Gynäkologie » Schwangerschaft » Risikoschwangerschaften

»

Peripartale Kardiomyopathie erkennen und behandeln

Haben das aktuelle Wissen zur schwangerschaftsbedingten Herzschwäche (PPCM) zusammengefasst: Professorin Dr. Denise Hilfiker-Kleiner und Professor Dr. Johann Bauersachs

Peripartale Kardiomyopathie erkennen und behandeln

News

Gynäkologie

Schwangerschaft

Risikoschwangerschaften

3 MIN

Erschienen in: gyne

Die peripartale Kardiomyopathie (PPCM) ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Herzschwäche, die Frauen kurz vor oder nach der Geburt trifft. Ein neuer Übersichtsartikel im Journal The Lancet fasst das aktuelle Wissen zu Genetik, Diagnostik und Behandlung zusammen. Ärztinnen und Ärzte aus Gynäkologie, Kardiologie und Allgemeinmedizin sowie Hebammen sollen die Erkrankung besser erkennen. Die Symptome ähneln typischen Schwangerschaftsbeschwerden, weshalb PPCM oft übersehen wird. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend.

Zeitraum und Prävalenz

Die peripartale Kardiomyopathie (PPCM) ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung. Sie trifft zuvor herzgesunde Frauen wenige Wochen vor oder nach der Geburt eines Kindes. Dabei kommt es zu einer stark eingeschränkten Pumpleistung der linken Herzkammer. PPCM betrifft eine unter 1.500 bis 2.000 Schwangeren. Die Erkrankung ereilt Betroffene ohne Vorwarnung und kann binnen kurzer Zeit zu schwerem Herzversagen und sogar zum Tode führen.

Symptome werden oft verkannt

Die Anzeichen ähneln Beschwerden, die gegen Ende einer Schwangerschaft und kurz nach einer Entbindung häufiger vorkommen: Abgeschlagenheit, Atemnot, Husten, Gewichtszunahme (besonders durch Wassereinlagerungen in Lunge und Unterschenkeln) und Herzrasen. PPCM wird daher oft nicht erkannt und tritt vermutlich häufiger auf als angenommen.

Übersichtsartikel in The Lancet erschienen

Ein Übersichtsartikel über den aktuellen Wissensstand zu Genetik, Krankheitsentwicklung, diagnostischem Vorgehen und Behandlung von PPCM soll nun dafür sorgen, dass die Kardiomyopathie zuverlässiger erkannt und behandelt wird. Die Publikation soll PPCM stärker in das Bewusstsein von Ärztinnen und Ärzten vor allem aus den Fachrichtungen Allgemeinmedizin, Gynäkologie und Kardiologie sowie Hebammen rücken. Darüber hinaus enthält die Übersicht einen neuartigen Risiko-Score zur Vorhersage der Erholung des Herzens sowie Informationen zu den Risiken und Ergebnissen einer Folgeschwangerschaft. Zum Autorenkreis gehören Professor Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), und MHH-Präsidentin Professorin Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, die das Forschungsfeld vor mehr als 20 Jahren an der MHH etabliert hat.

Diagnose per Ultraschall

„PPCM ist eine Erkrankung mit erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen bei Müttern und Neugeborenen”, betont Professor Bauersachs.

Nur die Hälfte der betroffenen Frauen erreicht innerhalb von sechs Monaten nach Auftreten der Symptome eine vollständige Erholung des Herzmuskels.

Prof. Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover

Mit Hilfe eines Herz-Ultraschalls und bestimmter Markerproteine im Blut lässt sich die Erkrankung nachweisen. „Eine PPCM liegt vor, wenn die Auswurfleistung der linken Herzkammer unter 45 % liegt”, stellt der Kardiologe fest. Rechtzeitig behandelt, erholt sich das Herz oft vollständig, es kann jedoch auch eine Herzschwäche zurückbleiben. „Die Behandlung mit dem Abstillmedikament Bromocriptin zusätzlich zur Therapie mit üblicherweise bei Herzschwäche eingesetzten Medikamenten ist dabei eine vielversprechende Behandlungsoption”, ergänzt Professorin Hilfiker-Kleiner zur Behandlung der PPCM.

Folgeschwangerschaft unter Betreuung möglich

Auch eine Folgeschwangerschaft ist bei PPCM-Patientinnen ist nach Meinung der Expertinnen und Experten mit einem vertretbaren Risiko möglich – allerdings nur, wenn die Patientinnen weiterhin von einem erfahrenen, interdisziplinären medizinischen Team betreut werden und eine angemessene medikamentöse Behandlung erhalten.

KI-gestützt, redaktionell bearbeitet nh

Quellen:

Pressemitteilung der MHH

THE LANCET Journal

Bildquelle: © Karin Kaiser/MHH

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Symbolbild Fallbeispiel

Ich habe Krebs, oder?

Fachartikel

Eine 60-jährige Patientin mit zystisch-solider Raumforderung im Endometrium stellte sich mit großer Sorge vor einer möglichen Krebsdiagnose vor. Die Hysteroskopie sollte Klarheit über den Endometriumpolyp bringen.

Gynäkologie

Benigne Uteruserkrankungen

Polypen

Beitrag lesen
Illustration mit den Buchstaben P M O S und stilisiertem Uterus als Symbol fuer das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom PMOS statt PCOS

Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom: PMOS statt PCOS

News

Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom ersetzt PCOS: 14 Jahre globale Forschung führen zu neuem Namen für Erkrankung, die 170 Millionen Frauen betrifft – für bessere Diagnose und Versorgung.

Gynäkologie

Gynäkologische Endokrinologie

Beitrag lesen
Anatomisches Modell von weiblichem Becken und Beckenbodenmuskulatur als Symbol fuer die Ueberarbeitung der S3 Leitlinie zum Descensus genitalis

Überarbeitung der S3-Leitlinie zum Descensus genitalis

News

Descensus genitalis betrifft viele Frauen und die Therapieoptionen sind vielfältig. Die aktualisierte S3-Leitlinie gibt zudem erstmals Empfehlungen zur Prävention und zur Therapie bei noch nicht abgeschlossener Familienplanung.

Gynäkologie

Urogynäkologie

Beitrag lesen