaftliche Lage der geburtshilflichen Fachabteilungen. Das gaben über 90 Prozent der Krankenhäuser an. Dazu zählt auch, dass das Haftungsrisiko zu groß geworden ist. Ein Schadensfall bei einer Geburt löst deutliche Schadensersatzforderungen aus. Sofern sich eine Versicherung bereit erklärt, das Risiko zu versichern, sind die Prämien sehr hoch. Das zweitgrößte Problemfeld stellt die geringe Zahl von Geburten dar. Diese reichen in vielen Fällen nicht aus, um eine Abteilung wirtschaftlich betreiben zu können. Das dritte Problemfeld stellt der Fachkräftemangel dar.

Quelle: Steffen P, Offermanns M. Kompendium Geburtshilfe . Deutsches Krankenhaus Institut 2026

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