Forschende des UKE und der Stanford University haben herausgefunden, dass sich spontane Frühgeburten bereits Wochen bis Monate vorher im mütterlichen Immunsystem ankündigen. Die Studie analysierte Blutproben von Frauen mit risikoarmen Schwangerschaften und zeigte, dass bestimmte Immunzellen bei Frauen mit späterer Frühgeburt bereits früh anders reagierten. Die Ergebnisse eröffnen Perspektiven für Früherkennung und gezielte Prävention spontaner Frühgeburten.
Internationale Studie unter UKE-Leitung entdeckt Frühwarnzeichen für spontane Frühgeburten
Forschende der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Stanford University haben Hinweise darauf gefunden, dass sich spontane Frühgeburten bereits Wochen bis Monate vor ihrem Auftreten im Immunsystem der Mutter ankündigen. Die Studie wurde in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht.
Weltweit kommt rund jedes zehnte Kind zu früh auf die Welt. Bei etwa zwei Drittel aller Frühgeburten setzt die Geburt von selbst zu früh ein, mit Wehen oder einem vorzeitigen Fruchtwasserabgang. Diese spontanen Frühgeburten treten ohne erkennbare medizinische Warnzeichen oder bekannte Risikofaktoren auf.
Immunsystem zeigt frühe Veränderungen
„Mit unserer Studie konnten wir zeigen, dass eine fehlregulierte Anpassung des mütterlichen Immunsystems bereits lange vor dem klinischen Auftreten einer spontanen Frühgeburt nachweisbar ist. Diese Ergebnisse schaffen eine wichtige Grundlage, um das Risiko von spontanen Frühgeburten vorherzusagen und eröffnen Perspektiven für gezielte präventive Maßnahmen“, sagt Studienleiterin Prof. Dr. Petra Arck.
Das internationale Forschungsteam analysierte Blutproben aus der Schwangerschaftskohorte der UKE-Langzeitstudie PRINCE (Prenatal Identification of Children’s Health). Die Proben stammten von Frauen mit zunächst unauffälligen, risikoarmen Schwangerschaften und waren bereits lange vor einer möglichen Frühgeburt entnommen worden. Mithilfe modernster Multi-Omics-Technologien untersuchten die Forschenden Veränderungen des mütterlichen Immunsystems über die gesamte Schwangerschaft hinweg.
Immunzellen reagieren empfindlicher auf Stress
Die Analysen zeigten, dass sich das Immunsystem bei Frauen mit späterer spontaner Frühgeburt bereits in der frühen Schwangerschaft anders verhielt als bei Frauen, die termingerecht entbunden haben. Bereits zu Beginn der Schwangerschaft reagierten bei ihnen bestimmte Immunzellen besonders empfindlich auf Stresssignale, die durch Adrenalin vermittelt werden. Im weiteren Schwangerschaftsverlauf produzierten sie verstärkt entzündungsfördernde Botenstoffe.
Zudem identifizierten die Forschenden Veränderungen bei CD4+-T-Zellen. Diese wiesen eine verstärkte Th17-Polarisierung auf – ein Hinweis auf eine fehlgeleitete Immunregulation, die mit entzündlichen Prozessen in Verbindung gebracht wird.
Grundlage für Früherkennung und Prävention
„Die Studie liefert jetzt einen umfassenden Datensatz zur Dynamik des mütterlichen Immunsystems während der Schwangerschaft und schafft einen konzeptionellen Rahmen für die Früherkennung von Frauen mit erhöhtem Risiko für spontane Frühgeburten“, erklärt die klinische Studienleiterin Prof. Dr. Anke Diemert. Darüber hinaus liefert sie wichtige translationale Erkenntnisse für die Entwicklung gezielter Präventionsstrategien.
Die Studie entstand im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit zwischen dem UKE und der Stanford University und ist Teil des vom UKE geleiteten Sonderforschungsbereichs „Aktivierung des mütterlichen Immunsystems: Ursachen und Folgen“ (SFB 1713).
Quelle: Pressemitteilung des UKE Hamburg vom 27.07.2026: Veränderungen im mütterlichen Immunsystem können auf eine mögliche Frühgeburt hinweisen





