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Deutscher Herzbericht 2026: Sterblichkeit sinkt, Versorgungsbedarf steigt

Karte Deutschlands mit einer roten EKG-Linie zur Darstellung der Herzgesundheit.

Quelle: © Andrei – stock.adobe.com

Deutscher Herzbericht 2026: Sterblichkeit sinkt, Versorgungsbedarf steigt

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: herzmedizin

Die Sterblichkeit durch koronare Herzkrankheit ist in Deutschland rückläufig. Gleichzeitig nehmen herzbedingte Krankenhausaufenthalte zu – insbesondere bei älteren Menschen. Der Deutsche Herzbericht sieht deshalb weiterhin großen Handlungsbedarf bei Prävention, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation.

Der Deutsche Herzbericht – Update 2026, der auf Daten aus dem Jahr 2024 basiert, zeigt ein ambivalentes Bild: Die Gesamtsterblichkeit durch Herzerkrankungen ist leicht gesunken. Besonders deutlich war der Rückgang bei der koronaren Herzkrankheit (KHK). Die Sterberate sank innerhalb eines Jahres von 127,3 auf 118,3 Todesfälle pro 100.000 Einwohner – ein Rückgang um 7,1 %.

Die Deutsche Herzstiftung führt diese Entwicklung unter anderem auf Fortschritte in Diagnostik, Therapie und Rehabilitation zurück. Dazu zählen interventionelle Verfahren wie die Stent-Therapie beim Herzinfarkt, die Bypass-Chirurgie, verbesserte medikamentöse Behandlungen sowie eine optimierte Rettungskette.

Demografischer Wandel erhöht den Versorgungsdruck

Von einer Entwarnung könne jedoch keine Rede sein. Parallel zur sinkenden Sterblichkeit steigt die Zahl der herzbedingten Krankenhausaufenthalte. Besonders betroffen sind Menschen ab 65 Jahren. Bei den 75- bis unter 85-Jährigen nahm die Hospitalisationsrate seit 2012 um 13,3 % zu.

Der demografische Wandel stellt die Herzmedizin damit vor erhebliche Herausforderungen. Erforderlich ist nach Einschätzung der beteiligten Fachgesellschaften eine interdisziplinäre, multiprofessionelle und sektorenübergreifende Versorgung – vom hausärztlichen und ambulant-kardiologischen Bereich bis zur stationären und invasiven Herzmedizin. Frühzeitige Prävention, gezielte Diagnostik und eine wirksame Therapie gewinnen dadurch weiter an Bedeutung.

Herzrhythmusstörungen im Fokus

Ein Schwerpunkt des aktuellen Herzberichts liegt auf Herzrhythmusstörungen. Sie verursachten 2024 mehr als 509.000 vollstationäre Krankenhausaufnahmen und rund 29.800 Todesfälle. Die Zahl der Klinikeinweisungen stieg innerhalb eines Jahres von rund 520 auf 532 pro 100.000 Einwohner.

Besonders relevant ist Vorhofflimmern, die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Rund 360.800 Patientinnen und Patienten wurden deshalb 2024 vollstationär behandelt. Insgesamt leben in Deutschland derzeit mehr als 1,6 Millionen Menschen mit Vorhofflimmern. Aufgrund der demografischen Entwicklung könnte sich diese Zahl innerhalb der kommenden drei Jahrzehnte verdoppeln.

Vorhofflimmern erhöht nicht nur das Risiko für Schlaganfälle und Herzinsuffizienz. Die Erkrankung führt auch zu einem wachsenden Bedarf an Diagnostik, medikamentöser und interventioneller Therapie sowie langfristiger Betreuung.

Katheterablationen nehmen deutlich zu

Der Wandel zeigt sich auch bei den Therapieverfahren. Zwischen 2019 und 2024 stieg die Zahl der Katheterablationen um 78,1 %. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 139.941 Ablationen durchgeführt, davon 88.739 bei Vorhofflimmern.

Als Gründe gelten neben der zunehmenden Zahl von Herzrhythmusstörungen und Begleiterkrankungen auch die Weiterentwicklung der Verfahren. Ablationen können heute vielfach präziser und mit niedrigerer Zugangsschwelle durchgeführt werden. Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei kathetergestützten Aortenklappenersatzverfahren (TAVI), die insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten häufiger eingesetzt werden.

Auch in der Herzchirurgie ermöglichen risikoärmere Operationsverfahren zunehmend die Behandlung älterer Menschen mit guten Langzeitergebnissen.

Rehabilitation bleibt unzureichend genutzt

Trotz der steigenden Zahl stationärer Behandlungen und Ablationen wird die kardiologische Rehabilitation bislang nur von einem kleinen Teil der Betroffenen in Anspruch genommen. 2024 standen mehr als 509.000 stationären Fällen wegen Herzrhythmusstörungen und knapp 140.000 Ablationen lediglich 5.889 Rehabilitationspatientinnen und -patienten mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern gegenüber.

Gerade bei Vorhofflimmern kann eine Rehabilitation dazu beitragen, Symptome und Ängste zu reduzieren, Risikofaktoren zu kontrollieren und erneute Krankenhausaufnahmen zu vermeiden. Die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen fordert deshalb, Prävention und Rehabilitation stärker als festen Bestandteil der Versorgung zu etablieren – und nicht als nachrangige Ergänzung zu betrachten.

Prävention frühzeitig verankern

Die Deutsche Herzstiftung sieht in der Prävention weiterhin den wichtigsten Hebel für eine bessere Prognose. Sie müsse strukturell im Gesundheitswesen verankert werden und möglichst bereits im Kindes- und Jugendalter beginnen. Gesundheitskompetenz und der Umgang mit Risikofaktoren sollten früh vermittelt und im ambulanten Bereich systematisch aufgegriffen werden.

Gerade beim Vorhofflimmern könnten dadurch Risikokonstellationen früher erkannt und Folgeerkrankungen wie Schlaganfälle oder Herzinsuffizienz verhindert werden.

Regionale Unterschiede bei der Herzinfarktsterblichkeit

Der Herzbericht zeigt zudem weiterhin deutliche regionale Unterschiede. Die höchsten Herzinfarktsterberaten wurden 2024 in Mecklenburg-Vorpommern mit 63,4 Todesfällen pro 100.000 Einwohner, in Berlin mit 60,4, in Sachsen-Anhalt mit 55,8 und in Bremen mit 55,1 Todesfällen pro 100.000 Einwohner verzeichnet.

Neben der Alters- und Bevölkerungsstruktur können sozioökonomische Faktoren, der Raucheranteil, Erwerbsstatus und Arbeitslosenquote sowie Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Adipositas eine Rolle spielen.

Angesichts von Klinikinsolvenzen und Strukturreformen warnt die Deutsche Herzstiftung zudem vor möglichen Engpässen in der kardiologischen Akutversorgung. Die zeitkritische Behandlung müsse auch unter Reform- und Sparzwängen gewährleistet bleiben. Mehr als 400 zertifizierte Chest-Pain-Units standen im September 2026 bundesweit rund um die Uhr zur Verfügung. Ihre weitere Verbreitung könnte dazu beitragen, regionale Versorgungslücken abzufedern.

Quelle: Deutscher Herzbericht – Update 2026 / Deutsches Ärzteblatt

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