Eine chronische Nierenerkrankung kann in der Schwangerschaft das Risiko für Schwangerschaftshypertonie, Präeklampsie und Gestationsdiabetes erhöhen, da die Nieren mehr Blut filtern und zugleich Salz und Wasser zurückhalten. Prof. Dr. Sylvia Stracke rät zu nephrologischer und gynäkologischer Beratung vor der Schwangerschaft, engmaschigen Kontrollen während der Schwangerschaft und regelmäßiger Nachsorge nach der Geburt, da das Risiko für Herz-Kreislauf- und Nierenschäden bestehen bleibt.
Chronische Nierenerkrankung: Schwangere benötigen intensive Beratung und Betreuung
In der Schwangerschaft filtern die Nieren mehr Blut, während gleichzeitig Salz und Wasser zurückgehalten werden, um die Versorgung von Plazenta und Kind sicherzustellen. Bei Frauen mit chronischer Nierenerkrankung kann diese physiologische Mehrleistung das Risiko für Schwangerschaftshypertonie, Präeklampsie und Gestationsdiabetes erhöhen. Im Rahmen einer Pressekonferenz zur 18. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie ging Prof. Dr. Sylvia Stracke auf die Risiken und Herausforderungen ein.
Optimaler Start in die Schwangerschaft bei Nierenerkrankung
„Frauen mit vorbestehender Nierenerkrankung sollten bereits vor einer geplanten Schwangerschaft nephrologisch und gynäkologisch beraten werden.
Sylvia Stracke, Bereichsleitung Nephrologie und Hypertensiologie an der Universitätsmedizin Greifswald
Entscheidend seien eine möglichst gute Nierenfunktion, ein gut eingestellter Blutdruck und eine geringe Eiweißausscheidung im Urin. Auch die Medikation müsse überprüft und gegebenenfalls rechtzeitig angepasst werden. „Medikamente sollten keinesfalls eigenständig abgesetzt werden, da dies Mutter und Kind gefährden kann“, machte die Expertin deutlich.
Engmaschige Kontrollen
Während der Schwangerschaft seien engmaschige Kontrollen wichtig. Insbesondere Blutdruck, Serumkreatinin und Eiweißausscheidung im Urin helfen, eine drohende Präeklampsie zu erkennen. „Dabei ist zu beachten, dass die üblichen Formeln zur Schätzung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) in der Schwangerschaft nicht validiert sind. Das Serumkreatinin muss daher im schwangerschaftsspezifischen Kontext beurteilt werden“, so Stracke.
Nach der Geburt bleibt das Risiko bestehen
Auch wenn sich Präeklampsie, HELLP-Syndrom oder Gestationsdiabetes nach der Entbindung häufig zurückbilden, ist die gesundheitliche Bedeutung damit nicht zwangsläufig beendet. Insbesondere hypertensive Schwangerschaftserkrankungen können auf eine Schädigung des Gefäßsystems hinweisen und das spätere Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenschäden erhöhen. „Eine vollständige Erholung der Nierenfunktion ist möglich, aber nicht garantiert“, so Stracke.
Die Nachsorge gehört demnach zum langfristigen Gesundheitskonzept. Blutdruck und Nierenfunktion sollten in den ersten sechs Wochen nach der Geburt, erneut nach sechs und zwölf Monaten und anschließend jährlich kontrolliert werden. Neben dem Serumkreatinin sei die Eiweißausscheidung im Urin relevant. Die Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) im Spontanurin ermögliche eine praktikable Einschätzung.
Sonja Buske
Quelle: Online-Pressekonferenz zur 18. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN), 8. bis 11. Oktober 2026, Leipzig





