Kardiologie » Prävention und Rehabilitation

»

G-BA sieht geringen Zusatznutzen für Colchicin nach Myokardinfarkt

Stethoskop auf einem EKG zur Darstellung der Herzgesundheit nach Myokardinfarkt

Quelle: © RTimages – stock.adobe.com

G-BA sieht geringen Zusatznutzen für Colchicin nach Myokardinfarkt

Aktuelles

Kardiologie

Prävention und Rehabilitation

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bescheinigt Colchicin zur Sekundärprävention nach Myokardinfarkt einen geringen Zusatznutzen. Grundlage sind unter anderem Vorteile bei schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen und nicht tödlichen Schlaganfällen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat für Colchicin 0,5 mg zur kardiovaskulären Sekundärprävention nach einem Myokardinfarkt* einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen festgestellt [1]. Damit bewertet das Gremium den Zusatznutzen höher als das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das zuvor lediglich einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen gesehen hatte [2].

Bewertet wurde COLXI® (Colchicin) zur ergänzenden Behandlung von Erwachsenen mit atherosklerotischer koronarer Herzkrankheit und kürzlich erlittenem Myokardinfarkt. Das Präparat ist zusätzlich zur Standardtherapie zugelassen und verfolgt einen antiinflammatorischen Therapieansatz [3].

Grundlage der Nutzenbewertung waren die Daten der randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten COLCOT-Studie [3]. Darin zeigte sich unter Colchicin zusätzlich zur Standardtherapie ein statistisch signifikanter Vorteil beim patientenrelevanten Endpunkt „nicht tödlicher Schlaganfall“ [1, 2]. Darüber hinaus stellte der G-BA einen Vorteil beim kombinierten Endpunkt schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse fest. Dieser umfasste unter anderem nicht tödliche Schlaganfälle sowie dringliche Krankenhauseinweisungen wegen einer Angina pectoris mit notwendiger Koronarrevaskularisation [1].

Der G-BA stufte das Ausmaß des Zusatznutzens aufgrund der absoluten Risikoreduktion als gering ein [1]. Für mehrere Sicherheitsendpunkte lagen laut Nutzenbewertung jedoch keine geeigneten Daten vor [1, 2].

Hintergrund der Therapie ist die weiterhin bestehende Gefahr weiterer kardiovaskulärer Ereignisse trotz optimaler Sekundärprävention nach einem Myokardinfarkt. Neben klassischen Risikofaktoren spielt auch die Entzündung eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Atherosklerose. Colchicin setzt ergänzend an diesem inflammatorischen Signalweg an [4].

Auch die ESC-Leitlinie zum akuten Koronarsyndrom führt niedrig dosiertes Colchicin als mögliche Therapieoption auf. Demnach kann die Behandlung insbesondere bei unzureichend kontrollierten Risikofaktoren oder wiederkehrenden kardiovaskulären Ereignissen trotz optimaler Therapie erwogen werden [4].

Im Anschluss an die frühe Nutzenbewertung wird der Erstattungsbetrag zwischen dem GKV-Spitzenverband und dem pharmazeutischen Unternehmer verhandelt.

*bei Erwachsenen mit atherosklerotischer koronarer Herzerkrankung und kürzlich stattgefundenem Myokardinfarkt

Referenzen:

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Nutzenbewertung von Colchicin zur Prophylaxe ischämischer kardiovaskulärer Ereignisse nach Myokardinfarkt. Verfügbar unter: https://www.g-ba.de/bewertungsverfahren/nutzenbewertung/1314/#beschluesse
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Colchicin (Prophylaxe ischämischer kardiovaskulärer Ereignisse nach Myokardinfarkt); Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V; Dossierbewertung. DOI: 10.60584/A26-16
  3. Fachinformation COLXI® 0,5 mg Filmtabletten, Stand: September 2025
  4. Byrne RA et al. 2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes. Eur Heart J 2023; 44(38): 3720–826

Quelle: Pressemitteilung Apontis Pharma, August 2026

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Manuela Schön und Dr. Florian Meißner vom Gründungsteam HeartGate

HeartGate: Freiburger Team entwickelt neue OP-Methode

Aktuelles

Das Gründungsprojekt HeartGate der Universität Freiburg will die Implantation mechanischer Herzpumpen sicherer, schneller und kostengünstiger machen – künftig möglichst ohne Herz-Lungen-Maschine. Dafür erhält das Team eine Förderung von 4,35 Millionen Euro.

Kardiologie

Herzklappen- und strukturelle Erkankungen

Beitrag lesen
Ärztliches Team steuert robotische Assistenzsysteme bei einem gefäßmedizinischen Eingriff.

KI und Robotik in der Gefäßmedizin: Präziser planen, ärztlich entscheiden

Aktuelles

Künstliche Intelligenz, robotische Assistenzsysteme und digitale Simulationen halten zunehmend Einzug in die Gefäßmedizin. Sie können Diagnostik, Therapieplanung und Ausbildung unterstützen – die medizinische Verantwortung bleibt jedoch beim Menschen.

Kardiologie

Koronare und Gefäßerkrankungen

Beitrag lesen
Doppler-Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader zur Beurteilung von Gefäßverengungen und Ablagerungen

Hochgradige Carotisstenose: Medikamente können Eingriff nicht immer ersetzen

Studien

Die CREST-2-Studie zeigt, dass eine intensive medikamentöse Therapie das Schlaganfallrisiko bei asymptomatischer Carotisstenose zwar deutlich senkt, einen Eingriff aber nicht immer ersetzen kann. Für die individuelle Therapieentscheidung sind neben dem Stenosegrad vor allem die Beschaffenheit der Plaques, der Allgemeinzustand und das Eingriffsrisiko entscheidend.

Kardiologie

Koronare und Gefäßerkrankungen

Beitrag lesen