Eine bundesweite Befragung von 2.818 Soldatinnen zeigt: Hormonelle Verhütung ist mit 38,1 Prozent verbreitet, meist über die kombinierte Pille. Systemische Langzeitmethoden wie Implantat oder Dreimonatsspritze bleiben mit unter einem Prozent die Ausnahme – deutlich seltener als bei britischen und US-Streitkräften. Jüngere Frauen verhüten häufiger hormonell als ältere. Dienstliche Anforderungen beeinflussen die Methodenwahl laut Studie nur bei einem Drittel der Anwenderinnen.
Hormonelle Verhütung bei Soldatinnen selten langfristig
Nur wenige Soldatinnen der Bundeswehr setzen auf Implantat oder Dreimonatsspritze. Das ergab eine bundesweite Onlinebefragung von 2.818 Soldatinnen, veröffentlicht in Frontiers in Endocrinology. Das Team um Jennifer Schlie von der Universität der Bundeswehr München untersuchte systematisch, wie deutsche Soldatinnen verhüten und welche Gründe ihre Wahl prägen.
Kombinierte Pille bleibt Standard bei hormoneller Verhütung
Am häufigsten nutzen Soldatinnen die kombinierte Pille (18,5 Prozent), gefolgt von der hormonellen Spirale (8,9 Prozent) und der Gestagenpille (8,4 Prozent). Implantat und Depot-Medroxyprogesteronacetat-(DMPA-)Injektion spielen mit je 0,4 Prozent kaum eine Rolle. Drei Viertel der Anwenderinnen nutzen ihre Methode länger als zwei Jahre.
Im internationalen Vergleich fällt die zurückhaltende Nutzung hormoneller Verhütung bei den deutschen Soldatinnen auf. Britische Streitkräfte melden 58 Prozent, US-Streitkräfte 45,8 Prozent. Auch bei Langzeitmethoden liegt Deutschland zurück: 9,7 Prozent LARC-Nutzung stehen 13 Prozent in Großbritannien und 22,4 Prozent in den USA gegenüber.
Alter beeinflusst hormonelle Verhütung bei Soldatinnen deutlich
Jüngere Soldatinnen greifen häufiger zu Hormonen: In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen sind es 48 Prozent, ab 40 Jahren nur noch 26 Prozent. Acht Prozent der älteren Gruppe nehmen weiterhin die kombinierte Pille, obwohl Leitlinien für diese Altersgruppe zur Vorsicht raten. Rauchen oder Herz-Kreislauf-Risiken erfasste die Studie nicht.
Der Schutz vor Schwangerschaft ist mit 83 Prozent das wichtigste Motiv. Viele Frauen berichten zusätzlich von weniger Menstruationsschmerzen (48 Prozent) oder schwächeren Blutungen (41 Prozent) als wichtige Faktoren. Eine leistungsbezogene Zyklussteuerung nennen nur 13 Prozent.
Einsatz verändert Wahl der Verhütungsmethode kaum
Ein Drittel der Anwenderinnen (32,3 Prozent) sieht einen Einfluss der militärischen Tätigkeit auf die Methodenwahl, fast zwei Drittel verneinen das. Während eines Einsatzes nutzten 29 Prozent gezielt Hormone, um die Blutung zu unterdrücken oder zu verschieben – meist mit kurz wirksamen Präparaten wie der kombinierten Pille (39 Prozent) oder der Gestagenpille (19 Prozent).
Die Autorinnen sehen mögliche Lücken bei der militärspezifischen Beratung, etwa zu altersangepassten Strategien. Künftige Studien sollen zudem klären, wie sich verschiedene Methoden der hormonellen Verhütung bei Soldatinnen auf Knochengesundheit, Verletzungsrisiko und Einsatzbereitschaft auswirken.
Methodische Grenzen
Die Aussagekraft der Studie ist begrenzt: Die Rücklaufquote der freiwilligen Onlinebefragung lag bei nur 11,2 Prozent, sodass Verzerrungen durch Selbstselektion möglich sind. Individuelle Risikofaktoren wie Rauchen oder kardiovaskuläres Profil sowie Knochengesundheit, Verletzungen und Einsatzbereitschaft wurden nicht erhoben. Auch eine direkte Haltung der Soldatinnen zu hormoneller Verhütung erfasste die Befragung nicht.
Quelle: Schlie J, Schinköthe T, Schmidt A. Prevalence, patterns and motives for hormonal contraceptive use among German servicewomen: results from a nationwide survey. Front Endocrinol (Lausanne) 2026; 17: 1844924





