Die pathologische Diagnostik von Ovarialkarzinomen ist hochkomplex: Über 70 verschiedene Gewebeveränderungen können in den Eierstöcken auftreten. Die WHO-Klassifikation definiert fünf Hauptgruppen. Die Diagnostik kombiniert Mikroskopie, immunhistochemische Marker und molekulare Untersuchungen. Neue Erkenntnisse zeigen: Viele aggressive Ovarialkarzinome entstehen im Eileiter, nicht im Eierstock. Diese Erkenntnis ermöglicht präventive Maßnahmen durch frühzeitige Eileiterentfernung nach abgeschlossener Familienplanung.
Komplexe Tumorklassifikation
Die pathologische Diagnostik von Ovarialkarzinomen gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der gynäkologischen Pathologie. Über 70 verschiedene Gewebeveränderungen können sich in den Eierstöcken bilden, mehrere Dutzend davon sind bösartig. Prof. Dr. Annette Staebler, Oberärztin mit Bereichsleitung Gynäkologische Pathologie und Mammapathologie am Universitätsklinikum Tübingen, erläuterte die diagnostischen Herausforderungen und wissenschaftlichen Fortschritte.
Fünf Hauptgruppen von Ovarialkarzinomen
Die aktuelle WHO-Klassifikation definiert fünf pathogenetisch unabhängige, histologisch und molekular unterschiedliche Gruppen von Ovarialkarzinomen. Dazu zählen high-grade seröse, low-grade seröse, endometrioide, klarzellige und muzinöse Karzinome. Jeder Typ lässt sich in verschiedene biologische Abstufungen einteilen: gutartige, Borderline-Varianten und eindeutig bösartige Formen. Zusätzlich existieren weitere Tumorgruppen wie Keimzelltumoren oder Keimstrang-Stromatumoren mit zahlreichen Unterformen.
Diagnostik kombiniert Mikroskopie und Molekularbiologie
Die pathologische Diagnostik beginnt am Mikroskop. Anhand der Gewebestruktur und Zellmorphologie entwickeln Pathologinnen und Pathologen eine Verdachtsdiagnose. Immunhistochemische Marker wie WT1 oder p53 sowie Hormonrezeptoren helfen, die verschiedenen Tumortypen voneinander zu unterscheiden. Molekulare Untersuchungen ergänzen die Diagnostik und sind entscheidend für die Auswahl zielgerichteter Therapien und die Prognose des Verlaufs.
Ursprung vieler Ovarialkarzinome liegt im Eileiter
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen: Viele aggressive Ovarialkarzinome entstehen nicht primär in den Eierstöcken, sondern im Eileiter. Dies gilt besonders für das high-grade seröse Karzinom (HGSC), das etwa 60 Prozent aller Ovarialkarzinome ausmacht. Diese Tumoren bilden sich als mikroskopische Vorstufen im Eileiter und breiten sich dann aus. Die Erkenntnis ermöglicht präventive Maßnahmen: Bei vielen Patientinnen kann durch frühzeitige Entfernung der Eileiter nach abgeschlossener Familienplanung ein mögliches Ovarialkarzinom verhindert werden.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessert Diagnostik
Tumoren im Eierstock müssen nicht zwangsläufig dort entstanden sein. Häufig handelt es sich um metastasierte Tumoren aus dem Gastrointestinaltrakt, beispielsweise Magenkarzinome. Die Abstimmung mit spezialisierten Organpathologinnen und -pathologen ist daher essenziell für eine präzise Diagnose.
Zahlen und Fakten
Etwa 6.700 Frauen erkrankten 2022 in Deutschland neu an Ovarialkarzinomen. Die Erkrankungs- und Sterberaten nehmen laut Robert Koch-Institut seit der Jahrtausendwende deutlich ab. Etwa drei von vier Ovarialkarzinomen werden erst im späten Stadium III oder IV entdeckt. Bei etwa einer von vier Patientinnen ist der Eierstockkrebs erblich bedingt durch Genveränderungen in Risikogenen wie BRCA1 und BRCA2.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Pathologie e. V. im Juni 2026: Monatsthema 18: Ovarialkarzinome





