Künstliche Intelligenz, ambulante Vorhofflimmerablation und die Versorgung von Frauen mit Herzinfarkt: Bei der Eröffnungspressekonferenz der DGK Herztage am 24. September in Hamburg zeigten die drei Tagungspräsidentinnen, wie technische Möglichkeiten und Versorgungsrealität zusammenfinden müssen.
Künstliche Intelligenz im kardiologischen Alltag
Prof. Dr. Renate Schnabel, Hamburg, zeigte, wie KI in der Kardiologie schon genutzt werden kann: So erfassen beispielsweise Wearables Gesundheitsdaten, und EKGs werden auf subtile Hinweise auf Rhythmusstörungen analysiert; „Die KI erkennt Auffälligkeiten, liefert also eine Art Alert, aber keine spezifischen Diagnosen“, so Schnabel; die weiterführende Diagnostik liegt dann weiterhin noch im ärztlichen Bereich. Auch bei der Bildgebung, Rehabilitation und PCI-Eingriffen sieht Schnabel Potenzial. Für die akute Stentimplantation sei die von ihrem Team erprobte robotergestützte Technik allerdings noch nicht praxistauglich: „Es dauert deutlich länger als ein geübter Operateur“, sagte Schnabel; zudem seien die Systeme sehr teuer.
Herausforderungen der KI sieht Schnabel bei Fragen der Sicherheit und Haftung: Schon kleine Fehler könnten bei Eingriffen schwerwiegende Folgen haben. Gemeinsame Entscheidungen und Empathie erfordern weiterhin ein menschliches Gegenüber, auch strenge regulatorische Vorgaben seien einzuhalten.
Ablation zwischen Klinik und ambulanter Versorgung
Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben nach Angaben von PD Dr. Anja Schade, Bad Neustadt, mit Vorhofflimmern. Die Katheterablation kann die Lebensqualität verbessern, bei bestimmten Patient:innen auch die Prognose.
Die Verlagerung von Ablationen in den ambulanten Bereich verlangt jedoch eine sorgfältige Auswahl: „Die ambulante Durchführung ist sicher möglich, wenn wir diese Patient:innen gut auswählen“, betonte Schade. Multimorbide Betroffene oder solche ohne ausreichende Unterstützung zu Hause benötigen weiterhin eine stationäre Versorgung. Für die Kliniken bedeute die Umstellung zusätzliche Koordination und Personalaufwand. Schade forderte vergleichbare Qualitätssicherung für ambulante und stationäre Zentren, einschließlich einer Prüfung der Behandlungsergebnisse. Auch ob die Ambulantisierung tatsächlich Kosten senkt und die Versorgung aufrechterhält, müsse untersucht werden.
Herzinfarkt bei Frauen: Lücken in der Versorgung schließen
Prof. Dr. Tanja Rudolph, Bad Oeynhausen, verwies auf die höhere Krankenhaus-sterblichkeit von Frauen nach einem Myokardinfarkt: Die gezeigten Daten des Deutschen Herzberichts nennen 14,1 % gegenüber 10 % bei Männern. Als Gründe diskutierte sie unter anderem Verzögerungen vor der Klinikaufnahme, Unterschiede in der Behandlung und diagnostische Lücken. Ein Infarkt ohne obstruktive Koronarstenose (MINOCA) tritt bei Frauen etwa dreimal so häufig auf. Koronardissektionen oder Störungen der Mikrozirkulation können über die übliche Koronarangiografie hinausgehende Untersuchungen erforderlich machen.
Auch Risikofaktoren, die nur Frauen betreffen, wie etwa Präeklampsie oder eine frühe Menarche, würden in der Praxis zu wenig berücksichtigt. „Wir brauchen mehr geschlechtsspezifische Studien in dem Bereich“, forderte Rudolph. Zugleich warb sie für mehr Frauen in der interventionellen Kardiologie: In Deutschland waren 2025 nur 11 % der Interventionalisten Frauen. Fehlende Vorbilder, Dienstbelastung und begrenzte Karrierechancen gehörten zu den möglichen Hürden.
Die Pressekonferenz zeigte, wie vielfältig die Herzmedizin im Wandel ist: Neue Technologien, veränderte Versorgungsstrukturen und geschlechtsspezifische Unterschiede stellen Forschung und Praxis vor ganz unterschiedliche Aufgaben.
Quelle: Pressekonferenz „Künstliche Intelligenz, Strukturreform und Gendermedizin: Unsere Versorgung im Wandel“ im Rahmen der Herztage der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK); Hamburg, 24.9.2026
Zum Statement von PD Dr. Anja Schade: „Aspekte der Ambulantisierung von Vorhofflimmerablationen“





