Gynäkologie » Sonstiges

»

Nobelpreis für Entdeckung regulatorischer T-Zellen

Nobelpreis für Entdeckung regulatorischer T-Zellen

Nobelpreis für Entdeckung regulatorischer T-Zellen

News

Gynäkologie

Sonstiges

4 MIN

Erschienen in: gyne

Regulatorische T-Zellen verhindern, dass das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Mary E. Brunkow, Fred Ramsdell und Shimon Sakaguchi erhalten dafür den Nobelpreis 2025. Ihre Entdeckungen zur peripheren Immuntoleranz haben große Bedeutung für Autoimmunerkrankungen, die sich in der Schwangerschaft verändern können. Zudem ermöglichen sie neue Krebstherapien. Checkpoint-Inhibitoren und Treg-gerichtete Ansätze befinden sich in klinischen Prüfungen und bieten neue Behandlungsoptionen in der Onkologie.

Verleihung an Forschende aus Japan und den USA

Mary E. Brunkow vom Institute for Systems Biology in Seattle, Fred Ramsdell von Sonoma Biotherapeutics in San Francisco und Shimon Sakaguchi von der Osaka University erhalten den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2025. Die Nobel-Versammlung am Karolinska Institute würdigt ihre bahnbrechenden Entdeckungen zur peripheren Immuntoleranz.

Regulatorische T-Zellen kontrollieren das Immunsystem

Das Immunsystem schützt den Körper täglich vor Tausenden verschiedener Mikroben. Gleichzeitig muss es verhindern, dass es körpereigene Strukturen angreift. Die drei Forschenden identifizierten die regulatorischen T-Zellen (Tregs), die verhindern, dass das Immunzellen sich gegen den eigenen Organismus richtet.

© The Nobel Committee for Physiology or Medicine. Ill. Mattias Karlén
Abb. 1 © The Nobel Committee for Physiology or Medicine. Ill. Mattias Karlén

Shimon Sakaguchi machte diesbezüglich 1995 die erste essenzielle Entdeckung. Damals waren viele Forschende überzeugt, dass Immuntoleranz ausschließlich durch die sogenannte “zentrale Toleranz” (Abb. 1) im Thymus entsteht. Sakaguchi bewies, dass das Immunsystem komplexer funktioniert. Er entdeckte eine bis dahin unbekannte Klasse von Immunzellen, die den Körper vor Autoimmunerkrankungen schützen.

Shimon Sakaguchi machte diesbezüglich 1995 die erste essenzielle Entdeckung. Damals waren viele Forschende überzeugt, dass Immuntoleranz ausschließlich durch die sogenannte “zentrale Toleranz” (Abb. 1) im Thymus entsteht. Sakaguchi bewies, dass das Immunsystem komplexer funktioniert. Er entdeckte eine bis dahin unbekannte Klasse von Immunzellen, die den Körper vor Autoimmunerkrankungen schützen.

Mary Brunkow und Fred Ramsdell lieferten 2001 die zweite relevante Entdeckung zum Thema. Sie konnten anhand ihrer Forschung erklären, warum ein bestimmter Mausstamm besonders anfällig für Autoimmunerkrankungen ist. Die Forschenden entdeckten eine Mutation im Foxp3-Gen. Mutationen im menschlichen Äquivalent dieses Gens verursachen die schwere Autoimmunerkrankung IPEX.

Bereits zwei Jahre später verknüpfte Sakaguchi beide Entdeckungen erfolgreich miteinander. Er bewies, dass das Foxp3-Gen die Entwicklung der 1995 identifizierten Zellen steuert. Die regulatorischen Tregs “überwachen” andere Immunzellen und sorgen dafür, dass das Immunsystem körpereigenes Gewebe toleriert (Abb. 2).

© The Nobel Committee for Physiology or Medicine. Ill. Mattias Karlén
Abb. 2© The Nobel Committee for Physiology or Medicine. Ill. Mattias Karlén

Bedeutung für Autoimmunerkrankungen und Schwangerschaft

Die mit dem Nobelpreis gewürdigte Forschung legte den Grundstein für das Verständnis der sog. peripheren Toleranz.

Dies hat beispielsweise große Relevanz für Autoimmunerkrankungen, die Frauen bekanntlich häufiger betreffen als Männer. Interessanterweise bessern sich manche Autoimmunerkrankungen während der Schwangerschaft, während andere sich verschlechtern. Regulatorische T-Zellen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie die mütterliche Immuntoleranz gegenüber dem Fötus ermöglichen.

Neue Therapieansätze in der Onkologie

Viele Treg-gerichtete Krebsansätze befinden sich in klinischen Prüfungen oder präklinischen Stadien. Bereits etabliert sind Checkpoint-Inhibitoren sowie ausgewählte Antikörper, die Tregs beeinflussen und häufig in Kombinationen eingesetzt werden.

Checkpoint-Inhibitoren und regulatorische T-Zellen

Checkpoint-Inhibitoren blockieren immunsuppressive Kontrollpunkte wie PD-1/PD-L1 oder CTLA-4. Tumorzellen nutzen diese Mechanismen zur Immunevasion und hemmen tumorinfiltrierende T-Zellen. Anti-PD-1/PD-L1- und Anti-CTLA-4-Antikörper reaktivieren die antitumorale T-Zell-Antwort.

In der gynäkologischen Onkologie zeigen Checkpoint-Inhibitoren bei mehreren Entitäten klinische Relevanz. So beispielsweise beim Endometriumkarzinom und beim rezidivierten oder platinresistenten Ovarialkarzinom.

Immunassoziierte Nebenwirkungen wie Kolitis, Hepatitis oder Endokrinopathien erfordern im Rahmen der Therapie ein interdisziplinäres Management.

KI-gestützt, redaktionell bearbeitet nh

Quelle: Pressemitteilung der Nobel Prize Organisation vom 06.10.2025: They discovered how the immune system is kept in check.

Bilderquelle: © The Nobel Committee for Physiology or Medicine. Ill. Mattias Karlén

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Symbolbild Fallbeispiel

Ich habe Krebs, oder?

Fachartikel

Eine 60-jährige Patientin mit zystisch-solider Raumforderung im Endometrium stellte sich mit großer Sorge vor einer möglichen Krebsdiagnose vor. Die Hysteroskopie sollte Klarheit über den Endometriumpolyp bringen.

Gynäkologie

Benigne Uteruserkrankungen

Polypen

Beitrag lesen
Illustration mit den Buchstaben P M O S und stilisiertem Uterus als Symbol fuer das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom PMOS statt PCOS

Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom: PMOS statt PCOS

News

Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom ersetzt PCOS: 14 Jahre globale Forschung führen zu neuem Namen für Erkrankung, die 170 Millionen Frauen betrifft – für bessere Diagnose und Versorgung.

Gynäkologie

Gynäkologische Endokrinologie

Beitrag lesen
Anatomisches Modell von weiblichem Becken und Beckenbodenmuskulatur als Symbol fuer die Ueberarbeitung der S3 Leitlinie zum Descensus genitalis

Überarbeitung der S3-Leitlinie zum Descensus genitalis

News

Descensus genitalis betrifft viele Frauen und die Therapieoptionen sind vielfältig. Die aktualisierte S3-Leitlinie gibt zudem erstmals Empfehlungen zur Prävention und zur Therapie bei noch nicht abgeschlossener Familienplanung.

Gynäkologie

Urogynäkologie

Beitrag lesen