Das Gründungsprojekt HeartGate der Universität Freiburg will die Implantation mechanischer Herzpumpen sicherer, schneller und kostengünstiger machen – künftig möglichst ohne Herz-Lungen-Maschine. Dafür erhält das Team eine Förderung von 4,35 Millionen Euro.
Wenn das Herz den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen kann, ist eine Herztransplantation häufig die letzte Therapieoption. Weil jedoch deutlich weniger Spenderorgane zur Verfügung stehen als benötigt, kommen bei einigen Patientinnen und Patienten mechanische Herzpumpen zum Einsatz.
Die Pumpen unterstützen die Arbeit des geschwächten Herzens. Für ihre Implantation wird ein sogenannter Inflow, ein etwa zwei Zentimeter durchmessender Zufluss, in die Herzkammer eingesetzt. Dafür muss ein Loch in die Herzwand eingebracht werden. Bei einem schlagenden und mit Blut gefüllten Herzen besteht dabei das Risiko einer lebensgefährlichen Blutung.
Deshalb werden solche Eingriffe bislang in der Regel mit Unterstützung einer Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Sie übernimmt während der Operation vorübergehend den Blutfluss, indem sie das Blut am Herzen vorbeileitet. Das Verfahren ist jedoch aufwendig, langwierig und mit zusätzlichen Risiken sowie hohen Kosten verbunden.
Neues Verfahren soll Herz-Lungen-Maschine überflüssig machen
Hier setzt das Freiburger Gründungsprojekt HeartGate an. Das Team um die Medizintechnikingenieurin Manuela Schön und den Mediziner Dr. Florian Meißner entwickelt ein Verfahren, mit dem mechanische Herzpumpen künftig ohne Herz-Lungen-Maschine implantiert werden sollen. Der Name HeartGate – „Tor zum Herzen“ – verweist auf den Zugang zur Herzkammer.
Ziel ist es, die Implantation zu vereinfachen und den Eingriff perspektivisch sicherer, schneller und kostengünstiger zu machen. Das Verfahren befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Belastbare klinische Nachweise zur Sicherheit und Wirksamkeit liegen daher noch nicht vor.
Idee entstand bei ungeplantem Zwischenstopp
Die Idee für HeartGate entstand 2023 eher zufällig. Ein geplanter Termin des Teams bei einem Kooperationspartner in Stuttgart wurde kurzfristig abgesagt. Die Forschenden legten auf dem Weg einen Zwischenstopp in Hinterzarten ein und diskutierten in einem Café über ihre Arbeit.
Aus der Frage, wie sich Herzpumpen ohne Herz-Lungen-Maschine implantieren lassen könnten, entwickelte sich ein konkretes Forschungs- und Gründungsvorhaben. Das Team fertigte erste Skizzen und Modelle an, testete Prototypen und reichte beim Transferbüro der Universität Freiburg zwei Erfindungsmeldungen ein. 2024 wurden daraus Patentanmeldungen.
Der Weg zur Finanzierung war jedoch nicht geradlinig. Sowohl für ein vorheriges Projekt als auch für HeartGate wurde ein Antrag auf eine EXIST-Förderung zunächst abgelehnt. Gleichzeitig liefen die bisherigen Finanzierungsmöglichkeiten des Teams aus.
Preise und Förderprogramme ebnen den Weg
Ein wichtiger Erfolg folgte im März 2025: Dr. Florian Meißner stellte HeartGate bei der Innovation Night in Rottweil vor und gewann den Publikumspreis. Im selben Monat erhielt Manuela Schön eine Zusage für das Programm Startup|Women der Universität Freiburg. Das Programm unterstützt Frauen mit Gründungsideen ein Jahr lang und vermittelt unter anderem Mentoring und Zugang zu einem Gründungsnetzwerk.
Auch das Gründungsbüro der Universität Freiburg unterstützte das Team bei der Vorbereitung eines entscheidenden Pitches vor einer Jury des Förderprogramms GO-Bio next. Das Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung fördert Gründungsvorhaben in den Lebenswissenschaften.
Der Pitch in Berlin führte schließlich zum Durchbruch: HeartGate erhielt eine Förderzusage über 4,35 Millionen Euro. Mit der Förderung will das Team die Entwicklung bis zu einem marktfähigen Medizinprodukt vorantreiben.
Entwicklung zum Medizinprodukt läuft
Neben der Arbeit im Labor sammeln Schön, Meißner und ihr Team weitere Erfahrungen in den Bereichen Unternehmensgründung, Finanzierung, Marketing und Regulierung. Sie absolvieren berufsbegleitende Masterstudiengänge an der Hochschule Furtwangen in den Bereichen „Medical Devices & Healthcare Management“ und „Regulatory Affairs“.
Darüber hinaus nimmt das Team weiterhin an Wettbewerben und Pitches teil. Beim Venture Cup von Science4Life, einem bundesweiten Businessplan-Wettbewerb für die Lebenswissenschaften, belegte HeartGate den ersten Platz.
Die Motivation der Forschenden ist vor allem der mögliche Nutzen für Patientinnen und Patienten. „Es gibt die Chance, dass HeartGate das bisherige OP-Verfahren sicherer und schneller machen wird“, sagt Meißner. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, muss die weitere präklinische und klinische Entwicklung zeigen.
Quelle: Pressemitteilung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, September 2026





