Ein Sauerstoffmangel während der Geburt gilt oft als Ursache kindlicher Hirnschäden. Doch das MRT erlaubt Rückschlüsse auf den Entstehungszeitraum und kann so pränatale Ursachen anhand der Morphologie eindeutig nachweisen. Fachkundige Beratung über Neuroplastizität ist essenziell, um Prognosen richtig einzuschätzen und verantwortungsvoll zu entscheiden.
Zusammenfassung
Die Morphologie einer prä- oder perinatalen Hirnläsion hängt entscheidend vom Reifegrad des fetalen oder neonatalen Gehirns zum Zeitpunkt der Schädigung ab. Dadurch erlaubt die Morphologie einer Hirnschädigung oft zuverlässige Rückschlüsse auf ihren Entstehungszeitraum. So kann manchmal die Diagnose einer pränatalen Schädigung den Verdacht auf eine perinatale Genese ausräumen.
Das fetale Gehirn verfügt über weitreichende, manchmal spektakuläre Möglichkeiten der Neuroplastizität und Reorganisation nach umschriebenen Schädigungen. Am eindrucksvollsten sind hier große unilaterale Schädigungen der weißen Substanz, die oft nur ein moderates motorisches Defizit (im Sinn einer Hemiparese) verursachen, bei intakter kognitiver und sprachlicher Entwicklung. Eine viel ungünstigere Prognose haben bilateral-symmetrische Läsionen und epileptogene Läsionen. Nur wer diese Zusammenhänge kennt, kann bei pränatalen Hirnläsionen adäquat pränatal beraten.
Viele und auch sehr ausgedehnte und bilaterale pränatale Hirnschädigungen lassen überlebenswichtige Hirnstammfunktionen intakt, sodass betroffene Neugeborene oft gar keine neonatologische Unterstützung benötigen, sondern von alleine atmen und trinken. Von daher muss man mit einem Langzeitüberleben dieser Kinder rechnen, was das Angebot einer palliativen Entbindung in solchen Fällen besonders schwierig macht.
Autor und Autorin: M. Staudt, E. Bischoffshausen
Der kostenpflichtige Originalbeitrag zu diesem Thema wurde veröffentlicht in gynäkologische praxis 2026; 54 (2): 173–184.





