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cLUTO: Frühe vesikoamniale Shunt-Anlage verbessert Prognose

3D-Visualisierung eines Foetus mit sichtbaren Organen und Blutgefaessen – cLUTO und vesikoamniale Shunt-Anlage verbessert Prognose

Quelle: © Tinttrex – stock.adobe.com

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Erschienen in: UroForum

Eine vesikoamniale Shunt-Anlage im ersten Schwangerschaftsdrittel kann bei ungeborenen Kindern mit kongenitaler unterer Harnwegsobstruktion (cLUTO) die Überlebenschancen und Nierenfunktion deutlich verbessern. Dies zeigt die weltweit erste prospektive Studie der Unikliniken Köln und Bonn. 75 Prozent der Kinder wurden lebend geboren, 68 Prozent überlebten das erste Lebensjahr. 90 Prozent der Überlebenden benötigten keine Dialyse. Die Ergebnisse wurden in The Lancet Child & Adolescent Health veröffentlicht.

Frühe Intervention bei kongenitaler Harnwegsobstruktion

Ein interdisziplinäres Team der Unikliniken Köln und Bonn hat erstmals prospektiv untersucht, ob ein sehr früher Eingriff bei ungeborenen Kindern mit kongenitaler unterer Harnwegsobstruktion (cLUTO) deren Überlebenschancen und die spätere Nierenfunktion verbessern kann. Die Forschenden wollen die Prognose dieser schwerwiegenden Erkrankung grundlegend verbessern und betroffenen Kindern eine Dialyse möglichst ersparen.

Weltweit erste Studie zur frühen Intervention

In der weltweit ersten prospektiven Studie zu einer vesikoamnialen Shunt-Anlage bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel wurden 40 Schwangerschaften mit schwerer fetaler Megazystis untersucht. 75 Prozent der Kinder wurden lebend geboren, 68 Prozent überlebten das erste Lebensjahr. Von den 29 aktiv behandelten Überlebenden benötigten 26 (90 Prozent) keine Dialyse im ersten Lebensjahr. Die meisten zeigten eine normale oder nur leicht eingeschränkte Nierenfunktion.

Früher Eingriff schützt Nierenentwicklung

„Bei der cLUTO ist der Harnabfluss des ungeborenen Kindes blockiert. Der dadurch entstehende Druck führt bereits im Mutterleib zu einer erheblichen Überdehnung der Harnwege. Der dauerhaft erhöhte Druck kann die sich entwickelnden Nieren frühzeitig schädigen. Gleichzeitig fehlt Fruchtwasser, das überwiegend aus fetalem Urin besteht und für die normale Lungenreifung unverzichtbar ist.“

Priv.-Doz. Dr. Stefan Kohl, Facharzt der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Köln.

Bisherige pränatale Eingriffe im zweiten Schwangerschaftsdrittel konnten keinen überzeugenden Vorteil zeigen. „Die nun untersuchte Strategie setzt deutlich früher an: Mithilfe eines neuen, besonders filigranen Shunts konnte der Eingriff sicher bereits am Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels durchgeführt werden”, sagt Priv.-Doz Dr. Eva C. Weber, Stellvertretende Leiterin der Pränatalmedizin und Fetalchirurgie an der Uniklinik Köln.

Entwicklungsbiologischer Ansatz

Die Ergebnisse zeigen, dass bei frühzeitig behandelten Feten gute Chancen auf Überleben und eine erhaltene Nierenfunktion bestehen – vorausgesetzt, es liegen keine zusätzlichen schweren Fehlbildungen vor. Eine zuvor in dieser Patientengruppe häufig notwendige Dialyse konnte in den allermeisten Fällen vermieden werden. „Unser Ziel war es zu prüfen, ob wir durch eine sehr frühe Entlastung der Harnwege die empfindliche Phase der Nierenentwicklung schützen können”, sagt Dr. Weber. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieser Ansatz die Grundlage für eine bessere spätere Nierenfunktion schaffen kann. Wenn es gelingt, die Nierenentwicklung frühzeitig zu stabilisieren, können wir nicht nur die Überlebenschancen verbessern, sondern auch langfristige Folgen wie eine Dialysepflicht reduzieren.”

„Der Strategiewechsel basiert auf einer entwicklungsbiologischen Überlegung. […] In der Frühschwangerschaft befindet sich die Niere in einer besonders sensiblen Entwicklungsphase. Experimentelle Studien legen nahe, dass anhaltender Druck durch Harnstau die Vorläuferzellen der Niere dauerhaft schädigen kann. Durch eine sehr frühe Entlastung versuchen wir, diese kritische Phase der Nierenentwicklung zu schützen.”

Prof. Dr. Christoph Berg, Leiter der Fetalchirurgie an der Uniklinik Köln und einer der Pioniere des frühen Shunt-Programms in Köln und Bonn

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor

Die Studie entstand aus der Zusammenarbeit von Pränatalmedizin, Kindernephrologie, Kinderurologie und Neonatologie an den Unikliniken Köln und Bonn. Die Schwangerschaften wurden zwischen Juni 2019 und Januar 2024 eingeschlossen. Die Erstautorenschaft teilen sich Priv.-Doz. Dr. Eva C. Weber und Priv.-Doz. Dr. Stefan Kohl.

Quellen:

  1. Pressemitteilung der Uniklinik Köln vom 12.03.2026: Frühe Intervention kann Überleben und Nierenfunktion verbessern
  2. Weber EC, Kohl S et al. Early vesico-amniotic shunting for fetal megacystis in the first trimester . eClinicalMedicine (The Lancet Discovery Science), 2026.

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