Gynäkologie » Sexualmedizin und -aufklärung

»

Weibliche Genitalbeschneidung erkennen und behandeln

Mehrfarbige Schleifen mit dem Schriftzug Zero Tolerance for FGM als Symbol fuer die Aufklaerung ueber weibliche Genitalbeschneidung und ihre Behandlung

Weibliche Genitalbeschneidung erkennen und behandeln

Aus der Industrie

Gynäkologie

Sexualmedizin und -aufklärung

mgb medizin Redaktion

Verlag

5 MIN

Erschienen in: gyne

Weltweit sind 230 Millionen Frauen und Mädchen von weiblicher Genitalbeschneidung (FGM/C) betroffen, in Deutschland leben über 104.000 Betroffene. Die Folgen beeinflussen Gesundheit und Lebensqualität erheblich. Eine gute Versorgung aus konservativen Methoden wie medizinischer Hautpflege und operativen Optionen wie Defibulation und Rekonstruktion ist wichtig. Dafür muss FGM/C vom Fachpersonen erkannt und angesprochen werden. Wissenslücken führen oft dazu, dass weibliche Genitalbeschneidung übersehen wird.

Klassifikation nach WHO

Weibliche Genitalverstümmelung/-beschneidung (Female Genital Mutilation/Cutting, kurz: FGM/C) umfasst alle Eingriffe, bei denen die äußeren weiblichen Genitalien ganz oder teilweise entfernt oder aus nichtmedizinischen Gründen verletzt werden [1].

Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet vier FGM/C-Typen [2]:

  • Typ I: Teilweise oder vollständige Entfernung der Klitorisspitze und/oder Klitorisvorhaut
  • Typ II: Teilweise oder vollständige Entfernung der Klitorisspitze, der inneren und mitunter auch der äußeren Vulvalippen sowie der Klitorisvorhaut
  • Typ III (Infibulation): Verengung der Vaginalöffnung durch Zusammennähen der Vulvalippen nach der Beschneidung, sodass nur eine kleine Öffnung für Menstruationsblut und Urin bleibt
  • Typ IV: Alle anderen verletzenden Prozeduren an den weiblichen Genitalien

Wissenslücken beim medizinischen Fachpersonal

Trotz klarer Definition ist es für medizinisches Fachpersonal nicht immer einfach, FGM/C zu erkennen. Eine Umfrage unter 148 Ärztinnen und Ärzten, Hebammen und Pflegekräften zeigte erhebliche Wissenslücken: 80,7 Prozent hatten noch nie eine Fortbildung zum Thema besucht, nur knapp ein Drittel wusste von den vier FGM/C-Typen. Über die Hälfte (64 %) kannte den spezifischen ICD-10-Code nicht. Solch ein Wissensmangel kann dazu führen, dass FGM/C übersehen, nicht angesprochen und nicht dokumentiert wird [3].

Dr. med. Isabel Runge, Leiterin des Freiburger Zentrums für Frauen mit Genitalbeschneidung, betont: „Ich merke, dass häufig die größte Hürde darin besteht, FGM überhaupt anzusprechen. Ich möchte dazu motivieren, es anzusprechen, es ist gar nicht so schwer. Je normaler man es anspricht, desto normaler ist auch die Reaktion.“ Wichtig sei ein kultursensibles und empathisches Vorgehen. Viele betroffene Frauen suchen von selbst keine Hilfe – aus Scham oder weil bestimmte Beschwerden in ihren Gemeinschaften als „normal“ gelten. Oft wissen Frauen nicht, dass ihre medizinischen Probleme eine direkte Folge der Beschneidung sind [4].

Folgen von FGM/C und Behandlungsmöglichkeiten

FGM/C verursacht schwerwiegende physische, psychische und sexuelle Komplikationen. Akute Folgen sind psychisches Trauma, starke Schmerzen, Wundinfektionen, Sepsis und Anämie. Langzeitfolgen umfassen schmerzhaftes Narbengewebe, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, fehlende sexuelle Stimulierbarkeit, rezidivierende Infektionen, Dysmenorrhoe und Dysurie. Psychische Folgen können Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörung, Verhaltensstörungen und psychosomatische Störungen sein [4, 5]. FGM/C erhöht zudem das Risiko für Komplikationen in Schwangerschaft und Geburt signifikant [6].

Geschützte Inhalte gemäß Heilmittelwerbegesetz (HWG)

Die Inhalte dieser Seite unterliegen dem Heilmittelwerbegesetz (HWG) und sind daher nur nach Anmeldung zugänglich. Bitte loggen Sie sich ein, um auf alle geschützten Informationen, Materialien und das exklusive E-Paper zugreifen zu können.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

3D Darstellung einer Immunzelle mit CAR T Rezeptoren als Symbol fuer Schwangerschaft bei Autoimmunerkrankungen nach CAR T Zelltherapie

Schwangerschaft bei Autoimmunerkrankungen nach CAR-T-Zelltherapie

Aktuelles

Können Frauen mit Autoimmunerkrankungen nach CAR-T-Zelltherapie schwanger werden? Eine neue Studie im New England Journal of Medicine zeigt: Ja – und zwar sogar ohne Medikamente.

Gynäkologie

Schwangerschaft

Risikoschwangerschaften

Beitrag lesen
KBV Logo an moderner Glasfassade

Spargesetz: Kürzungen treffen Praxen ab sofort

Aktuelles

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz bringt massive Kürzungen: drei Milliarden Euro weniger im ambulanten Bereich. Die KBV gibt einen Überblick über wegfallende Leistungen.

Gynäkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Nahaufnahme eines schwarzen T-Shirts mit einer rosa Schleife auf der Brust einer Frau.

Risikoreduzierende Mastektomien: Wann sind sie wie zu diskutieren?

Fachbeitrag

Risikoreduzierende Mastektomien können das Brustkrebsrisiko bei Frauen mit genetischer Veranlagung deutlich senken. Entscheidend ist eine individuelle, interdisziplinäre Beratung, die genetische, klinische und psychosoziale Faktoren gleichermaßen berücksichtigt. Mehr zum kostenpflichten Artikel (inkludiert im Abo der gynäkologischen praxis)

Gynäkologie

Senologie

Mammakarzinom

Beitrag lesen