Gynäkologie » Gynäkologische Infektiologie

»

Neue Therapie bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen

Grafische Darstellung von Nieren und Harnblase, in der die Blase rot aufleuchtet, als Symbol fuer neue Therapie bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen

Quelle: © Artfinity - stock.adobe.com

Neue Therapie bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen

Aktuelles

Gynäkologie

Gynäkologische Infektiologie

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: gyne

Wiederkehrende Harnwegsinfektionen betreffen vor allem Frauen und die Erreger werden zunehmend antibiotikaresistent. Forschende aus der Schweiz und Deutschland haben erstmals eine Kombinationstherapie aus Phagentherapie und Darmfloratransplantation getestet. Bei drei Patientinnen zeigte sich eine Verringerung der Infekte und eine deutlich verbesserte Lebensqualität. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für eine klinische Studie, die im Juni 2027 beginnen soll.

Jenseits von Antibiotika: ein neuer Ansatz zur Behandlung von Harnwegsinfektionen

Wiederkehrende Harnwegsinfektionen gehören weltweit zu den häufigsten bakteriellen Infektionen und betreffen vor allem Frauen. Antibiotika sind zwar die Standardtherapie, doch häufige Rückfälle und zunehmende Antibiotikaresistenzen machen alternative Therapieansätze notwendig.

Phagentherapie kombiniert mit Darmfloratransplantation

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsklinik Balgrist und der Universität Zürich, der Universität zu Köln und dem Universitätsklinikum Köln, der Goethe-Universität Frankfurt sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) haben erstmals eine kombinierte Phagentherapie mit einer Darmfloratransplantation durchgeführt. Dabei machten sie sich die Eigenschaften der Phagen, die gezielt Bakterien angreifen und selbst multiresistente Keime wirksam abtöten können, zunutze. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature Microbiology veröffentlicht.
Die Studie wurde von der Medizinbiologin Dr. Shawna McCallin und dem Urologen Dr. Lorenz Leitner von der Universitätsklinik Balgrist in Zürich geleitet. Beteiligt waren außerdem die Infektionsforscherinnen PD Dr. Lena Biehl und Dr. Annika Y. Claßen vom Universitätsklinikum Köln sowie Professorin Dr. Maria Vehreschild von der Goethe-Universität Frankfurt.

Behandlung bei drei Patientinnen

Der neuartige Behandlungsansatz wurde bei drei Patientinnen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen angewendet, die weder auf Antibiotika noch auf gängige nicht-antibiotische Behandlungsstrategien angesprochen hatten. Bei allen Patientinnen wurde das Bakterium Escherichia coli nachgewiesen. Die Behandlungen fanden zwischen Mai und Juli 2023 statt. Alle drei Frauen erhielten acht Tage lang Phagentherapie oral und intravesikal, also lokal über einen Katheter in die Blase verabreicht. Zwei der drei Patientinnen erhielten anschließend zusätzlich eine Darmfloratransplantation in Köln. Da sich die Bakterien häufig sowohl im Darm als auch im Harnweg ansiedeln, zielte die Behandlung auf die Darmreservoirs von E. coli.

Positive Ergebnisse und geplante klinische Studie

Die Behandlungen wurden gut vertragen und führten zu keinen spürbaren Nebenwirkungen. Bei den beiden Patientinnen, die die Kombinationstherapie erhielten, war über einen Zeitraum von zwei Jahren eine langfristige Verringerung der Harnwegsinfekte zu beobachten. Bei allen Patientinnen verbesserte sich die Lebensqualität deutlich, während der Bedarf an Antibiotikabehandlungen erheblich zurückging.

„Drei Patientinnen reichen nicht aus, um diese neue Therapie zu etablieren. Dennoch hat diese Erfahrung dazu beigetragen, die Grundlage für eine klinische Studie zu schaffen“, sagt Shawna McCallin.

Die klinische Studie soll im Juni 2027 im Rahmen des Projekts REPhRAME an den kooperierenden Einrichtungen beginnen.

Quelle: Pressemitteilung der Universität zu Köln vom 30.07.2026: Jenseits von Antibiotika: ein neuer Ansatz zur Behandlung von Harnwegsinfektionen

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Blisterpackung mit oralen Kontrazeptiva

Orale Kontrazeptiva beeinflussen Immunantwort nicht

Aktuelles

Schwächen orale Kontrazeptiva den Impfschutz? Eine neue Studie des Universitätsklinikums Würzburg mit über 1.000 Frauen liefert eine wissenschaftlich fundierte Antwort.

Gynäkologie

Kontrazeption

Hormonelle Kontrazeption

Beitrag lesen
© Najib Lines - stock.adobe.com

Leukoplakie der Vulva – Wenn Weißfärbungen ein Warnsignal sind

Fachbeitrag

Weiße Veränderungen an der Vulva sind keine Diagnose: Der Begriff Leukoplakie umfasst unterschiedliche Läsionen – von harmlosen Veränderungen und Lichen sclerosus bis zu Präkanzerosen und invasiven Karzinomen. Der Beitrag erläutert Klassifikation, Diagnostik und Therapie. Wichtig: Die Veränderungen können die Lebensqualität beeinträchtigen, rezidivieren und ein Entartungsrisiko bergen.

Gynäkologie

Gynäkologische Infektiologie

Beitrag lesen
Stilisierter Uterus mit Eierstöcken in einer türkisfarbenen Schleife als Symbol fuer komplexe Diagnostik und Therapie beim Ovarialkarzinom

Komplexe Diagnostik entscheidet über Therapie beim Ovarialkarzinom

Aktuelles

Über 70 verschiedene Gewebeveränderungen können sich in den Eierstöcken bilden. Wie Pathologinnen und Pathologen Ovarialkarzinome präzise klassifizieren und damit die richtige Therapie ermöglichen.

Gynäkologie

Gynäkologische Onkologie

Ovarialkarzinom

Beitrag lesen